Elif Eralp: Die Frau, die Berlin regieren will
An einem Dienstagabend im Mai steht Elif Eralp etwas unschlüssig am Rande der Bühne des Theaters an der Parkaue im Berliner Ortsteil Lichtenberg. Daneben im schwarzen Raum: knallrote Bistrotische und eine große Stellwand mit dem Titel des Abends: „Schluss mit der Vonovia-Abzocke“. Die Veranstaltung ist Teil ihres Wahlkampfes – und ein Symbol für ihren politischen Stil.
Eralp, Spitzenkandidatin der Linken für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, ist plötzlich vorn in den Umfragen. Die Linke ist dem Roten Rathaus so nah wie nie. Doch wer ist die Frau, die dort einziehen könnte? Ein Porträt einer Kandidatin, die zwischen Kümmern und Klassenkampf balanciert.
Der Aufstieg einer Linken-Politikerin
Elif Eralp, geboren 1982 in Berlin, ist seit 2016 Mitglied des Abgeordnetenhauses. Sie gilt als pragmatische Linke, die sich für bezahlbaren Wohnraum, soziale Gerechtigkeit und eine starke öffentliche Daseinsvorsorge einsetzt. Ihr Wahlkreis Lichtenberg ist eine Hochburg der Linken, wo sie 2021 mit 32,5 Prozent der Erststimmen gewann.
In den aktuellen Umfragen liegt die Berliner Linke bei 14 bis 16 Prozent, nur knapp hinter der SPD. Eralp selbst könnte als Spitzenkandidatin sogar Regierende Bürgermeisterin werden, falls ihre Partei stärkste Kraft wird. Ein Szenario, das noch vor wenigen Monaten undenkbar schien.
Balanceakt zwischen Kümmern und Klassenkampf
Eralps politischer Stil ist geprägt von einem schwierigen Balanceakt. Einerseits pflegt sie einen bürgernahen, kümmernden Ansatz – sie hört zu, sucht den direkten Dialog mit Wählern, wie an jenem Maiabend im Theater. Andererseits bedient sie klassenkämpferische Töne, wenn es gegen Konzerne wie Vonovia oder die Wohnungsbaupolitik des Senats geht.
„Wir müssen die Mieten deckeln und die Profiteure zur Kasse bitten“, sagte Eralp kürzlich in einer Rede. Gleichzeitig betont sie: „Ich will nicht spalten, sondern zusammenführen. Berlin braucht eine Politik, die die Menschen mitnimmt.“ Diese Doppelstrategie könnte der Schlüssel zum Erfolg sein – aber auch zur Kritik.
Die Herausforderungen einer möglichen Regierungsübernahme
Sollte die Linke tatsächlich die Wahl gewinnen, stünde Eralp vor gewaltigen Herausforderungen. Die Berliner Haushaltslage ist angespannt, die Erwartungen an eine linke Regierung sind hoch – von der Verkehrswende über die Schulpolitik bis zur Bekämpfung von Armut. Zudem müsste sie Koalitionspartner finden, wahrscheinlich SPD und Grüne, was Kompromisse erfordert.
Eralp selbst gibt sich zuversichtlich: „Wir haben klare Vorstellungen, aber wir sind auch realistisch. Eine Regierung zu führen heißt, Verantwortung zu übernehmen.“ Ob die Wähler ihr diesen Balanceakt zutrauen, wird sich am Wahltag zeigen.



