Rekordbrände in Frankreich und Spanien: Tausende Tote durch Rauch befürchtet
Rekordbrände in Frankreich und Spanien: Rauchgefahr

In Spanien wütet der größte Waldbrand der jüngeren Geschichte, in Frankreich wurden seit Jahresbeginn rund 100.000 Hektar Land vernichtet – ein historischer Rekord. Dabei ist die Waldbrandsaison noch nicht einmal auf ihrem Höhepunkt; eigentlich beginnt sie im August erst richtig. Die katastrophale Lage hat mehrere Ursachen, wie Klimawissenschaftler und Forstexperten erklären.

Extreme Witterung als Brandbeschleuniger

Ein entscheidender Faktor war der außergewöhnlich feuchte Winter 2021/2022. Im Januar und Februar zogen immer wieder schwere Stürme über Spanien und Frankreich, die Felder überschwemmten und Strommasten umknickten. „Nach feuchten Wintern gibt es in Südwesteuropa beste Wachstumsbedingungen für die Pflanzen“, sagt Julia Miller, Klimawissenschaftlerin am Schweizerischen WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF. Gräser, Sträucher und Unterholz schossen empor. „Durch die dann folgenden zwei Hitzewellen ist die Vegetation ausgetrocknet, weshalb sich Brände schnell und stark ausbreiten können, sobald eine Zündquelle auftritt.“

Bereits jetzt mehr als die fünffache Fläche

Die Zahlen des Waldbrand-Informationssystems der Europäischen Kommission (EFFIS) sind alarmierend: In Spanien ist bereits mehr als doppelt so viel Fläche abgebrannt wie im Durchschnitt eines gesamten Jahres, in Frankreich sogar mehr als die fünffache Fläche. Miller erwartet in den kommenden Wochen weitere schwere Brände. „Wir bräuchten Feuchtigkeit in der Vegetation und im Boden, damit Waldbrände sich weniger schnell ausbreiten können.“ Doch unter den derzeitigen Bedingungen wachse nichts nach. Selbst kurzzeitige Regenfälle befeuchteten nur die Oberfläche. „Wenn es weiter so heiß und trocken bleibt, kann man da vorerst nicht mit Entspannung rechnen.“

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Klimawandel macht Dürren fünfmal wahrscheinlicher

Eine Analyse der World Weather Attribution (WWA) zeigt, dass eine so extreme Bodendürre wie in Westeuropa in diesem Jahr etwa fünfmal wahrscheinlicher ist als ohne menschengemachte Klimaerwärmung. Niederschlagsdefizite, die früher keine Dürre ausgelöst hätten, führen heute zu Dürrebedingungen. Ausschlaggebend sei nicht allein der Mangel an Regen, sondern vor allem die durch Hitze dramatisch gestiegene Verdunstung. Derzeit liegt die Erde bei einer Erwärmung von etwa 1,4 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Mariam Zachariah vom Imperial College London und der WWA warnte: „Sollten die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad ansteigen lassen, könnten diese intensiven Verdunstungsbedingungen doppelt so wahrscheinlich werden und Dürren wie diese zu einem regelmäßigen Ereignis machen.“

Gesundheitsgefahr durch Feinstaub

Die Brände haben nicht nur ökologische, sondern auch gravierende gesundheitliche Folgen. Theo Keeping vom Imperial College London betont: „Aus wissenschaftlicher Sicht ist mit Zehntausenden zusätzlichen Todesfällen aufgrund von Rauchbelastung zu rechnen.“ Laut Umweltbundesamt geht die wesentliche Gesundheitsgefährdung bei Bränden von der hohen Feinstaubbelastung aus. Die unsichtbare Gefahr betrifft nicht nur die unmittelbare Umgebung der Feuer, sondern kann über weite Strecken getragen werden.

Gegenmaßnahmen: Waldmanagement und Landschaftsplanung

Langfristig sei die Begrenzung des Klimawandels zentral, so Forscherin Miller. Doch in den kommenden Jahren werde sich die Feuerwetterlage weiter verschlimmern. „Deswegen müssen wir auf jeden Fall auch stärker auf Waldbrandmanagement und Landmanagement setzen.“ Das Wissenschaftsnetzwerk EASAC, ein Verbund der Nationalakademien der EU, forderte bereits 2021 eine veränderte Brandbekämpfung. Wichtig sei es, nicht nur gegen die Feuer vorzugehen, sondern die Bedingungen zu vermeiden, die ein unkontrolliertes Ausbreiten begünstigen – etwa durch verbesserte Landschaftsplanung.

In Spanien beklagen Fachleute zudem, dass Wälder vielerorts nicht mehr ausreichend gepflegt würden und sich dadurch große Mengen brennbaren Materials ansammelten. Forstexperte Paco Castañares sagte der Zeitung „El Español“: „Das Hauptproblem ist, dass wir den Wald nicht mehr pflegen.“ Hinzu kommt die Landflucht: Weil viele Menschen in die Städte ziehen und Dörfer leer stehen, werden landwirtschaftliche Flächen aufgegeben, Weiden nicht mehr abgegrast – die Verbuschung nimmt zu.

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Gefahr auch für Deutschland

Drohen solche Brände künftig auch in Deutschland? Eine im Dezember 2021 im Fachjournal „Communications Earth and Environment“ veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis: „Im Zuge des Klimawandels werden sich wärmere und trockenere Klimazonen voraussichtlich in Richtung der nördlichen europäischen Breiten ausdehnen.“ Das verstärke die Brandbedingungen und erhöhe die Menge an trockenem Brennmaterial, wodurch das Risiko großer Waldbrände auch dort steige.

Eine weitere Studie, die sich gezielt mit den Einzugsgebieten von Donau, Main und Elbe befasst, prognostiziert einen deutlichen Anstieg der Waldbrandgefahr im Laufe des Jahrhunderts. Besonders betroffen seien das Einzugsgebiet des Mains und die östlichen bayerischen Mittelgebirge. „Dort wird eine hohe Waldbrandgefahr bis zum Ende des Jahrhunderts zum Normalzustand.“ Fazit: Die verheerenden Brände in Frankreich und Spanien sind ein Vorbote dessen, was auch Mitteleuropa droht – wenn der Klimawandel nicht entschlossen begrenzt wird.