Schmelzende Gletscher verändern die Risikolage am Berg grundlegend. Die bayerische Bergwacht klärt auf, worauf es bei Wanderungen in den Bergen ankommt, wenn man in Not gerät. Abstürze in Gletscherspalten, Gewitter oder Steinschlag am Klettersteig – spektakuläre Rettungen stehen oft im Fokus, doch die Bergwacht betont die Bedeutung von Prävention und richtigen Verhaltensweisen.
Klassisches alpines Notsignal: Sechs Zeichen pro Minute
Das klassische alpine Notsignal ist ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitsausbildung. Es besteht aus sechs Zeichen pro Minute – sei es durch Pfeifen, Rufen, Lichtsignale oder Armbewegungen. Die Bergwacht empfiehlt, dieses Signal zu üben, bevor man sich in alpines Gelände begibt. „Viele Wanderer kennen das Signal nicht oder wenden es falsch an“, sagt ein Sprecher der Bergwacht Bayern. „Dabei kann es im Ernstfall Leben retten.“
Gletscherschmelze erhöht Gefahren
Die fortschreitende Gletscherschmelze verändert die Topografie der Berge. Spalten werden freigelegt, und die Stabilität von Eis und Fels nimmt ab. „Wir beobachten, dass sich die Risikolage in den Alpen verändert“, erklärt ein Experte der Bergwacht. „Wanderer müssen sich der neuen Gefahren bewusst sein und ihre Touren entsprechend anpassen.“ Die Bergwacht rät, vor jeder Tour den aktuellen Zustand der Gletscher zu prüfen und auf aktuelle Warnhinweise zu achten.
Vorbereitung und Ausrüstung sind entscheidend
Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Dazu gehört die richtige Ausrüstung: feste Wanderschuhe, wetterfeste Kleidung, ausreichend Wasser und Verpflegung, sowie ein Erste-Hilfe-Set. Für Gletschertouren sind zusätzlich Steigeisen, Pickel und Seil notwendig. Die Bergwacht empfiehlt zudem, ein GPS-Gerät oder ein Smartphone mit geladener Notfall-App mitzuführen. „Viele Unfälle passieren, weil Wanderer unzureichend ausgerüstet sind oder die Wetterbedingungen falsch einschätzen“, so der Sprecher.
Verhalten bei Notfällen
Kommt es zu einem Notfall, ist Ruhe bewahren das Wichtigste. Die Bergwacht rät, sofort das alpine Notsignal zu geben und den Notruf 112 zu wählen. Wichtig ist, den Standort so genau wie möglich zu beschreiben. „Je präziser die Angaben, desto schneller kann Hilfe kommen“, betont die Bergwacht. Wer in einer Gletscherspalte steckt, sollte versuchen, sich warm zu halten und Bewegungen vermeiden, um die Stabilität des Eises nicht zu gefährden.
Prävention durch Aufklärung
Die Bergwacht setzt verstärkt auf Aufklärung. In Kursen und Informationsmaterialien wird das richtige Verhalten am Berg vermittelt. „Unser Ziel ist es, dass Wanderer die Risiken kennen und wissen, wie sie sich im Notfall verhalten müssen“, sagt der Sprecher. Die steigende Zahl von Tourengehern in den Alpen mache diese Aufklärung umso wichtiger. „Jeder kann etwas tun, um die Sicherheit zu erhöhen – angefangen bei der Planung der Tour bis hin zur richtigen Ausrüstung.“



