Die Diskussion um die Legalisierung von Leihmutterschaft in Deutschland erhält neuen Auftrieb. Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn, der selbst durch eine Leihmutterschaft im Ausland Vater geworden war, drängen die Grünen auf eine sachliche Debatte auf Basis eines bereits vorliegenden Expertenpapiers. Die Co-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann forderte, die Ergebnisse einer interdisziplinären Kommission aus der letzten Wahlperiode nun endlich zu berücksichtigen.
Expertenkommission hatte Spielraum für altruistische Leihmutterschaft gesehen
Die Arbeitsgruppe, die im Auftrag der damaligen Ampel-Regierung tagte, bestand aus Fachleuten aus Medizin, Psychologie, Soziologie, Gesundheitswissenschaften, Ethik und Recht. Sie hatte sich neben dem Schwangerschaftsabbruch auch mit Eizellenspende und altruistischer, also nichtkommerzieller Leihmutterschaft befasst. In ihrem 2024 vorgelegten Bericht kam die Kommission zu dem Schluss, dass der Gesetzgeber altruistische Leihmutterschaft in sehr engen Grenzen zulassen könne, auch wenn Missbrauchspotenzial bestehe. Haßelmann betonte: „Die Kommission hat die aktuelle Regelung des Schwangerschaftsabbruchs sowie den Sachstand zu Eizellspende und Leihmutterschaft ausführlich gewürdigt. Diese Empfehlungen bieten eine wichtige Grundlage für einen faktenbasierten Diskurs.“ Sie fügte hinzu, der Bericht sei „zu wertvoll, als dass er bei dieser Koalition in einer Schublade verschwindet.“
SPD Frauen ringen um Position – Linke lehnt kommerzielle Modelle ab
Während die CDU ihre Ablehnung der Leihmutterschaft erst Anfang 2026 mit einem Parteitagsbeschluss bekräftigt hatte, ist die SPD noch in der internen Willensbildung. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (SPD Frauen) hat das Thema nach Angaben ihrer Co-Vorsitzenden Ulrike Häfner bereits seit 2025 auf der Agenda. „Der aktuelle Stand der Debatte ist, dass das grundsätzliche Verbot der Leihmutterschaft aus ethischen, praktischen und rechtlichen Beweggründen bestehen bleiben soll, Ausnahmen unter sehr engen Voraussetzungen aber ermöglicht werden könnten“, erklärte Häfner. Die Meinungsbildung sei jedoch noch nicht abgeschlossen; eine Positionierung für die Bundesfrauenkonferenz 2027 werde vorbereitet. Grundsätzlich sehen die SPD Frauen ein Problem in der „zunehmenden Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin“ und der Ausnutzung materieller Notlagen.
Die Linke im Bundestag lehnt sowohl kommerzielle als auch altruistische Leihmutterschaft ab. Die frauenpolitische Sprecherin Kathrin Gebel sagte: „Häufig profitieren wohlhabende Menschen von der ökonomischen Not anderer.“ Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck verschwänden nicht automatisch, nur weil offiziell kein Geld fließe. Die Debatte über Leihmutterschaft ist durch die persönliche Entscheidung Spahns neu entfacht worden und wird nun auch von den Koalitionsparteien intensiv geführt.



