Nach der extremen Hitzewelle Ende Juni, die in Deutschland nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts rund 5100 Todesfälle verursachte, fordert die SPD in Nordrhein-Westfalen die Einrichtung eines Hitzekabinetts auf Landesebene. Jochen Ott, Spitzenkandidat der SPD für die NRW-Landtagswahl im April 2027, sagte: „Wir müssen endlich aufhören, Hitze als bloßes Sommerphänomen zu behandeln. Hitzewellen sind Unwetter. Sie sind Naturereignisse mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben – nicht weniger als Sturm, Hochwasser oder Eis. Und genau so müssen sie politisch bewertet und behandelt werden.“
Ressortübergreifender Sofort-Aktionsplan gefordert
Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag verlangt, dass alle betroffenen Ressorts – darunter Gesundheit, Inneres, Kommunales, Schule, Familie, Soziales, Arbeit, Umwelt, Wirtschaft, Finanzen und Verkehr – gemeinsam einen ressortübergreifenden Sofort-Aktionsplan beschließen. Ein solches Hitzekabinett solle die Kommunen bei der Erstellung und Umsetzung ihrer Hitzeaktionspläne unterstützen, flächendeckende Hitze-Warnsysteme bereitstellen, Trinkwasserspender fördern und den Kommunen helfen, Flächen zu entsiegeln und zu begrünen.
Ott betonte: „Krankenhäuser, Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen brauchen dringend Kühl- und Klimatisierungssysteme, um die Menschen vor extremer Hitze zu schützen.“ Für obdachlose Menschen und Beschäftigte, die im Freien arbeiten, seien Schutzkonzepte nötig. Zudem müsse Wohnraum energetisch modernisiert werden, wofür die Wohnraumförderung gestärkt werden müsse.
Hitzetote: „Humanitäre und politische Realität“
„Die hohe Zahl der Hitzetoten in Deutschland ist längst keine statistische Randnotiz mehr, sondern eine humanitäre und politische Realität“, sagte Ott. „Hinter jeder Zahl stehen Menschen. Wer angesichts dieser Entwicklung weiterhin so handelt, als sei extreme Hitze lediglich eine Frage persönlicher Vorsorge, wird der Verantwortung des Staates nicht gerecht. Die nächste Hitzewelle wird kommen.“
Allein in Köln starben am letzten Juni-Wochenende mehr als hundert Menschen, im Leverkusener Remigius-Krankenhaus gab es zwischen Freitag und Montag zwölf Todesfälle. Die Staatsanwaltschaft Köln leitete ein Todesermittlungsverfahren ein. Das Statistische Bundesamt schätzte die Übersterblichkeit in der Woche vom 22. bis 28. Juni auf 5655 Fälle.
Wüst: „Klimaschutz ist Menschenschutz“
Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) äußerte sich in einer Pressekonferenz Ende vergangener Woche betroffen über die Todesfälle: „Klimaschutz ist nichts Abstraktes, das ist auch Menschenschutz.“ Man arbeite „schon lange und kontinuierlich daran, unser Land an den Klimawandel anzupassen“. Die Debatte um Hitzeschutzmaßnahmen gewinnt angesichts der jüngsten Extremwetterereignisse weiter an Dringlichkeit.



