Der Stadtrat von Bad Wörishofen hat in seiner jüngsten Sitzung mit deutlicher Mehrheit beschlossen, im Jahr 2026 ein Riesenrad in der Innenstadt aufzustellen. Das Projekt ist Teil eines Maßnahmenpakets zur Belebung der Kur- und Kreisstadt. Die Entscheidung fiel nach kontroverser Debatte, in der sowohl wirtschaftliche Chancen als auch städtebauliche Bedenken thematisiert wurden.
Hintergrund und Ziele des Projekts
Die Stadtverwaltung hatte das Riesenrad als temporäre Attraktion vorgeschlagen, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu erhöhen und neue Besucher anzuziehen. Laut Bürgermeister Stefan Welzel soll das Riesenrad während der gesamten Saison 2026 betrieben werden, voraussichtlich von Mai bis Oktober. „Wir erhoffen uns davon eine deutliche Belebung des Einzelhandels und der Gastronomie“, erklärte Welzel in der Sitzung. Die Stadt rechnet mit zusätzlichen Einnahmen aus der Gewerbesteuer und einer Steigerung der Übernachtungszahlen.
Das Riesenrad soll auf dem zentralen Platz am Kubai-Park aufgestellt werden, einer der meistfrequentierten Flächen der Stadt. Die Wahl fiel auf diesen Standort, weil er optimal an den Fußgängerbereich angrenzt und eine gute Sichtachse zur historischen Altstadt bietet. Die Stadtverwaltung hat bereits erste Gespräche mit einem erfahrenen Betreiber geführt, der das Riesenrad inklusive Technik und Personal zur Verfügung stellen würde.
Kosten und Finanzierung
Die Gesamtkosten für das Projekt werden auf rund 250.000 Euro geschätzt. Diese Summe umfasst Aufbau, Betrieb, Versicherung und einen Sicherheitsdienst. Die Stadt Bad Wörishofen plant, etwa 60 Prozent der Kosten durch Sponsoren und Eintrittsgelder zu decken. Den Rest soll die Stadtkasse übernehmen. Die Verwaltung rechnet mit einer Auslastung von durchschnittlich 300 Fahrgästen pro Tag, was bei einem Ticketpreis von 8 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder eine beachtliche Einnahmequelle darstellen würde.
Kritiker im Stadtrat, insbesondere die Fraktion der Freien Wähler, bemängelten die hohen laufenden Kosten und die begrenzte Wirkung auf den Einzelhandel. „Ein Riesenrad ist eine Eintagsfliege“, sagte Stadtrat Michael Huber. „Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass solche Attraktionen nur kurzfristig Besucher anziehen.“ Die Mehrheit folgte jedoch der Argumentation der Verwaltung, die auf langfristige Effekte für die Stadtmarke verwies. Bad Wörishofen positioniert sich zunehmend als familienfreundliche Kurstadt, und das Riesenrad soll dieses Image stärken.
Zeitplan und nächste Schritte
Die Verwaltung wird nun konkrete Ausschreibungen vorbereiten und die Vergabe an den Betreiber bis Ende 2025 abschließen. Die Bauarbeiten für die Fundamentierung sollen im Frühjahr 2026 beginnen, damit das Riesenrad pünktlich zum Saisonstart am 1. Mai 2026 in Betrieb gehen kann. Parallel wird ein Marketingkonzept entwickelt, das das Riesenrad als zentrales Event der Saison bewirbt. Geplant sind begleitende Aktionen wie Themenabende, Livemusik und ein Rahmenprogramm für Kinder.
Die Stadtverwaltung betont, dass das Riesenrad nicht dauerhaft stehen bleiben soll. Nach dem Abbau im Oktober 2026 wird der Platz wieder vollständig hergerichtet. Die Entscheidung über eine mögliche Neuauflage in den Folgejahren soll auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen getroffen werden. Erste Gespräche mit Nachbargemeinden laufen bereits, um das Konzept möglicherweise regional auszuweiten.
Reaktionen aus der Bevölkerung
In den sozialen Medien und bei einer Bürgerbefragung der Stadt zeigte sich eine gespaltene Meinung. Während viele Einwohner die Attraktion als Bereicherung sehen, befürchten Anwohner des Kubai-Parks Lärm- und Parkplatzprobleme. Die Stadt verspricht, während der Betriebszeit zusätzliche Parkflächen auszuweisen und ein Lärmschutzkonzept umzusetzen. Die endgültige Genehmigung durch die Regierung von Schwaben steht noch aus, wird aber als Formsache angesehen.
Das Riesenrad-Projekt ist Teil eines größeren Stadtentwicklungskonzepts, das auch die Neugestaltung der Fußgängerzone und die Sanierung des Kurparks vorsieht. Insgesamt investiert die Stadt bis 2026 rund 15 Millionen Euro in diese Maßnahmen. Das Riesenrad gilt als sichtbares Zeichen des Aufbruchs und soll den Bürgern zeigen, dass die Stadt aktiv an ihrer Zukunft arbeitet.



