Stefan Evers über Schwulsein in Berlin: Unangenehme Situationen in der U7
Stefan Evers: Schwulsein in Berlin und unangenehme U7-Momente

Stefan Evers übernimmt Spitzenkandidatur: Neuanfang für die Berliner CDU

Der Berliner Finanz- und Kultursenator Stefan Evers (CDU) ist kurzfristig zum Spitzenkandidaten seiner Partei für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September aufgestiegen. Im Interview mit dem Tagesspiegel spricht er über seine Motivation, die Unterschiede zu Kai Wegner und seine persönlichen Erfahrungen als schwuler Mann in der Hauptstadt.

Warum Evers doch kandidierte: „Ich spiele immer auf Sieg“

Evers betont, er laufe vor Verantwortung nicht davon und übernehme sie selbstbewusst. Auf die Frage, warum er sich nicht um das Amt des Regierenden Bürgermeisters gerissen habe, antwortet er: „Es tut manchmal ganz gut, wenn Menschen in der ersten Reihe stehen, die sich nicht dahin gedrängt haben.“ Er spiele immer auf Sieg. Der Wechsel an der Spitze sei nötig geworden, weil der Blick auf die Erfolge des Senats durch Debatten der letzten Wochen verstellt worden sei. Kai Wegner habe eine „schwierige, schmerzhafte Entscheidung“ getroffen – „erst die Stadt, dann die Person“.

Frauen in der CDU: Evers weist Kritik zurück

Auf die Frage nach einem Frauenproblem in der Berliner CDU, nachdem mit Ottilie Klein die letzte Frau auf einem herausgehobenen Parteiposten ausgetauscht wurde, reagiert Evers deutlich: „Mit Verlaub, drei von fünf unserer Senatsmitglieder sind weiblich, genau wie gut die Hälfte der Mitglieder des Landesvorstands. Zu behaupten, wir hätten keine starken Frauen in Spitzenpositionen, entspricht schlicht und ergreifend nicht der Wahrheit.“ Die Entscheidungen über Kreisvorsitzende träfen die Kreisverbände, nicht der Landeschef.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Tempelhofer Feld: Evers will Randbebauung vorantreiben

Evers stellt sich hinter die Initiative, den Tempelhofer Rand zu bebauen. „50.000 Menschen könnten am Tempelhofer Rand ein neues Zuhause bekommen, ohne dass wir das 200 Hektar große grüne Herz der Fläche antasten müssten.“ Er könne den Menschen nicht erklären, dass er im Ostteil grüne Innenhöfe bebaue, aber ein so gigantisches Wohnungsbaupotenzial nicht nutze. SPD und Grüne lehnen dies ab, doch Evers verweist auf Umfragen, wonach selbst eine Mehrheit der grünen Wähler die Randbebauung unterstütze. Den Volksentscheid von vor zwölf Jahren hält er nicht für bindend: „Die Not war damals lange nicht so groß wie heute.“ Die Wahl sei für ihn auch eine Abstimmung über die Randbebauung.

Mietrecht: Law and Order und ein Fonds gegen schwarze Schafe

Evers fordert „Law and Order“ auch im Mietrecht. Wer sich nicht an Regeln halte, müsse Konsequenzen spüren. Er schlägt einen freiwilligen Nothilfe-Fonds vor, den seriöse Vermieter finanzieren sollen, um Mietern in besonders krassen Fällen Verfahrenskosten zu erstatten. „Seriöse Vermieter haben das größte Interesse daran, dass wir schwarzen Schafen das Handwerk legen.“

Sauberkeit der Stadt: Evers will Sozialleistungsempfänger einbinden

Die zunehmende Vermüllung der Stadt gehe ihm gegen den Strich. Er habe eine „ganz selbstverständliche Erwartung“, dass erwerbsfähige Sozialleistungsempfänger der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Projekte mit Flüchtlingsunterkünften gebe es bereits. Aus Thüringen höre er, dass die Hälfte der Asylbewerber, die sich in gemeinnützige Arbeit eingebracht hätten, heute in festen Jobs sei. Es gehe auch um Integration.

Haushalt: Evers will Subventionen für Schulessen bei Gutverdienern streichen

Als Finanzsenator warnt Evers vor finanziellen Engpässen: „Der finanzielle Druck auf die Stadt wird noch erheblich zunehmen.“ Er schlägt vor, das kostenlose Schulessen für Gutverdiener zu streichen: „Wir könnten fast 100 Millionen Euro pro Jahr sparen, wenn wir das zurückfahren. Starke Schultern müssen auch mehr schultern.“

Persönliches: Cola Zero, Eierkuchen und Dog-Sitting

Evers gibt private Einblicke: Er trinke leidenschaftlich gern Cola Zero, frühstücke sonntags Eierkuchen und freue sich über seltene Gelegenheiten zum Dog-Sitting. Sein Mann werde in der Öffentlichkeit weiterhin keine Rolle spielen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Schwulsein in Berlin: „Händchenhaltend in der U7 kann es sehr unangenehme Situationen geben“

Auf die Frage nach Anfeindungen gegen queere Menschen berichtet Evers von eigenen Erfahrungen: „Wenn man händchenhaltend in der U7 unterwegs ist, kann es sehr unangenehme Situationen geben.“ Er fordert, die Ursachen konsequent an der Wurzel zu bekämpfen. Eine Studie der Bildungsverwaltung habe ergeben, dass für fast 30 Prozent der muslimischen Schüler die Scharia das geltende Recht sei. „Da geht es los. Wir dürfen nicht Ruhe geben, bis auch dem Letzten klar ist, dass man sich in diesem Land an unsere Regeln zu halten hat.“

AfD-Erstarken: Evers ruft zu mehr Zivilcourage auf

Zum Erstarken der AfD sagt Evers, jeder Einzelne müsse sich fragen, ob er wirklich an jedem Küchentisch klar die Stimme erhebe, wenn Grenzen überschritten würden. „Mein Eindruck ist, das ist längst nicht immer und überall der Fall.“

Verhältnis zu Merz und Wegner: „Ich freue mich über jede Unterstützung“

Evers betont ein angenehmes Gespräch mit Friedrich Merz über den Wechsel der Spitzenkandidatur. Ob er mit Kai Wegner auftreten wolle, beantwortet er ausweichend: „Ich freue mich über jede Unterstützung, die ich bekommen kann.“ Auf die Frage, was passiere, wenn er die Wahl nicht gewinne, antwortet er knapp: „Das ist nicht vorgesehen.“