Die Zinskosten des Bundes könnten bereits im kommenden Jahr auf 42,5 Milliarden Euro steigen und bis 2030 auf 66,5 Milliarden Euro pro Jahr anwachsen. Das geht aus einer Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Forscher warnen vor drastisch steigenden Zinsausgaben, die durch höhere Renditen und steigende Verteidigungsausgaben verursacht werden.
Zinskosten liegen unter den Planungen des Finanzministeriums
Obwohl die Zinskosten stark ansteigen, liegen sie den Berechnungen zufolge in den kommenden vier Jahren insgesamt 28 Milliarden Euro unter dem Wert, den das Finanzministerium veranschlagt. IMK-Forscher Klaus Seipp erklärte, die Bundesregierung arbeite mit einem übertrieben großen Sicherheitspuffer. Es sei „sehr wahrscheinlich, dass die Haushaltsentwicklung tatsächlich günstiger ausfällt als der Finanzminister offiziell annimmt“.
Ursachen: Renditeanstieg statt Schuldenzuwachs
Die steigende Zinslast ist nicht primär auf einen höheren Schuldenstand zurückzuführen. 2021 gab der Bund nur 1,5 Prozent seiner Steuereinnahmen für Zinsen aus, 2025 waren es bereits 7,7 Prozent. Der Bruttoschuldenstand Deutschlands lag 2021 mit 67,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sogar höher als 2025 mit 63,5 Prozent.
Entscheidend ist der massive Anstieg der Renditen von Staatsanleihen. Bis zur Zinswende 2022 konnte sich der Bund zeitweise zu negativen Zinsen refinanzieren; heute liegen die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen bei rund drei Prozent.
Zukunft: Schuldenquote könnte auf über 90 Prozent steigen
Allerdings dürfte der Schuldenanstieg künftig eine größere Rolle spielen: Durch schuldenfinanzierte Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur und Klimaneutralität könnte die Schuldenquote bis 2040 auf über 90 Prozent des BIP steigen. In einem längerfristigen Szenario bis 2050 zeigt das IMK, dass drei Viertel der seit 2020 neu aufgenommenen Schulden und mehr als 60 Prozent aller Bundesschulden allein auf die Verteidigung entfallen würden.
Ein Viertel der Steuereinnahmen für Zinsen
Bei durchschnittlich drei Prozent Zinsen sei die Belastung gesamtwirtschaftlich noch zu schultern, doch die niedrige Steuerquote des Bundes von 8,3 Prozent des BIP führe dazu, dass etwa ein Viertel der Steuereinnahmen allein für Zinsen aufgewendet werden müsste. „Daher erscheint die finanzielle Situation des Bundes in diesem Szenario als nicht nachhaltig“, sagte Seipp.
Der IMK-Experte betonte: „Eine dauerhafte Finanzierung der höheren Verteidigungsausgaben über Kreditaufnahme ist nicht mit einer nachhaltigen Staatsfinanzierung vereinbar.“ Wenn Bundesregierung und Bundestag das hohe Niveau der Verteidigungsausgaben dauerhaft aufrechterhalten wollten, müssten sie „einen größeren Teil der Verteidigungsausgaben über Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen an anderer Stelle finanzieren“.



