Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten im Groß- und Einzelhandel in Berlin und Brandenburg zu neuerlichen Warnstreiks aufgerufen. Der Arbeitskampf soll am Freitag, dem 2. August, beginnen und bis einschließlich Samstag, dem 3. August, andauern. Bei einer zentralen Kundgebung am Wittenbergplatz in Berlin wird am Freitagvormittag auch der frühere Linke-Politiker Gregor Gysi sprechen.
Forderungen und Hintergründe der Tarifverhandlungen
Verdi fordert in den bundesweit parallel geführten Verhandlungen eine Erhöhung der Entgelte um sieben Prozent, mindestens jedoch 225 Euro mehr pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Bereits in den vergangenen Wochen kam es in der laufenden Tarifrunde in Berlin und Brandenburg zu mehreren Warnstreiks. Für die Kundinnen und Kunden bleiben diese Arbeitsniederlegungen in der Regel unbemerkt, da die Streiks vor allem Logistik und Lager betreffen.
Abschluss in Bayern als Vergleichsmaßstab
Vor rund einer Woche einigten sich die Tarifparteien im bayerischen Großhandel auf einen Abschluss. Dieser sieht vor, dass die Entgelte der rund 240.000 Beschäftigten im Freistaat ab dem 1. August um 2,9 Prozent steigen und zum 1. Mai 2025 um weitere 2,1 Prozent erhöht werden. Die Laufzeit beträgt 24 Monate bis Ende April 2028. Trotz dieser Einigung lehnt Verdi eine Übernahme des Abschlusses für die Tarifgebiete Berlin und Brandenburg kategorisch ab.
Gründe für die Ablehnung des Bayern-Abschlusses
Insbesondere in Brandenburg bestehe eine andere Entgeltstruktur, teilte die Gewerkschaft mit. Beschäftigte in den unteren Lohngruppen würden mit der angebotenen Erhöhung unter dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. „Ausgerechnet die Beschäftigten mit den niedrigsten Einkommen sollen nach dem Willen der großen Handelsunternehmen keine eigenständige Tariferhöhung erhalten“, kritisierte Verdi. Die Gewerkschaft betont, dass die Tarifautonomie und die spezifischen Bedingungen vor Ort berücksichtigt werden müssten.
Ausblick auf weitere Verhandlungen
Wann die nächsten Verhandlungsrunden in Berlin und Brandenburg stattfinden, ist derzeit offen. Weder für den Einzelhandel noch für den Großhandel liegen konkrete Termine vor. Verdi hat angekündigt, den Druck auf die Arbeitgeber mit den Warnstreiks zu erhöhen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Arbeitsniederlegungen zu einer Bewegung in den festgefahrenen Verhandlungen führen.



