Spaniens heimliche Helden: Migranten ohne Papiere stützen den Boom
Spaniens heimliche Helden: Migranten ohne Papiere

In Spaniens Pflegeheimen, auf Obstplantagen und in der Tourismusbranche arbeiten sie oft im Verborgenen: Migranten ohne gültige Aufenthaltspapiere. Sie sind die heimlichen Stützen des aktuellen Wirtschaftsbooms des Landes. Nun hat die Regierung in Madrid beschlossen, Hunderttausenden von ihnen ein Bleiberecht zu gewähren. Eine Reportage von „Arte Re:“ in Zusammenarbeit mit SPIEGEL TV zeigt, wie sich die Situation dieser Menschen verändert.

Der Kurswechsel in der Migrationspolitik

Die spanische Regierung hat im Sommer 2026 einen weitreichenden Schritt gewagt: Sie kündigte an, bis zu 600.000 irregulär im Land lebenden Ausländern den legalen Aufenthalt zu ermöglichen. Dies ist eine der größten Regularisierungswellen in der Geschichte des Landes. Bislang waren diese Menschen gezwungen, im Schatten zu arbeiten, ohne soziale Absicherung und mit der ständigen Angst vor Abschiebung.

Die Entscheidung fiel vor dem Hintergrund eines akuten Arbeitskräftemangels. Spanien verzeichnet ein Wirtschaftswachstum von über drei Prozent – getragen nicht zuletzt von Sektoren, die stark auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind. In der Pflege, der Landwirtschaft und im Tourismus fehlen Hunderttausende Arbeitskräfte. Die Regierung erhofft sich von der Legalisierung nicht nur eine Entlastung des Arbeitsmarktes, sondern auch eine Stärkung der Sozialkassen.

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Arbeit ohne Papiere: Der Alltag der Unsichtbaren

Die Reportage begleitet mehrere Betroffene in ihrem Alltag. Da ist etwa Maria, eine Pflegerin aus Ecuador, die in Madrid alte Menschen versorgt. Sie arbeitet zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – ohne Vertrag und ohne Krankenversicherung. „Ich habe Angst, krank zu werden, denn dann kann ich nicht arbeiten und habe kein Geld“, sagt sie in der Sendung. Ähnlich ergeht es Ahmed aus Marokko, der auf einer Tomatenplantage in Almería schuftet. Die Bedingungen sind hart, der Lohn niedrig, aber ohne Papiere hat er keine Alternative.

Die Unsichtbarkeit dieser Menschen hat auch gesellschaftliche Folgen: Sie zahlen keine Steuern, können aber auch keine Ansprüche geltend machen. Sie wohnen oft in überfüllten Unterkünften und sind der Willkür ihrer Arbeitgeber ausgeliefert. Die Legalisierung könnte daran grundlegend etwas ändern.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Migranten

Ökonomen schätzen, dass die irregulären Migranten etwa zwei Prozent zur spanischen Wirtschaftsleistung beitragen. Ohne sie wäre der Aufschwung in vielen Branchen nicht möglich. Besonders in der Landwirtschaft, wo Ernten oft in kurzen Zeitfenstern eingefahren werden müssen, sind die Arbeitskräfte unverzichtbar. Auch im Tourismussektor, der über zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, arbeiten viele ohne Papiere – vom Hotelpersonal bis zur Reinigungskraft.

Die Regierung verspricht sich von der Legalisierung einen doppelten Effekt: Die Menschen könnten legal arbeiten, Steuern zahlen und so die Sozialsysteme stärken. Gleichzeitig würde der Druck auf den Arbeitsmarkt sinken, da die Betriebe endlich planungssicher hätten. Experten warnen jedoch, dass die Legalisierung allein nicht reicht: Es brauche auch Integrationsprogramme und Sprachkurse, damit die Menschen wirklich Fuß fassen können.

Kritik und Ängste in der Bevölkerung

Der Kurswechsel stößt nicht überall auf Zustimmung. Die konservative Opposition spricht von einem „Anreiz für illegale Einwanderung“ und befürchtet eine Überlastung der Sozialsysteme. In einigen Regionen, besonders an der Küste und in den touristischen Zentren, wächst die Sorge vor Wohnungsknappheit und steigenden Mieten. Die Reportage zeigt auch diese Perspektive: Ein Hausbesitzer in Barcelona berichtet von zunehmenden Problemen mit Hausbesetzern, die er auf die Migration zurückführt.

Die Regierung hingegen verweist auf die positiven Erfahrungen mit früheren Regularisierungswellen. 2005 wurden bereits rund 500.000 Menschen legalisiert, was die Wirtschaft nachhaltig gestärkt habe. „Diese Menschen sind längst Teil unserer Gesellschaft“, sagt Sozialministerin Elena García in einem Interview. „Sie arbeiten, zahlen Steuern und tragen zum Wohlstand bei. Es ist an der Zeit, das anzuerkennen.“

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Der lange Weg zur Legalisierung

Doch der Weg aus der Illegalität ist steinig. Die Antragsverfahren sind komplex und erfordern viele Dokumente. Viele Betroffene haben keine Papiere aus ihren Heimatländern, müssen erst beschaffen werden. Zudem ist die Bearbeitung in den Behörden überlastet – es kann Monate dauern, bis über einen Antrag entschieden wird. Die Reportage zeigt, wie Migranten vor den Ämtern Schlange stehen, in der Hoffnung auf ein neues Leben.

Für diejenigen, die es schaffen, ändert sich viel: Sie können sich legal eine Wohnung suchen, einen Bankkonto eröffnen und ihre Familien nachholen. Die Kinder können die Schule besuchen. „Das ist wie ein zweites Leben“, sagt Maria, die Pflegerin. „Ich kann endlich in die Zukunft schauen.“ Die Reportage macht deutlich, dass die Legalisierung nicht nur ein Akt der Humanität ist, sondern auch ein kluger wirtschaftlicher Schachzug – denn Spanien braucht diese Menschen mehr denn je.