Das Bundesinnenministerium hat auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm geantwortet, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Demnach wurden in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 9663 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025, als mehr als 11.800 Menschen das Land zwangsweise verlassen mussten, ist das ein Rückgang um rund 2100 Fälle. Damit setzt sich der Trend nicht fort, der in den Vorjahren zu beobachten war.
Rückgang um mehr als 2000 Fälle
Die jüngsten Zahlen des Innenministeriums liegen zwar über dem Wert des ersten Halbjahres 2024, als knapp 9500 Menschen abgeschoben wurden, bleiben aber deutlich hinter dem Höchststand des Vorjahreszeitraums zurück. Über das gesamte Jahr 2025 hinweg wurden nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 22.800 Menschen abgeschoben – nach mehr als 20.000 im Jahr davor, rund 16.400 im Jahr 2023 und knapp 13.000 im Jahr 2022. Die Jahresbilanz für 2026 steht noch aus, doch die Halbjahreszahlen deuten auf eine mögliche Umkehr des Anstiegs hin.
AfD sieht ein Desaster
Die Entwicklung wird von politischen Akteuren unterschiedlich bewertet. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm, der bei der Landtagswahl im September in Mecklenburg-Vorpommern als Spitzenkandidat gegen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) antritt, sieht in den Zahlen einen Beleg für das Scheitern der Migrationspolitik der Bundesregierung. „Die ganze Migrationspolitik ist ein Desaster“, wird Holm in der Antwort des Ministeriums zitiert. „Die immer wieder versprochenen Abschiebeoffensiven sind reine Rohrkrepierer, und die Sicherheitslage verschärft sich immer weiter.“
Dobrindt setzt auf Kontrolle und Kurs
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hält dagegen. Er hatte erst in dieser Woche betont, die Migrationswende werde „mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante“ vorangetrieben. Die zurückgehenden Abschiebezahlen allein seien kein Indikator für mangelnde Durchsetzung, da auch freiwillige Ausreisen gefördert würden. Aus der Antwort des Ministeriums geht hervor, dass zusätzlich zu den 9663 Abschiebungen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 9276 Menschen freiwillig ausgereist sind und dabei Unterstützung im Rahmen des Bund-Länder-Programms REAG/GARP erhalten haben. Rechnet man die über Länderprogramme geförderten Ausreisen hinzu, ergibt sich eine noch höhere Gesamtzahl an Rückkehrern.
Die freiwillige Ausreise wird von der Bundesregierung als wichtiger Baustein der Migrationspolitik bezeichnet, da sie die Rückkehr in die Herkunftsländer ohne Zwangsmaßnahmen ermöglicht und die Asylverfahren entlastet. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Ausreisepflichtigen weiterhin in Deutschland bleibe und dass die Zahl der tatsächlichen Abschiebungen sinke. Die Debatte um die Wirksamkeit der Abschiebepolitik wird auch von anderen Parteien getragen. Während Union und FDP in der Vergangenheit eine striktere Linie forderten, setzen SPD und Grüne stärker auf Integration und freiwillige Rückkehr. Die Linke und migrationspolitische Organisationen lehnen Abschiebungen grundsätzlich ab und fordern stattdessen eine menschenwürdige Aufnahmepolitik.
Afghanistan-Abschiebungen in der Kritik
Besondere Aufmerksamkeit erregten jüngst erneute Abschiebungen nach Afghanistan. Deutschland hatte trotz der Machtübernahme durch die Taliban wieder Menschen in das Land zurückgeführt. Kritiker bemängeln die zugrunde liegende Zusammenarbeit mit den dort herrschenden islamistischen Taliban. Die Bundesregierung verteidigt die Maßnahmen mit Verweis auf Straftäter und gefährliche Personen, die abgeschoben werden müssten, um die Sicherheit in Deutschland zu gewährleisten.
Das Bundesinnenministerium betont in seiner Stellungnahme, dass die Kontrolle der irregulären Migration weiterhin Priorität habe. Die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen zur Beschleunigung von Asylverfahren und zur konsequenteren Durchsetzung der Ausreisepflicht würden Schritt für Schritt umgesetzt. Zugleich verweist das Ministerium auf die gestiegenen Zahlen freiwilliger Ausreisen, die ein Zeichen für die Attraktivität der Rückkehrprogramme seien. Ob sich der Rückgang bei den Abschiebungen im zweiten Halbjahr fortsetzt, bleibt abzuwarten. Die nächste umfassende Statistik wird für das Gesamtjahr 2026 erwartet.



