Berliner Wirtschaft in der Krise: IHK spricht von Langzeiterkrankung
Berliner Wirtschaft: IHK warnt vor Langzeiterkrankung

Die Berliner Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin setzt sich der Abwärtstrend fort, das Konjunkturklima fällt auf einen kritischen Wert. Im Frühsommer 2026 ist der Index erneut gesunken, die Wirtschaft in Berlin verliere weiter an Dynamik, erklärte Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK, bei der Vorstellung der Umfrage. Befragt wurden 830 Unternehmerinnen und Unternehmer in der Hauptstadt.

Hohe Energie- und Rohstoffpreise belasten Unternehmen

Hauptgründe für die schlechte Stimmung sind die gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe. Sie seien „die größten Risiken für die geschäftliche Entwicklung“, so die IHK. Die wirtschaftlichen Risiken haben sich im Frühsommer 2026 spürbar verschärft. Vor allem gestiegene Energie- und Rohstoffpreise belasten die Betriebe. Energiekosten werden von rund der Hälfte der Unternehmen als Risiko genannt, Rohstoffpreise von etwa einem Drittel.

Politik gefordert: Stabile Wirtschaft als Basis der Demokratie

Schreiner forderte von der Politik, den Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung zu richten. „Eine stabile Wirtschaft sei die Basis einer stabilen Demokratie“, sagte sie. Doch zwei von drei Unternehmern geben an, dass die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen das größte geschäftliche Risiko darstellen. Weitere Probleme sind der schwache Inlandsabsatz (57 Prozent) und hohe Arbeitskosten (53 Prozent). Erst danach folgt der Fachkräftemangel (39 Prozent).

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Konjunkturklima-Index unter langjährigem Schnitt

Seit Anfang des Jahres hat der Konjunkturklima-Index sechs Punkte eingebüßt und liegt mit 100 Punkten unter dem langjährigen Schnitt von 124 Punkten, so die IHK. In den Krisenjahren 2009, 2020 und 2022 folgte jeweils eine rasche Erholung. Der Rückgang sei Ausdruck einer anhaltenden konjunkturellen und strukturellen Schwäche der Berliner Wirtschaft. Schreiner verglich die Lage mit einer Krankheit: „Statt eines vorübergehenden Infekts, der sich schnell auskurieren lässt, kämpft die Berliner Wirtschaft nun mit einer Langzeiterkrankung.“

Symptome: Schwache Nachfrage, hohe Kosten, rückläufige Investitionen

Die Symptome der Krankheit sind eine schwache Nachfrage, hohe Kosten und rückläufige Investitionen. Sie belasten die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Berlin. Die IHK warnte erneut davor, dass jede zusätzliche Belastung in Form von Auflagen oder Abgaben die Lage weiter verschärfe. Die Politik müsse endlich Ernst machen mit dem Bürokratieabbau, die Wirtschaft brauche Wachstumsimpulse. „Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch den Berlinerinnen und Berlinern gut“, so Schreiner.

Baugewerbe, Handel und Gastgewerbe besonders betroffen

Die Geschäftsentwicklung ist in fast allen Branchen rückläufig. Besonders stark betroffen sind das Baugewerbe, der Handel und das Gastgewerbe. Einziger Lichtblick: Der Dienstleistungssektor bleibt in Berlin vergleichsweise stabil. Auch beim Blick in die Zukunft überwiegt die Skepsis, der Grund ist die schwache konjunkturelle Entwicklung. Die Bereitschaft, mehr Personal einzustellen, ist ebenfalls gesunken – sie ist so gering wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Das zeige sich auch am lokalen Arbeitsmarkt: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gehe wieder zurück, womit der langjährige Wachstumstrend unterbrochen wurde, so die IHK. Auch die Investitionsbereitschaft ist gering: Weniger als jedes zweite Unternehmen plant aktuell Investitionen. Der Investitionsindikator erreichte den niedrigsten Stand seit der Coronapandemie.

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