Thomas Mücke, Leiter des Violence Prevention Network, das Deradikalisierungsprogramme gegen Islamismus anbietet, äußert sich zu den Gesprächen mit dem mutmaßlichen CSD-Attentäter Abdul Ballout. Nur wenige Wochen vor der Tat hatte Ballout zwei Sitzungen bei der Organisation. Mücke zufolge zeigte sich Ballout zwar freundlich, aber äußerst kontrolliert – ein Indiz für mangelnde Aufrichtigkeit.
Die Begegnungen mit dem Täter
„Abdul Ballout war sehr freundlich, aber auch sehr zurückhaltend und sehr kontrolliert in seinen Aussagen“, berichtet Mücke. Die Mitarbeiter des Violence Prevention Network achten gezielt auf Mimik und Körpersprache, um die Authentizität der Aussagen zu bewerten. „Bei Abdul Ballout hatten meine Mitarbeiter schon den Eindruck, dass es sich um Zweckantworten handelte“, so Mücke weiter. Dieses Verhalten sei bereits im Gerichtsprozess sichtbar gewesen.
Warum die Maßnahmen nicht griffen
Die kurze Dauer der Intervention – lediglich zwei Gespräche – reichte nach Einschätzung Mückes nicht aus, um eine nachhaltige Veränderung zu bewirken. „Auch 26 Sitzungen hätten in diesem Fall nichts gebracht“, erklärt der Experte. Die Radikalisierung Ballouts sei bereits so fortgeschritten gewesen, dass der Zugang zu seinen Überzeugungen extrem schwierig war. „Bei hochgradig motivierten Tätern stoßen selbst intensive Programme an Grenzen“, ergänzt Mücke.
Herausforderungen der Deradikalisierungsarbeit
Die Arbeit mit islamistischen Gefährdern erfordert nach Angaben des Violence Prevention Network ein hohes Maß an Vertrauensbildung und Zeit. „Oft gelingt es erst nach vielen Monaten, eine echte Gesprächsbasis herzustellen“, sagt Mücke. Im Fall Ballout hätten die Mitarbeiter jedoch sofort erkannt, dass er keine echte Kooperation anstrebte. Die Organisation versucht dennoch, jedes Angebot zu nutzen, um potenzielle Täter zu erreichen – auch wenn die Erfolgsquote begrenzt ist.
Laut Mücke sind vergleichbare Fälle in der Praxis selten, aber nicht unbekannt. „Es gibt immer wieder Personen, die sich extrem gut tarnen“, stellt er fest. Die Sicherheitsbehörden müssten daher noch früher eingreifen und auch nach einer ersten Kontaktaufnahme dranbleiben. „Wir brauchen eine bessere Verzahnung von Polizei, Justiz und sozialen Trägern“, fordert Mücke abschließend.



