TV-Kritik: Miosga gibt Bas Steilvorlagen – und wird trotzdem belehrt
Miosga gibt Bas Steilvorlagen – und wird belehrt

In der Talkshow „Caren Miosga“ begann das Gespräch zwischen der Moderatorin und ihrem Gast, SPD-Co-Chefin Bärbel Bas, wie üblich freundlich, fast kuschelig. Viel Gelächter war zu hören, und Miosga spielte Bas die Bälle zu, anstatt kritisch nachzufragen. Drei Beispiele: „Sie sind die Bärbel aus Duisburg geblieben, oder?“, „Wie oft schaffen Sie es noch nach Duisburg?“, „Sehen Sie sich in einer Außenseiterposition im klassischen Politikbetrieb?“ Bei all diesen Fragen fiel es Bas leicht, gefällig zu antworten. Dabei ist ihre Ausgangslage mehr als kritisch: Die SPD steht in Umfragen bei 12 Prozent, und eine Rentenreform – Bas’ eigenes Ressort als Arbeits- und Sozialministerin – lässt auf sich warten. Zudem sorgt ihre Doppelrolle als Ministerin und Parteichefin zunehmend für Konflikte. Miosga benannte dieses Problem in der Sendung und nannte es einen „Spagat“.

Miosgas naive Fragen zu Bas’ Herkunft

Miosga hätte durchaus fragen können, ob diese Doppelrolle überhaupt sinnvoll ist. Die Grünen trennen diese Ämter auf Bundesebene. Doch stattdessen fragte Miosga zu Beginn naiv nach Bas’ Herkunft und Werdegang – Steilvorlagen für die Ministerin. Bas wuchs als eines von sechs Kindern eines Busfahrers und einer Hausfrau auf. „Sie haben den Hauptschulabschluss gemacht, sich dann hochgearbeitet“, beschrieb Miosga Bas’ Anfänge und wollte wissen, ob Bas sich deshalb als Außenseiterin in der Politik fühle. Doch Bas ließ diese Beschreibung nicht stehen. Immer wieder werde sie „reduziert“ auf den Hauptschulabschluss: „Dass ich zwei Ausbildungen gemacht habe, das wird dann verschwiegen.“ Damit legte Bas auch Miosgas eigene Neigung offen: Auch die Moderatorin hatte die zwei Ausbildungen nicht erwähnt. Sind diese in den von Akademikern dominierten Talkshows nicht erwähnenswert?

Bärbel Bas: Nur Phrasen zur SPD-Krise

Als Miosga kritischer wurde und Bas zur Krise der SPD befragte, lieferte diese erwartungsgemäß nur Phrasen: Man müsse „wieder in den Dialog mit den Bürgern kommen“ und „klarmachen, wofür wir stehen.“ Alles schon tausendmal gehört. Spannender wurde es, als nach der Hälfte der Sendung die Runde ergänzt wurde. Der Leiter des „Tagesspiegel“-Hauptstadtbüros, Daniel Friedrich Sturm, und der Ökonom Moritz Schularick stritten mit Bas über die oft gestellte Frage: Arbeiten wir in Deutschland zu wenig?

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Streit ums Arbeiten: Bas gegen Sturm

Sturm eröffnete den Streit mit der Aussage: „Gesamtgesellschaftlich arbeiten die Deutschen zu wenig.“ Das erzeugte sofort Widerspruch bei Bas: „Das stimmt überhaupt nicht. Wie kommen Sie darauf?“ Bas argumentierte: „Wir haben 1,2 Milliarden Überstunden.“ „Vergleichen Sie es doch mit anderen Ländern“, entgegnete Sturm und nannte Griechenland und die Schweiz, die höhere Wochenarbeitszeiten hätten. Bas ging darauf nicht direkt ein: „Wir haben 1,2 Milliarden Überstunden – die Hälfte wird nicht bezahlt. Da können Sie doch nicht behaupten, es wird zu wenig gearbeitet in diesem Land.“

Schularick bringt den Begriff Arbeitsvolumen ins Spiel

Miosga schaltete den Ökonomen Moritz Schularick ein, um die Diskussion einzuordnen. Dieser taugt als Ökonom des marktliberalen Instituts für Weltwirtschaft Kiel zwar nicht als neutraler Schiedsrichter, aber er brachte einen wichtigen Begriff in die Debatte ein: das Arbeitsvolumen. Damit ist nicht die Wochenarbeitszeit der Einzelnen gemeint, sondern die Arbeitszeit aller arbeitenden Menschen in Deutschland zusammen. Dieses Arbeitsvolumen sei rückläufig, erklärte Schularick. Das liege an den geburtenstarken Jahrgängen, die nun Jahr für Jahr in Rente gehen und dem Arbeitsmarkt fehlen. Das müsse kompensiert werden: „Wenn wir wachsen wollen, müssen wir da auch mehr Arbeit reinstecken.“ Er schob aber auch nach: Der größere Hebel sei es, die geleistete Arbeit „produktiver“ zu machen, zum Beispiel mit Hilfe von KI.

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Bas und Klingbeil: Kein Widerspruch

Miosga spielte nun einen Ausschnitt von Lars Klingbeil ein, in dem der andere SPD-Chef ebenfalls dafür plädierte, dass mehr gearbeitet werden müsse. Bas sah darin keinen Widerspruch und zählte Wege auf, wie sich das Arbeitsvolumen erhöhen ließe. Dabei nannte sie Frauen in Teilzeit, die an mehr Arbeit gehindert würden, sowie Migranten, die man besser qualifizieren und in Arbeit bringen könnte. Auch ältere Menschen und Behinderte würden auf dem Arbeitsmarkt oft diskriminiert. „Die müssen wir dazu bekommen, dass sie mehr arbeiten.“ Miosga wollte nun einen Widerspruch erkannt haben: Vor dem Einspieler hätte Bas noch gesagt, wir müssen nicht mehr arbeiten. Bas konnte das aber ausräumen: „Die Wochenarbeitszeit ist doch etwas anderes“, erklärte sie. Ihr gehe es um bestimmte Gruppen, bei denen das Potenzial nicht gehoben sei – genau wie Klingbeil auch.

Fazit: Zuschauer lernen den Unterschied

Die Zuschauer konnten bei dieser Sendung genau das gelernt haben: Auf den Unterschied zwischen Wochenarbeitszeit und Arbeitsvolumen zu achten. Das würde unnötige Debatten darüber, ob wir „zu faul“ sind, in Zukunft im Keim ersticken.