In einem offenen Brief an die Bundesregierung fordern mehrere Wirtschaftsweise eine grundlegende Steuerreform für Ehepaare. Das bestehende Ehegattensplitting sei nicht mehr zeitgemäß und müsse durch ein moderneres Modell ersetzt werden. Die Unterzeichner argumentieren, dass das aktuelle System insbesondere Frauen benachteilige, da es Anreize setze, nach der Heirat weniger zu arbeiten. Stattdessen schlagen sie eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag vor. Dies würde die Erwerbstätigkeit von Frauen fördern und die Wirtschaft stärken. Der Brief richtet sich an Bundeskanzler Olaf Scholz und Finanzminister Christian Lindner. Die Experten betonen, dass eine Reform nicht nur gerechter, sondern auch finanzpolitisch sinnvoll sei. Sie verweisen auf Studien, die zeigen, dass eine Umstellung des Steuersystems zu höheren Steuereinnahmen führen könnte. Die Bundesregierung hat bisher keine konkreten Pläne für eine Reform des Ehegattensplittings vorgelegt. Die Wirtschaftsweisen hoffen nun auf eine öffentliche Debatte und politische Umsetzung.
Kernforderungen der Wirtschaftsweisen
Die Ökonomen fordern eine Abkehr vom gemeinsamen Splittingtarif hin zu einer individuellen Besteuerung. Dabei soll ein übertragbarer Grundfreibetrag zwischen Ehepartnern möglich sein. Dies würde vor allem Zweitverdiener entlasten, die häufig Frauen sind. Zudem solle der Steuervorteil für Ehepaare mit sehr unterschiedlichen Einkommen reduziert werden. Die Wirtschaftsweisen kritisieren, dass das aktuelle System hohe Grenzsteuersätze für Zweitverdiener schaffe und somit Arbeitsanreize verringere. Eine Reform könne das Arbeitskräftepotenzial heben und zur Fachkräftesicherung beitragen. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde verbessert. Die Experten schlagen vor, die Reform schrittweise umzusetzen, um Übergangseffekte abzufedern.
Reaktionen aus der Politik
Die Reaktionen auf den offenen Brief sind gemischt. Während Vertreter von SPD und Grünen Sympathie für eine Reform äußern, zeigen sich FDP und Union skeptisch. Finanzminister Lindner betonte, dass Steuerentlastungen für Familien wichtig seien, aber eine Reform des Ehegattensplittings nicht auf der Agenda stehe. Die Union warnt vor einer Benachteiligung von Familien mit einem Hauptverdiener. Die Wirtschaftsweisen hoffen dennoch auf eine breite gesellschaftliche Debatte und langfristige Veränderungen. Sie verweisen auf andere Länder wie Schweden, die bereits erfolgreich auf eine Individualbesteuerung umgestellt haben.



