Lange Zeit galt der Radpanzer als einfacher Truppentransporter: eine Stahlwanne, sechs Räder, ein Maschinengewehr – mehr nicht. Doch mit der neuen Generation von 6x6- und 8x8-Fahrzeugen hat sich das grundlegend geändert. Sie sind schneller als viele Kettenpanzer, transportieren Soldaten, bekämpfen Drohnen und tragen schwere Waffen. Moderne Radpanzer entwickeln sich zu echten Hightech-Kampffahrzeugen.
Die technischen Eckdaten sprechen für sich: Bis zu 800 PS starke Dieselmotoren beschleunigen die Fahrzeuge auf über 100 km/h, die Reichweite liegt bei maximal 1000 Kilometern. Hinzu kommen digitale Vernetzung, moderne Sensoren und unbemannte Türme, die die Panzer in rollende Gefechtszentralen verwandeln. BILD hat die zehn wichtigsten Modelle zusammengestellt – von Europa bis in die Türkei.
Deutsche Hightech-Lösungen: Boxer und RCH 155
Allen voran der KNDS Boxer RCT30, Spitzname ‚Schakal‘. Deutschlands modernster Radschützenpanzer kombiniert das bewährte Boxer-Fahrgestell mit dem unbemannten Turm des Puma. Die 30-Millimeter-Kanone, Panzerabwehrraketen und aktive Schutzsysteme machen ihn zu einer der stärksten Gefechtsplattformen seiner Klasse. Der Name ‚Schakal‘ ist Programm: schnell, wendig und gefährlich.
Der KNDS RCH 155 ist eigentlich eine Radhaubitze – aber eine außergewöhnliche. Das System kann während der Fahrt schießen, erreicht über 100 km/h und trifft Ziele mit Spezialmunition auf bis zu 70 Kilometer Entfernung. Damit bringt es Artillerie auf ein völlig neues Niveau: Wer den RCH 155 im Gefecht einsetzt, kann blitzschnell Stellungen wechseln und ist für den Gegner kaum zu fassen.
Französische Modelle: Jaguar und VAB Mk3
Der EBRC Jaguar wurde von Frankreich speziell für Aufklärung und Feuerunterstützung gegen gepanzerte Ziele entwickelt. Eine 40-Millimeter-Kanone, Panzerabwehrraketen und moderne Sensorik machen ihn zu einem der am besten vernetzten Fahrzeuge der Welt. Die digitale Ausstattung erlaubt es, Zieldaten in Echtzeit mit anderen Einheiten zu teilen.
Der Arquus VAB Mk3 setzt auf hohe Flexibilität. Das Fahrzeug kann als Truppentransporter oder mit unterschiedlichen Waffenstationen eingesetzt werden. Modulare Panzerung schützt die Besatzung vor Minen und Sprengfallen. Bis zu zehn Soldaten finden im Innenraum Platz – das macht den VAB zu einem zuverlässigen Begleiter für vielfältige Missionen.
Skandinavien und Schweiz: Patria 6x6 und Piranha V
Der finnische Patria 6x6 bildet die Grundlage für das europäische CAVS-Programm und soll in vielen Ländern ältere Transportpanzer ersetzen. Mit mehr als 100 km/h Spitze und Platz für bis zu zehn Soldaten ist er ein Arbeitstier für den Truppentransport. Seine modulare Bauweise ermöglicht zudem verschiedene Einsatzprofile.
Der Piranha V aus der Schweiz ist ein wahrer Allrounder. Je nach Auftrag dient er als Mannschaftstransporter, Schützenpanzer oder Führungsfahrzeug und lässt sich mit unterschiedlichen Waffen und Schutzsystemen ausrüsten. Damit ist er extrem anpassungsfähig.
Neue Konzepte aus den USA und Estland: Stryker und HAVOC
Die US Army verpasst ihrem bewährten Stryker deutlich mehr Feuerkraft. Der Stryker Dragoon trägt statt des bisherigen Maschinengewehrs eine 30-Millimeter-Kanone und moderne Zielsysteme, die präzise Treffer auf große Entfernungen ermöglichen. Damit erhöht sich die Durchschlagskraft deutlich.
Eine der spannendsten Entwicklungen kommt aus Estland: der unbemannte HAVOC 8x8. Er soll künftig als roboterähnlicher Begleiter von Kampfpanzern operieren und gefährliche Missionen übernehmen. Kameras, Radar, Künstliche Intelligenz und ein Hybridantrieb ermöglichen weitgehend autonomes Fahren auch in feindlichen Gefechtszonen.
Türkische Feuerkraft: BMC Altuğ und Arma 8x8
Der türkische BMC Altuğ 8x8 erreicht bis zu 100 km/h und kann je nach Version mit 25-, 30- oder 35-Millimeter-Kanonen sowie Panzerabwehrraketen ausgerüstet werden. Diese Flexibilität macht ihn zu einem vielseitig einsetzbaren Fahrzeug.
Ebenfalls aus der Türkei kommt der Arma 8x8 mit dem Mizrak-30-Kampfturm. Er ist mit einer 30-Millimeter-Maschinenkanone ausgestattet. Moderne Sensorik und automatische Zielverfolgung ermöglichen präzise Einsätze bei Tag und Nacht. Der unbemannte Turm erhöht den Schutz der Besatzung.
Fazit: Radpanzer als Schlüsseltechnologie
Die vorgestellten Modelle zeigen: Der Radpanzer hat sich vom simplen Transporter zur hochkomplexen Gefechtsplattform gewandelt. Mit ihrer Kombination aus Tempo, Feuerkraft und Vernetzung werden sie in künftigen Konflikten eine entscheidende Rolle spielen – als Aufklärer, Jäger und Beschützer. Die Zukunft der Landstreitkräfte ist auf Rädern unterwegs.



