Wie Cannabis unseren Schlaf verändert und Träume unterdrückt
Cannabis und Schlaf: Traumverlust und REM-Rebound

Schlaf ist die wichtigste Regenerationsphase unseres Körpers, doch für viele Menschen in Deutschland wird die Nacht zunehmend zur Herausforderung. Rund jeder dritte Erwachsene leidet regelmäßig unter Ein- oder Durchschlafproblemen, das sind etwa 35 Prozent der Bevölkerung, so das Robert-Koch-Institut (RKI). Um besser schlafen zu können, greifen manche Menschen zu Cannabis. Doch die vermeintliche Hilfe hat Nebenwirkungen, die oft unterschätzt werden.

Wie Cannabis den Schlaf beeinflusst

Regelmäßige Konsumenten berichten häufig von weniger Träumen oder davon, sich seltener an Träume zu erinnern. Die Ursache liegt in der Wirkung von THC: Es unterdrückt den REM-Schlaf, jene Phase des Schlafzyklus, die für Gedächtnisbildung, emotionale Verarbeitung und Lernen entscheidend ist. In dieser Phase treten die lebendigsten Träume auf. Reduziert THC die REM-Zeit, verringert es auch Intensität und Häufigkeit von Träumen. Viele Nutzer empfinden dies zunächst als angenehm, da störende oder belastende Träume ausbleiben.

Der REM-Rebound nach dem Absetzen

Nach Wochen oder Monaten des regelmäßigen Cannabiskonsums, in denen der Traumschlaf unterdrückt wurde, berichten viele Menschen nach dem Absetzen von einer außergewöhnlich intensiven Rückkehr ihrer Träume. Wie die „Washington Post“ berichtet, beschreiben Betroffene in Studien und Erfahrungsberichten häufig einen sogenannten REM-Rebound: eine Phase, in der besonders lebhafte, emotionale oder sogar verstörende Träume auftreten. Diese intensive Traumaktivität kann ungewöhnlich realistische oder belastende Albträume auslösen. Für manche Betroffene werden diese Träume so belastend, dass sie erneut zu Cannabis greifen, um die Erinnerung zu unterdrücken. Dadurch entsteht ein problematischer Kreislauf: Cannabis unterdrückt zunächst die Traumerinnerung, wird aber später als vermeintliche Lösung gegen die wiederkehrenden intensiven Träume eingesetzt.

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Studien zeigen keinen objektiven Nutzen

Nicole Bowles, Professorin an der Oregon Health and Science University (USA), erforscht seit rund zehn Jahren die Auswirkungen von Cannabis auf den Schlaf. „Wir wissen, dass Cannabis den Schlaf verändert. Ob zum Guten oder zum Schlechten, wissen wir nicht“, fasst sie den aktuellen Stand der Forschung in der „Washington Post“ zusammen. In einer ihrer Studien untersuchte Bowles den Schlaf von Menschen, die noch nie Cannabis konsumiert hatten, mit dem von regelmäßigen Konsumenten. Mithilfe von Schlafmessungen verglich sie die nächtliche Erholung beider Gruppen. Das Ergebnis: Cannabis zeigte keinen messbaren Vorteil für die Schlafqualität. „Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem, was Menschen glauben, was Cannabis bewirkt, und dem, was wir objektiv beobachten“, sagte Bowles. Die subjektive Wahrnehmung der Konsumenten, dass Cannabis beim Schlafen helfe, wird durch objektive Daten nicht gestützt.

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