Nach fünf Wochen Sommerpause sind die Füchse Berlin in die Vorbereitung auf die Saison 2026/27 gestartet. Am Dienstag bat Trainer Nicolej Krickau seine Mannschaft zunächst zu medizinischen Untersuchungen und Leistungstests, später dann zur ersten Handballeinheit. Bis zum Supercup gegen den SC Magdeburg bleiben dem Vizemeister vier intensive Wochen, um in den Rhythmus zu finden.
Krickau kann erstmals von Beginn an gestalten
Für Krickau hat diese Vorbereitung besondere Bedeutung. Der 39-Jährige kann die Mannschaft erstmals über einen kompletten Sommer nach seinen Vorstellungen formen. Als er im September 2025 die Nachfolge von Jaron Siewert antrat, war das Umfeld heikel. Die Füchse hatten ihre ersten beiden Ligaspiele gewonnen, von einem misslungenen Saisonstart konnte also keine Rede sein. Gerade deshalb kam die Trennung von Siewert für viele überraschend. Der Coach hatte die Mannschaft in der Vorsaison zur ersten deutschen Meisterschaft der Vereinsgeschichte geführt und sich als populäres Gesicht des Erfolgs etabliert. Gleich bei seinem ersten Spiel bekam Krickau den Unmut der Fans über die Entlassung des Vorgängers deutlich zu spüren: Der Däne wurde lautstark ausgepfiffen.
„Ich freue mich sehr, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, die Alltagsstruktur so aufzubauen, wie ich sie für richtig halte“, sagte Krickau. Vieles liege zwar „nah an dem, was schon da war“, doch gerade in der individuellen Entwicklung wolle er andere Akzente setzen. Dabei geht es ihm nicht um einen kompletten Umbruch. Vielmehr sieht er jetzt in der individuellen Entwicklung der Spieler die Chance, neue Impulse zu geben.
Klare Rollen und mehr Struktur im Kader
Genau dort setzt Krickaus Plan an. Er will Rollen klarer definieren, Führungsfiguren schärfen und für einzelne Spieler konkrete Entwicklungsschritte festlegen. Ziel ist es, den Kader mit mehr Struktur und weniger Improvisation weiterzuentwickeln. Sportlich sollen die Füchse variabler werden, ohne ihre grundsätzliche Spielidee aufzugeben. Mit Blick auf die vielen Wettbewerbe – neben Bundesliga und DHB-Pokal stehen auch die Champions League sowie die Klub-WM auf dem Programm – hält Krickau es für entscheidend, auf unterschiedliche Spielsituationen flexibel reagieren zu können. Dafür brauche die Mannschaft, wie er es formuliert, „verschiedene Werkzeuge“.
Abwehr und Personal stehen besonders im Fokus
Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Defensive. Krickau sieht dort Entwicklungspotenzial und will die Abwehr stabiler machen. In der vergangenen Saison waren die Berliner phasenweise zu stark von herausragenden Torhüterleistungen abhängig. Künftig soll die Mannschaft defensiv geschlossener auftreten. Zu diesem Bereich passen auch die personellen Veränderungen. Im Tor bilden Zugang Andreas Palicka und Lasse Ludwig das neue Gespann. Mit Dejan Milosavljev, der seit 2019 zwischen den Pfosten stand, ist ein Torwart von Weltklasseformat zum polnischen Rekordmeister Industria Kielce gewechselt. Andreas Palicka verfügt über enorme Erfahrung – mit Stationen beim THW Kiel, den Rhein-Neckar Löwen und zuletzt bei der HSG Wetzlar.
Dazu kommt ein weiterer Abgang, der das Spiel der Füchse stark geprägt hat: Lasse Andersson ist nach sechs Jahren in der Spree-Metropole in seine dänische Heimat zurückgekehrt. Einen direkten Ersatz haben die Füchse nicht verpflichtet. Stattdessen soll Abwehr-Allrounder Matthes Langhoff mehr Verantwortung übernehmen. Krickau sagte: „Meine Aufgabe ist es, zu schauen: Was können wir aus Matthes herausholen?“ Zugleich stellte er klar, dass es nun auf „Lösungen im Kollektiv“ ankomme.
Transferplanungen sind abgeschlossen
Neben Palicka kommt mit Frederik Simak ein Rückkehrer nach Berlin, der den Verein bereits kennt. Weitere Zugänge sind nach aktuellem Stand nicht geplant. Damit ist klar: Krickau muss vor allem mit dem vorhandenen Kader arbeiten und aus den bestehenden Möglichkeiten das Maximum herausholen. Gerade deshalb bekommt diese Vorbereitung zusätzliches Gewicht. Neue Profile, neue Abstimmungen und veränderte Aufgabenverteilungen sollen nun zügig greifen. Schon am Wochenende bietet sich die erste Gelegenheit, andere Abläufe zu testen. Die Füchse bestreiten drei Testspiele in kurzer Folge: am Freitag beim HV Grün-Weiß Werder, am Samstag beim HSV Insel Usedom und am Sonntag beim SSV PCK 90 Schwedt.



