DTM-Rookie Wiebelhaus: „Man muss extrem präzise fahren“
DTM-Rookie Wiebelhaus: „Man muss extrem präzise fahren“

Finn Wiebelhaus hat in seiner ersten DTM-Saison ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Der 20-jährige Ford-Pilot steht bereits zweimal auf dem Podium und führt die Rookie-Wertung an. Vor dem Rennwochenende in Oschersleben (24. bis 26. Juli) spricht er über seinen ungewöhnlich schnellen Weg in die DTM, den Moment, in dem er sich endgültig angekommen fühlte, und seine Ziele für die zweite Saisonhälfte.

Oschersleben: Eine echte Oldschool-Strecke

„Oschersleben ist für mich eine echte Oldschool-Strecke“, sagt Wiebelhaus. „Es gibt kaum Diskussionen über Tracklimits, weil neben der Strecke direkt Gras oder Kies wartet. Man fährt ans Limit heran und merkt sofort, wenn man es überschritten hat. Die Strecke ist eng, technisch und hat einen schönen Rhythmus.“ Ob die Strecke dem Ford Mustang GT3 liegt, wird sich zeigen. „Trotzdem freue ich mich sehr auf das Wochenende, weil ich die Strecke wirklich gern mag.“

Zwischenfazit: Note zwei für die erste Saisonhälfte

Nach der ersten Saisonhälfte führt Wiebelhaus die Rookie-Wertung an und stand bereits zweimal auf dem Podium. „Ich hätte vor der Saison nicht erwartet, dass die erste Hälfte so gut läuft“, gesteht er. „Gerade die vielen Termine wie Presserunden oder Autogrammstunden haben mich an den Wochenenden anfangs noch Energie gekostet. Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt. Als Schulnote würde ich mir eine Zwei geben. Man kann immer etwas besser machen, aber ich denke, dass ich bisher wenige Fehler gemacht habe.“

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Der Moment des Ankommens: Podium auf dem Lausitzring

Das Podium auf dem Lausitzring war für Wiebelhaus extrem wichtig. „Zuvor war ich zweimal unverschuldet ausgefallen und konnte nicht wirklich zeigen, was ich kann. Irgendwann fragt man sich dann schon, warum es einfach nicht läuft. Am Sonntag auf dem Lausitzring hat aber alles zusammengepasst. Dieses Ergebnis hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, gerade für das Wochenende danach auf dem Norisring. Dort muss man sehr nah an die Mauern heranfahren und braucht volles Vertrauen ins Auto. Nach dem Podium und den vielen Glückwünschen hatte ich das Gefühl, endgültig angekommen zu sein.“

Überrascht von den vielen Fans

Was Wiebelhaus an der DTM bislang am meisten beeindruckt hat, sind die Fans. „Am Norisring war unglaublich viel los. Teilweise kam ich kaum durch das Fahrerlager, weil ich immer wieder für ein Foto oder ein Autogramm angehalten wurde. Selbst ein kurzer Weg kann dann ziemlich lange dauern. Wenn man dringend zu einem Termin muss, kann das natürlich etwas stressig werden. Trotzdem versuche ich, mir möglichst viel Zeit zu nehmen. Die Fans sind für unseren Sport enorm wichtig.“

Vom Kart in die DTM in nur sechs Jahren

Wiebelhaus ist erst 2020 in den Motorsport eingestiegen und fährt heute bereits in der DTM. „Als Kind habe ich mit meinem Vater viel Formel 1 geschaut und war ein riesiger Sebastian-Vettel-Fan. Ansonsten hat Motorsport in meiner Familie aber keine große Rolle gespielt. Meine ersten virtuellen Runden bin ich mit dem Formel-1-Spiel von 2016 und einem Lenkrad für 40 Euro gefahren. 2020 sind wir dann zur Kartmesse nach Offenbach gefahren und haben dort spontan ein gebrauchtes Kart gekauft. Meine Mutter war davon anfangs nicht so begeistert. Danach kam alles ziemlich schnell ins Rollen und sechs Jahre später fahre ich in der DTM. Manchmal fühlt sich das noch etwas surreal an.“

Bedeutung der „Road to DTM“

Der ADAC hat Wiebelhaus auf seinem Weg mit der „Road to DTM“ begleitet. „Eine sehr wichtige, vor allem dank der ADAC Stiftung Sport“, betont er. „Mit der ‚Road to DTM‘ hat der ADAC ein Nachwuchsprogramm geschaffen, das vom Kartsport bis in die DTM führt. Bei mir im Zimmer stehen die Pokale aus dem ADAC Kart Masters, dem ADAC GT Masters und von meinem ersten DTM-Podium. Daran kann man meinen Weg gut erkennen. Nach meinem Erfolg im ADAC Kart Masters habe ich die Chance bekommen, in den Formelsport einzusteigen. Später habe ich mich für den GT-Sport entschieden und konnte mich über das ADAC GT Masters mit dem Titel und als ‚Road to DTM‘-Sieger für die DTM empfehlen. Ich bin stolz, den jungen Fahrern auf den Kartstrecken zeigen zu können, wohin der Weg führen kann.“

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Vorbilder und besondere Begegnungen

Sebastian Vettel war während seiner Zeit bei Red Bull Wiebelhaus‘ großes Idol. In der DTM hat er vor allem René Rast verfolgt. „Er hat damals viele Onboard-Aufnahmen auf YouTube hochgeladen und erklärt, was er im Auto macht. Das fand ich extrem interessant. Heute selbst gegen Fahrer wie Timo Glock anzutreten, ist natürlich besonders. Wir verstehen uns gut und er hat immer einen lustigen Spruch auf Lager. Als Timo in der Formel 1 unterwegs war, bin ich noch nicht einmal Kart gefahren.“

Ziele für die zweite Saisonhälfte

Wiebelhaus hat klare Ziele: „Mein größtes Ziel ist, die Rookie-Wertung zu gewinnen. Ein oder zwei weitere Podestplätze wären natürlich auch schön. Die DTM ist aber ein hartes Pflaster. Es kann auch einmal zwei oder drei schwierige Wochenenden geben. Das gehört dazu. Vor allem freue ich mich auf den Nürburgring. Für mein Team HRT ist es das Heimspiel. Ich mag die Strecke und war dort in der Vergangenheit meistens schnell. Auf den Sachsenring bin ich ebenfalls gespannt, weil ich dort noch nie gefahren bin.“