Es war 10.58 Uhr, als die Eurowings-Maschine mit der Flugnummer EW493 aus Sarajevo am Flughafen Köln/Bonn aufsetzte – 13 Minuten später als geplant. An Bord: Edin Dzeko. Der 40 Jahre alte Weltstürmer kehrt damit nach wochenlangem Warten zu Schalke 04 zurück. Seine Frau Amra (41), die bereits früher angereist war, empfing ihn mit Küsschen. Zusammen mit vier Koffern und S04-Mitarbeiter Joe Miraglia (51) ging es für den Bosnier direkt zum Auto.
Auf die Frage der BILD, ob er sich auf seine zweite Saison auf Schalke freue, antwortete Dzeko kurz und bündig: „Wir reden morgen!“ Bevor er sich ins Auto setzte, nahm sich der Stürmer noch einige Minuten Zeit für Selfies mit Fans – die Anhänger in Gelsenkirchen dürfte das gefreut haben.
Zäher Vertragspoker: Von der Offerte zum Kompromiss
Dass Dzeko überhaupt wieder im Schalker Trikot auflaufen wird, war alles andere als selbstverständlich. Wie die BILD berichtet, gab es ein unerwartet langes Ringen zwischen Königsblau und dem Angreifer. Schalkes Sport-Vorstand Frank Baumann (50) legte Dzeko zunächst ein klar leistungsbezogenes Ursprungsangebot vor: ein Grundsalär von rund 900.000 Euro plus Boni für Einsätze und Erfolge. Damit hätte der 40-Jährige bei einem Jahresgehalt von rund 1,3 Millionen Euro gelandet.
Erst nach intensiven Verhandlungen kamen beide Parteien einander ein Stück entgegen. Das Ergebnis bewegt sich im Gehaltsbereich von Kenan Karaman (32) und Robin Gosens (32), die beide ebenfalls auf Schalke spielen. Gosens, der zuletzt 24 Länderspiele für Deutschland absolvierte, hatte sich erst kürzlich seinem Lieblingsklub angeschlossen – nun folgt mit Dzeko ein weiterer prominenter Zugang.
Umworben von Baumann, Karaman und Muslic
Der Weg zu diesem Transfer war keineswegs einfach. Dzeko war seit dem 1. Juli vertragslos und hielt sich zuletzt im Urlaub auf. In Dubrovnik (Kroatien) kam es zu einem längeren Treffen zwischen dem Stürmer und Sport-Vorstand Baumann, der eigens nach Kroatien gereist war, um mit dem Sturm-Star über einen neuen Vertrag zu sprechen. Der Ex-Bremer gab sich dabei hartnäckig.
Auch die Schalker Führungsspieler um Kapitän Kenan Karaman waren im Dauerkontakt mit Dzeko. Aus dem Trainingslager in Neustift (Österreich) telefonierten sie wiederholt mit dem Bosnier. Und auch Trainer Miron Muslic (43) schaltete sich in die Gespräche ein und umgarnte den Angreifer in mehreren Telefonaten. Die gemeinsame Überzeugungsarbeit hat sich am Ende bezahlt gemacht.
Nächste Schritte: Athletiktest, Medizincheck, Unterschrift
Für Dzeko geht es nun Schlag auf Schlag. Nach einigen privaten Terminen soll der Oldie noch am Sonntag seinen Athletiktest absolvieren. Am Montag folgt dann der Medizincheck – direkt nach dem Bestehen wird der neue Einjahresvertrag unterschrieben. Schon am Dienstag soll der Bosnier wieder mit der Mannschaft trainieren.
Derweil kehrt auch sein WM-Kollege Nikola Katic (29) nach verlängertem Urlaub zurück. Katic wird bereits am Montag wieder mit den Kollegen auf dem Platz am Berger Feld in Gelsenkirchen trainieren – einen Tag vor Dzeko. Die Schalker Defensive erhält damit zusätzliche Verstärkung.
Ein Superstar für die zweite Saison
Dzeko bringt als Weltstürmer eine Menge Erfahrung und Autorität mit. Bei Schalke hoffen sie, dass er die Mannschaft nicht nur sportlich weiterbringt, sondern auch in der Kabine eine Führungsrolle übernimmt. Die Fans haben ihren Superstar nach der langen Wartezeit bereits sehnsüchtig erwartet – die Selfies am Flughafen waren nur der Anfang.
Schalke sichert sich mit Dzeko einen Spieler, der trotz seines Alters von 40 Jahren noch immer in der Lage ist, Spiele zu entscheiden. Der Einjahresvertrag ist für beide Seiten eine Chance: Der Angreifer kann beweisen, dass er weiterhin auf höchstem Niveau spielen kann, und der Klub kann die Offensive mit einem erfahrenen Torjäger verstärken, ohne sich langfristig zu binden.
Schalke hat in der vergangenen Saison oft die Erfahrung in entscheidenden Momenten gefehlt. Mit Dzeko könnte sich das ändern. Der 40-Jährige weiß genau, wie man Titel gewinnt und wie man mit Druck umgeht. In den kommenden Monaten soll er genau diese Qualitäten auf den Platz bringen – und die Schalker Anhänger von einem gelungenen Comeback überzeugen.



