Es war ein ernüchternder Samstagnachmittag für den FC Energie Cottbus. Eine Woche vor dem Saisonstart in der 2. Bundesliga kassierte der Aufsteiger beim 2:4 gegen Werder Bremen gleich vier Gegentreffer und offenbarte damit eklatante Abwehrprobleme. Die Generalprobe gegen den Bundesligisten geriet zur Standortbestimmung – mit ernüchterndem Ergebnis.
Früh geführt, dann abgehängt
Dabei begann die Partie für die Mannschaft von Trainer Claus-Dieter Wollitz denkbar ideal. Bereits in der 6. Minute brachte Aufstiegsheld Tolcay Ciğerci den FCE mit 1:0 in Führung. Der Mittelfeldregisseur knüpfte damit an seine überragende Vorsaison an, in der er mit 17 Treffern maßgeblich am Aufstieg der Lausitzer beteiligt war. Die Freude über den Blitzstart währte jedoch nicht lang.
Werder Bremen, das die Begegnung als Testspiel vor der neuen Bundesliga-Saison nutzte, fand zunehmend besser ins Spiel. Salim Musah gelang in der 31. Minute der Ausgleich, Samuel Mbangula drehte die Partie noch vor der Pause zugunsten der Grün-Weißen. Der Test lief über zweimal 60 Minuten, eine ungewöhnliche Dauer, die vor allem den Trainern die Möglichkeit gab, viele Wechsel vorzunehmen. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Paul Erevbenagie in der 103. Minute auf 3:1 – die Cottbuser Abwehr wirkte dabei mehrfach überfordert.
Borgmann feiert Comeback und trifft
Für einen der bewegendsten Momente des Tages sorgte jedoch Axel Borgmann. Der Kapitän des FC Energie stand nach überstandener Schambeinentzündung zum ersten Mal wieder auf dem Platz und erzielte in der 112. Minute den Anschlusstreffer zum 2:3. Die Hoffnung auf ein spätes Comeback in der Partie währte allerdings nur kurz. In der Schlussminute stellte Chuki mit dem 4:2 den Endstand her.
Ein weiterer Neuzugang rückte derweil in den Fokus: Leonardo Bittencourt. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Werder Bremen vergab der Mittelfeldspieler früh im Spiel eine große Chance. Es sollte nicht der einzige Moment sein, in dem die Lausitzer ihre Chancen nicht nutzten. Am Ende stand eine Niederlage, die in dieser Höhe vermeidbar gewesen wäre.
Wollitz fordert Verstärkung in der Defensive
Trainer Claus-Dieter Wollitz zog aus der Partie klare Erkenntnisse. Die Rückkehr von Kapitän Borgmann wertete er positiv, doch die Abwehrprobleme trübten das Gesamtbild. „Wenn wir einen Innenverteidiger finden, der im Schaufenster steht, und wir nicht nein sagen können, werden wir noch einmal zuschlagen", sagte Wollitz mit Blick auf den Transfermarkt. Die Aussage zeigt: Die sportliche Leitung ist sich der Schwächen in der Hintermannschaft bewusst und wird gegebenenfalls nachbessern.
Die vier Gegentore sind Alarmzeichen. Gerade gegen einen Bundesligisten wie Werder Bremen, der nicht einmal über die volle Distanz von 90 Minuten spielte, sondern über 120 Minuten, wirkte die Abwehr des Aufsteigers anfällig. Hinzu kam, dass die Lausitzer mehrfach in den Zweikämpfen zu spät kamen und den Bremern zu viel Raum ließen. Diese Schwächen gilt es bis zum Saisonstart abzustellen.
Auftakt gegen Hannover 96
Am 9. August ist es dann ernst: Nach zwölf Jahren Abstinenz kehrt Energie Cottbus in die 2. Bundesliga zurück. Im heimischen Stadion empfängt der Aufsteiger Hannover 96 zum Auftakt. Die Generalprobe ist misslungen, das weiß auch Wollitz. Doch der Coach hat noch eine Woche Zeit, um an der Stabilität zu arbeiten. Die Frage ist, ob es gelingt, die Abwehr zu festigen – mit neuem Personal oder durch verbesserte Abstimmung.
Die 2:4-Niederlage gegen Werder Bremen wird deshalb nicht in erster Linie als Ergebnis gewertet, sondern als Mahnung. Die Konkurrenz in der zweiten Liga ist groß, und Teams wie Hannover 96 werden ähnliche Offensivqualitäten wie Bremen aufbieten. Die Lausitzer müssen zwingend stabiler stehen, um im Kampf um den Klassenerhalt bestehen zu können. Gleichzeitig geben die Führungsqualität von Ciğerci und das Comeback von Borgmann Anlass zur Hoffnung.
Bis zum Anpfiff am 9. August warten nun intensive Trainingseinheiten. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Tore erzielen kann – aber die Abwehr muss einfach besser stehen. Ob Energie Cottbus noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv wird, ist offen. Wollitz' Worte waren zumindest ein deutliches Signal: Er ist bereit, zu handeln, sollte sich eine Chance bieten.



