Der AC Achensee hat große Pläne: Der Fußballverein aus dem Tiroler Bergdorf strebt den Aufstieg in die österreichische Bundesliga an. Während andere Klubs auf internationale Investoren setzen, will man hier mit Heimatverbundenheit und einer einzigartigen Alpenkulisse punkten. „Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht“, sagt Präsident Hans-Peter Steinbacher im Gespräch mit unserer Redaktion.
Ein Dorf träumt vom Profifußball
Der AC Achensee wurde 1967 gegründet und spielt derzeit in der Regionalliga Tirol, der dritthöchsten Spielklasse Österreichs. Der Verein hat rund 300 Mitglieder und 150 aktive Spieler, davon 80 im Nachwuchsbereich. Der Traum vom Aufstieg ist nicht neu, aber er gewinnt an Konturen: Mit dem neuen Nachwuchsleistungszentrum, das im Sommer 2025 eröffnet werden soll, investiert der Klub massiv in die Zukunft.
„Wir haben hier eine der schönsten Trainingsanlagen im Alpenraum“, betont Steinbacher. Das Gelände liegt direkt am Achensee, umgeben von 2.000 Meter hohen Gipfeln. Diese Lage soll auch Spieler anziehen, die neben dem Fußball die Natur genießen wollen. „Bei uns gibt es keine Hektik wie in der Stadt, sondern klare Luft und klare Köpfe“, sagt der Präsident.
Vorbild FC Red Bull Salzburg?
Der Weg des AC Achensee erinnert an den FC Red Bull Salzburg, der vor 20 Jahren mit einer ähnlichen Philosophie gestartet ist. Der Salzburger Klub setzte auf junge Talente und eine professionelle Infrastruktur – und ist heute Serienmeister. „Wir wollen nicht kopieren, aber lernen“, erklärt Steinbacher. Allerdings fehlen dem AC Achensee die Millionen eines Getränkeherstellers. Das Budget beträgt gerade einmal 500.000 Euro pro Saison.
Um dennoch konkurrenzfähig zu sein, setzt der Verein auf Kooperationen mit regionalen Firmen und eine intensive Jugendarbeit. „Unsere U19 spielt in der höchsten Tiroler Liga und hat schon mehrere Spieler hervorgebracht, die den Sprung in den Profifußball geschafft haben“, sagt Jugendleiter Thomas Kogler. Einer davon ist Lukas Oberdorfer, der heute beim LASK in der Bundesliga spielt.
Die Hürden: Infrastruktur und Finanzen
Der Aufstieg in die 2. Liga wäre der erste Schritt – doch davor liegen große Hindernisse. Die Regionalliga ist nur die dritte Spielklasse, und für die 2. Liga müsste der Verein die Lizenzauflagen erfüllen, darunter ein Stadion mit mindestens 3.000 Plätzen. Das aktuelle Stadion am See bietet nur 1.500 Plätze. Ein Ausbau ist geplant, aber die Kosten von rund 5 Millionen Euro sind für den Klub eine Herkulesaufgabe.
Zudem fehlt es an finanziellen Mitteln für Profiverträge. „Wir müssen kreativ sein“, so Steinbacher. So sollen Spieler Teilzeitjobs in der Tourismusbranche bekommen, die rund um den Achensee boomt. „Unser Konzept ist nachhaltig, auch wenn es langsam vorangeht.“
Die Konkurrenz schläft nicht
Während der AC Achensee auf den langsamen Weg setzt, investieren andere Klubs in der Region kräftig. Der FC Wacker Innsbruck, einst Bundesliga, kämpft mit finanziellen Problemen, während der SC Schwaz in der Regionalliga mitspielt. „Wir beobachten das genau und wollen uns von niemandem abhängen lassen“, sagt Kogler.
Die Fans des AC Achensee sind jedenfalls begeistert: Die Heimspiele verfolgen durchschnittlich 800 Zuschauer – bei einem Dorf mit 1.200 Einwohnern eine beachtliche Zahl. „Die Stimmung ist einzigartig, man kennt sich“, sagt Fanclub-Sprecherin Maria Scheiber.
Ein Modell für den ländlichen Fußball?
Der AC Achensee könnte ein Vorbild für andere ländliche Vereine sein, die unter den wachsenden Anforderungen des Profifußballs leiden. „Wir zeigen, dass man mit Leidenschaft und Bodenständigkeit weit kommen kann“, meint Steinbacher. Ob der Traum von der Bundesliga wahr wird, ist offen – aber der Verein hat schon jetzt bewiesen, dass er über sich hinauswachsen kann.



