Breel Embolo war verzweifelt und brach sofort in Tränen aus. Seine Mitspieler umarmten ihn, ehe der Schweizer Stürmer wegen einer plumpen Schwalbe den Rasen verlassen musste. Dieser Trost ist vorbildlich, Zusammenhalt ist in einer Fußballmannschaft auch in schwierigen Momenten eine der entscheidenden Tugenden.
Wie sich die Schweizer nach der bitteren 1:3-Niederlage gegen Titelverteidiger Argentinien im Viertelfinale der WM äußerten, war allerdings wenig vorbildlich. Denn schuld waren mal wieder andere, in diesem Fall die Fifa und der Schiedsrichter. „Das ist eine Regel, die für mich mit Fußball nichts zu tun hat. Dass sie eingeführt wurde, ist absolut unnötig“, wütete Trainer Murat Yakin. „Das ist ein Desaster! Ich verstehe bis jetzt nicht, wie der VAR in so einer Situation in so einem Spiel eingreifen kann“, sagte Mittelfeldspieler Remo Freuler.
Die Schwalbe im Detail: Was geschah wirklich?
Kurz nach dem 1:1-Ausgleich der Schweizer ging Embolo in der 69. Minute an der Seitenlinie zu Boden. Schiedsrichter João Pinheiro aus Portugal entschied auf Gelb für den Argentinier Leandro Paredes, bekam aber schnell einen Hinweis vom Videoassistenten. Er schaute sich die Wiederholung an, nahm die Verwarnung zurück und zeigte stattdessen Embolo Gelb. Es war seine zweite an diesem Abend und damit ein Platzverweis.
Dass sich der VAR bei einer Verwarnung einschalten durfte, lag an einer Regeländerung, die bei dieser WM neu ist. Sie besagt, dass Gelbe Karten korrigiert werden können, wenn sie dem falschen Spieler gezeigt wurden. Zuvor war das nur bei einer Spielerverwechslung innerhalb einer Mannschaft möglich, nun auch für Spieler unterschiedlicher Teams – etwa bei einer Schwalbe.
Platzverweis als Schlüsselszene
Die Schweizer hatten allen Grund, frustriert zu sein. Sie hatten nach dem Ausgleich gute Aussichten auf eine Sensation gegen Argentinien mit Superstar Lionel Messi. Diese Chance hat ihnen aber nicht der Schiedsrichter genommen, sondern ihr eigener Kollege. Embolo leistete sich die vielleicht dümmste und fatalste Schwalbe der WM-Geschichte.
Der Fall zeigt mal wieder, dass die Akzeptanz der Regeln bei vielen Menschen in der Fußballbranche vom eigenen Erfolg abhängt. Wird ein gegnerisches Tor wegen einer Abseitsstellung im Millimeterbereich aberkannt, ist es ein Segen, dass die Möglichkeiten der Technik endlich genutzt werden. Fällt solch eine Entscheidung gegen das eigene Team aus, wird oft der nächste Skandal ausgerufen.
Schweizer Reaktionen: Kritik an Regeln statt Einsicht
Der Fall von Embolo ist sogar noch fragwürdiger, denn eigentlich ist die Ächtung eindeutiger Schwalben Konsens im Fußball. Auf Seiten der Schweizer sprach aber niemand über die klare Simulation, sondern nur über die Regeln, den Schiedsrichter, vermeintliche Fouls der Argentinier – und dass Embolo so ein toller Teamkollege sei.
Letzteres mag stimmen und niemand erwartet, dass die Schweizer Spieler Embolo zum Sündenbock machen. Die Schuld nur bei den anderen zu suchen, wirft jedoch einen Schatten auf die exzellente WM der Eidgenossen.



