Entscheidung bei Hansa: Unbehaun wird Nummer 1 im Tor
Entscheidung bei Hansa: Unbehaun wird Nummer 1 im Tor

Rostock – Eine Woche vor dem Drittliga-Auftakt beim TSG Hoffenheim II hat der F.C. Hansa Rostock die wichtigste Personalfrage des Sommers entschieden. Luca Unbehaun (25) wird als Nummer 1 in die neue Saison gehen. Trainer Daniel Brinkmann gab die Entscheidung bei Hansa-TV bekannt und beendete damit eine wochenlange Debatte unter den Anhängern des Traditionsklubs.

Herausforderer Yannic Stein, der im Sommer von Union Berlin an die Ostsee gewechselt war, muss sich vorerst auf die Bank setzen. Der 21-Jährige hatte in der Vorbereitung starke Leistungen gezeigt und auch im Training einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dennoch fiel die Wahl auf den erfahreneren Unbehaun. In Rostock wurde seit Wochen darüber gerätselt, wer das Tor hütet – nun ist die Entscheidung gefallen.

Das Trainerwort: „Es war ein enges Rennen“

Brinkmann machte bei der Vorstellung der Personalie deutlich, dass es sich um keine leichte Entscheidung handelte. „Luca Unbehaun wird als erster Torwart in die Saison gehen. Es war ein enges Rennen“, sagte er bei Hansa-TV. Damit stellt er klar, dass die Wahl nicht gegen Stein, sondern für Unbehaun gefallen ist. Letztlich zählten Details, um den Unterschied auszumachen.

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Für Yannic Stein ist dieser Schritt dennoch ein Dämpfer. Der Ex-Unioner war mit großen Ambitionen nach Rostock gekommen und hatte sich in den Testspielen bestens präsentiert. Die Konkurrenz belebt das Geschäft – und Brinkmann betonte mehrfach, wie nah beieinander die beiden Torhüter liegen. Stein bleibt eine ernste Option, sollte Unbehaun schwächeln oder ausfallen.

Erfahrung schlägt Talent: Das Zahlenverhältnis

Der wichtigste Trumpf von Unbehaun ist seine Erfahrung im Profifußball. Der gebürtige Dortmunder bringt es auf 60 Drittliga-Einsätze für Borussia Dortmund II und den SC Verl. Dazu kommen 69 Spiele in der zweiten niederländischen Liga für den FC Emmen. Diese Zeit in den Niederlanden hat ihn geprägt: Dort lernte er, gegen spielstarke Gegner mit hohem Tempo zu agieren und trotzdem ruhig zu bleiben.

Stein kann mit 21 Jahren lediglich auf 26 Regionalliga-Partien für den SV Babelsberg zurückblicken. In der Regionalliga Nordost hat er zwar überzeugt, doch Bundesliga-Nachwuchs und niederländischer Profifußball sind eine andere Hausnummer. Diese Unterschiede wogen für Brinkmann offenbar schwer. „Luca hat natürlich so ein bisschen den Vorteil, dass er diese Erfahrungswerte der Profispiele schon hat. Trotz seines jungen Alters – und ich fand ihn gegen Gladbach recht souverän“, erklärte der Trainer.

Gerade die Auftritte in der Vorbereitung, insbesondere gegen Bundesligist Borussia Mönchengladbach, dürften das Trainerteam überzeugt haben. Unbehaun zeigte eine abgeklärte Leistung, die den Ausschlag gab. Dabei geht es nicht nur um gehaltene Bälle, sondern auch um die Ausstrahlung auf die Defensive.

Mehr als nur Halten: Brinkmann will Ruhe von hinten

Daniel Brinkmann legt großen Wert auf einen Torhüter, der das Spiel von hinten beruhigen kann. Ein Schlussmann, der unter Druck klug spielt und als elfter Feldspieler agiert, ist in der Drittliga längst Standard. „Fußballerisch gibt er uns schon eine gewisse Ruhe“, sagte Brinkmann über Unbehaun. Diese Fähigkeit wird zum Saisonstart besonders wichtig, wenn die Abläufe noch nicht perfekt eingespielt sind und Gegner wie Hoffenheim II tief stehen oder früh pressen.

Unbehaun besitzt genau diese Qualität. Durch seine Erfahrung auf verschachtelten niederländischen Plätzen und seine Ausbildung beim BVB ist er im Ballbesitz sicher und mutig. Er traut sich zu, hohe Bälle zu begleiten oder kurze Pässe zu starten. Das entspricht dem Fußball, den Brinkmann in Rostock etablieren will.

Unbehauns Eigeninitiative: Vom Anruf zur Nummer 1

Dass Unbehaun überhaupt im Hansa-Trikot steht, ist nicht zuletzt seiner eigenen Hartnäckigkeit zu verdanken. Als der Torhüter von Hansas Interesse erfuhr, zögerte er nicht lange. Er rief seinen früheren BVB-Weggefährten Franz Pfanne an, der damals bereits für Rostock spielte, und bat ihn um die Telefonnummer von Sportdirektor Amir Shapourzadeh. Anschließend übernahm sein Berater die Gespräche und brachte den Transfer zum Abschluss. Aus dieser Eigeninitiative ist nun ein vorläufiger Stammplatz geworden – eine bemerkenswerte Geschichte.

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Der Verein belohnt damit Unbehauns Willen und seine professionelle Einstellung. In der Vorbereitung präsentierte er sich fokussiert und zeigte, wie sehr er sich auf die Aufgabe in Rostock freut. Nun hat er die Chance, sich mit guten Leistungen für den Vertrauensvorschuss zu bedanken.

Kein Freifahrtschein: Der Druck bleibt

Trotz der klaren Ansage von Brinkmann ist Unbehaun nicht unumstritten. „Luca hat jetzt das Vertrauen, aber er weiß auch, dass er Druck hat“, stellte der Trainer unmissverständlich klar. Der Konkurrenzkampf mit Stein geht also weiter. Ein Stammplatz in der Drittliga ist nie eine Dauerbeschäftigung – und die Saison ist lang. Schon ein paar schwache Partien können genügen, um die Hierarchie zu verändern.

Für Unbehaun heißt das: Er muss seine Leistung aus der Vorbereitung ab dem ersten Spieltag abrufen. Der Auftakt am kommenden Wochenende bei der Zweitvertretung der TSG Hoffenheim ist eine richtungsweisende Aufgabe. Ein Sieg wäre ein idealer Start, und dann könnte aus dem vorläufigen Stammplatz eine dauerhafte Lösung werden. Die Konkurrenz schläft nicht – das weiß auch die neue Nummer 1 im Hansa-Tor.