Streit zwischen Evenepoel und Lipowitz bei der Tour de France
Bei der Tour de France ist es zum offenen Konflikt zwischen den beiden Kapitänen des deutschen Rennstalls Red Bull-Bora-hansgrohe gekommen. Remco Evenepoel (26) und Florian Lipowitz (25) gerieten auf der 6. Etappe aneinander. Evenepoel warf Lipowitz vor, dass dieser seinen Hintern nicht aus dem Sattel bekommen habe, um für den Belgier den Sprint um Platz 3 anzuziehen. 1000 Meter hätte Lipowitz das Tempo hochhalten sollen, doch der Schwabe bedeutete seinem Kollegen, nach 180 Kilometern durch die Pyrenäen über den Tourmalet sei er platt gewesen.
So hob Evenepoel allein den Po, hatte im Sprint aber keine Chance, wurde Vierter und verpasste dadurch vier Sekunden Zeitgutschrift. Der Doppel-Olympiasieger sagte: „Ich habe mich geärgert, und das zu Recht. Das werden wir ordentlich besprechen.“ Lipowitz hingegen erklärte: „Wir haben im Bus miteinander geredet. Ich glaube, es ist alles geklärt.“
Teamchef Denk beschwichtigt
Teamchef Ralph Denk (52) versuchte, die Wogen zu glätten: „Da ist jetzt nichts Großes. Es gab wohl eine Sprachbarriere und dadurch eine Uneinigkeit. Das passiert im Eifer des Gefechts nach über 180 Kilometern bei einer Bergetappe.“ Dennoch bleibt die Frage, ob der Disput wirklich so locker genommen werden kann. Am Sonntag geht es in Richtung Zentralmassiv, es wird wieder bergiger. Montag ist Ruhetag – vielleicht die Chance, sich auf den Hintern zu setzen und länger miteinander zu sprechen.
Evenepoel muss klargemacht werden, Probleme, die das erste Mal auftreten, vielleicht lieber intern anzusprechen. Kleinlaut meinte er am Morgen nach seinem Ausraster: „Es ist alles gesagt. Vergangenheit ist Vergangenheit. Wir müssen jetzt nach vorne schauen.“
Experten zweifeln an Burgfrieden
Die Frage wird sein, wie lange der Burgfrieden hält. Experten in- und außerhalb des Teams wissen: Das Profil in den Alpen in der dritten Woche liegt Lipowitz mehr als Evenepoel. Will Red Bull am Ende nicht vollends auf dem Allerwertesten landen, müssen sie zusammenarbeiten, wird der Zeitfahr-Weltmeister als Helfer für Lipowitz gebraucht.
Das Echo auf den Streit war gewaltig. Es wird seit Donnerstag fast mehr auf dieses Duo geschaut als auf die Spitze des Rennens. Da zieht einer wie erwartet seine Kreise, der ob seiner unbändigen Stärke selten den Po heben und aus dem Sattel muss: Tadej Pogacar. Er will seinen fünften Tour-Sieg und mit den Legenden Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain gleichziehen.



