Hainer über Infantino: „Sehr viel Druck“ für FIFA-Chef
Hainer über Infantino: „Sehr viel Druck“ für FIFA-Chef

München – Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern München, hat in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen über den Zustand des internationalen Fußballs gesprochen. Dabei äußerte er sich auch zu FIFA-Präsident Gianni Infantino. „Sehr viel Druck da“, sagte der 70-Jährige über den Schweizer, der seit 2016 an der Spitze des Weltverbands steht. Die Aussage Hainers ist bemerkenswert: Sie zeigt, dass einer der einflussreichsten deutschen Fußball-Funktionäre für den umstrittenen Weltverbands-Chef Verständnis aufbringt, gleichzeitig aber auch die gewaltigen Herausforderungen anerkennt.

Der frühere Adidas-Vorstandsvorsitzende Hainer kennt den Spitzensport aus eigener Erfahrung. Seit November 2019 ist er Präsident des deutschen Rekordmeisters. In dieser Rolle hat er die Geschicke des Klubs in einer Zeit großer Umbrüche begleitet: nach dem pandemiebedingten wirtschaftlichen Einbruch, in der Phase der sportlichen Neuausrichtung und zunehmend auch in internationalen Gremien. Hainer ist ein gefragter Gesprächspartner, wenn es um die Zukunft des Fußballs geht – national wie international.

„Sehr viel Druck“: Die Lage des Fußball-Zirkus

Die aktuelle Lage von Gianni Infantino sei von massiven Belastungen geprägt, so Hainer weiter. Es sei eine ungeheure Herausforderung, den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht zu werden. Der FIFA-Präsident müsse ständig Balance halten zwischen den großen europäischen Klubs, den kleineren Ligen, den Nationalverbänden aus aller Welt und nicht zuletzt den Spielern. Dass dabei nicht alle zufrieden sein können, liege in der Natur der Sache. Man dürfe dem Verantwortungsträger aber nicht jede Entscheidung persönlich anlasten.

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Damit spricht Hainer ein Thema an, das den Weltfußball derzeit durchzieht. Die Kritik an Infantino hat zahlreiche Gesichter: Da sind die anhaltenden Vorbehalte gegen die Vergabe der Weltmeisterschaften an Katar (2022) und Saudi-Arabien (2034). Da sind die juristischen Auseinandersetzungen in der Schweiz, bei denen es unter anderem um mutmaßliche Absprachen mit dem ehemaligen Bundesanwalt Michael Lauber geht. Und da ist die Reform des internationalen Spielkalenders, die vor allem bei den europäischen Profiklubs auf Widerstand stößt.

Die Klub-WM 2025: Ein Prestigeprojekt mit Risiken

Ein zentrales Element der FIFA-Politik unter Infantino ist die neue Klub-Weltmeisterschaft, die im Juni 2025 mit 32 Teams in den USA ausgetragen wird. Das Turnier ist das erste in der Geschichte des Wettbewerbs mit einer so großen Teilnehmerzahl. Es soll das wichtigste Klubturnier der Welt werden – mindestens auf Augenhöhe mit der Champions League der UEFA. Doch die Umsetzung ist kompliziert: Die Terminierung im Sommer sorgt für Konflikte mit den nationalen Ligen, die Belastung für Spieler und Klubs ist enorm.

Der FC Bayern München hat sich als Teilnehmer qualifiziert. Hainer wird also aus erster Hand erfahren, wie sich das neue Format anfühlt. In dem Interview bezeichnete er die Klub-WM als wichtigen Schritt, warnte aber zugleich vor zu hoher Belastung. Die Klubs müssten ein Mitspracherecht haben, sonst werde das Ganze nicht funktionieren. Beobachter werten dies als verklausulierte Kritik an Infantinos Kommunikationsstil, der häufig als autoritär beschrieben wird.

Hainer zwischen Fürsprache und Mahnung

In der deutschen Fußballöffentlichkeit ist die Haltung Hainers zweigeteilt. Die einen loben seine diplomatische Art. Andere hätten sich eine klarere Distanzierung von Infantino gewünscht, gerade im Hinblick auf die umstrittene WM-Vergabe nach Saudi-Arabien. Hainer kontert, man müsse die Realität anerkennen. Die FIFA sei in vielen Teilen der Welt ein Sicherheitsnetz für den Fußball. Ohne einen starken Verband würden viele Entwicklungsprogramme nicht existieren.

Hainer selbst ist in der Fußball-Basis groß geworden: Er stammt aus dem schwäbischen Donauwörth, einer Stadt zwischen Augsburg und Nördlingen. Die Verbindung zur Augsburger Allgemeinen ist bis heute eng – nun gab er dem Blatt ein ausführliches Interview, in dem er offen über Macht, Geld und Druck im Fußball sprach. Sein Fazit: Ohne professionelles Krisenmanagement laufe da gar nichts. Diesen Satz könnte man auch direkt auf die Situation von Gianni Infantino beziehen.

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Hainer weiter: Der Weltverband stehe vor riesigen Aufgaben, und der Präsident stehe dabei zwangsläufig im Zentrum. Infantino habe in den vergangenen Jahren vieles angestoßen, etwa die Ausweitung der WM auf 48 Mannschaften oder die Reformen im Klubsport. Dafür ernte er oft Kritik, manchmal auch ungerechtfertigt. Hainer wünscht sich eine sachlichere Debatte und weniger persönliche Angriffe.

Die Folgen für die Bundesliga

Die Aussagen des Bayern-Präsidenten dürften die Diskussion in der Bundesliga beeinflussen. Die Klubs der deutschen Elite-Liga haben in der jüngeren Vergangenheit häufig auf Distanz zur FIFA gegangen. Die Interessen der Nationalverbände und der Klubs klaffen oft auseinander. Hainer hingegen versucht, Brücken zu bauen. Als langjähriger Netzwerker – der FC Bayern ist traditionell in der European Club Association (ECA) profund verankert – könnte er in den kommenden Monaten eine Vermittlerrolle einnehmen.

Ob er damit Erfolg haben wird, ist offen. Die Fronten sind verhärtet: Auf der einen Seite stehen die Reformwilligen wie Infantino, auf der anderen Seite traditionsbewusste Funktionäre und Klubvertreter. Hainer mahnt, dass der Fußball am Ende nur gemeinsam funktioniere. Wer in diesem Spiel zu viel Druck aufbaue, riskiere am Ende, dass der Ball platzt. Mit seiner Aussage „Sehr viel Druck da“ hat er zumindest eine Debatte angestoßen, die jetzt in der Fußballöffentlichkeit geführt wird.

Zusammenfassend zeigt sich: Hainer sieht Infantino nicht als Alleinunterhalter, sondern als Getriebenen der Umstände. Diese relativierende Sicht könnte dem FIFA-Präsidenten in Deutschland zu etwas mehr Verständnis verhelfen – oder weiteren Widerspruch provozieren. Die kommenden Monate mit der Klub-WM und den anstehenden WM-Qualifikationen werden zeigen, welche Haltung sich durchsetzt.