Hainer: FIFA-Investorenpläne waren grober Verstoß gegen Corporate Governance
Hainer: FIFA-Pläne grober Verstoß gegen Corporate Governance

Die gescheiterten Investorenpläne der FIFA haben ein politisches Nachspiel. Bayern Münchens Vereinspräsident Herbert Hainer hat den Weltverband und dessen Präsidenten Gianni Infantino scharf angegriffen. Bei einem Termin der Asien-Tour in Südkorea sagte der 72-Jährige, der Druck auf die FIFA-Führung sei groß. Eine Prognose über Infantinos Zukunft wollte Hainer nicht abgeben: „Das kann ich jetzt nicht sagen. Das entscheiden die Mitgliedsländer. Fakt ist, dass sehr viel Druck da ist, um das Ganze aufzuklären, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass ein Vorschlag da ist, ohne dass die ganzen Konföderationen einbezogen sind.“

FIFA wollte Milliarden mit WM-Rechten einnehmen

Hintergrund ist ein Projekt, das der Fußball-Weltverband in den vergangenen Wochen intern vorangetrieben hatte. Geplant war, einen Teil der kommerziellen Rechte der FIFA – etwa an der Weltmeisterschaft – an einen externen Investor zu veräußern. Auf diese Weise sollte eine Milliardensumme in die Kassen des Verbands gespült werden. Nach massivem Widerstand aus den Reihen der Nationalverbände, aber auch von europäischen Top-Klubs, hatte Infantino die Pläne schließlich zurückgezogen.

Hainer gehört zu den profiliertesten Kritikern des Vorhabens. Für den früheren Manager ist der Vorgang ein Beispiel für missratene Führung. „Es steht mir nicht zu, über einzelne Personen zu urteilen. In so einer Situation sind die Urteile meist auch durch das momentane Ereignis beeinflusst“, erklärte er in Südkorea. Dennoch ließ er keinen Zweifel an seiner Einschätzung: Der geplatzte Deal sei ein „grober Verstoß gegen Corporate Governance“, also gegen verantwortungsvolle Unternehmensführung, gewesen.

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Kommerzialisierung ja, aber mit Grenzen

Der Vereinspräsident des deutschen Rekordmeisters betonte gleichzeitig, dass er wirtschaftliche Aktivitäten im Fußball nicht grundsätzlich ablehne. „Die Kommerzialisierung gehört zum Sport dazu, muss aber auch bestimmte Grenzen haben“, sagte Hainer. Diese Grenzen seien bei den FIFA-Plänen überschritten worden, weil offenbar ein externer Finanzinvestor direkten Einfluss auf die Vermarktung der wichtigsten Fußballturniere erhalten sollte.

Bereits am Vortag hatte sich Hainer deutlich radikaler geäußert. „Es ist ein Glück, dass dieser Spuk so schnell vorbeigegangen ist, wie er gekommen ist, und dass diese aberwitzige Idee vom Tisch ist“, sagte er kurz vor dem Abflug nach Südkorea. Diese Worte wurden als direkte Abrechnung mit der FIFA-Spitze gewertet. Dass Hainer nun diplomatischer auftritt, könnte damit zusammenhängen, dass eine offene Rücktrittsforderung an Infantino innerhalb des Fußballverbands wenig Zustimmung fände – zumal die endgültige Entscheidung über den FIFA-Präsidenten ohnehin beim nächsten Kongress der Mitgliedsverbände liegt.

Kritik an mangelnder Einbindung der Konföderationen

Im Zentrum der Kritik steht nicht nur die Idee an sich, sondern auch das Verfahren. Nach Hainers Worten war der Vorschlag ausgearbeitet worden, ohne dass die gesamten Konföderationen einbezogen waren. Dieser Vorwurf wiegt schwer: Die sechs Kontinentalverbände haben im FIFA-Regelwerk eine zentrale Rolle. Wenn sie bei strategischen Entscheidungen übergangen werden, sehen viele Beobachter die Statuten des Verbands verletzt. Hainer selbst spricht von einem Governance-Problem, das dringend aufgearbeitet werden müsse.

Der FC Bayern beobachtet die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Der Klub gilt als einer der einflussreichsten in Europa und pflegt traditionell enge Kontakte zu Führungspersonen des Weltfußballs. Dass Hainer nun erstmals so deutlich gegen Infantino Stellung bezieht, könnte auch in der Münchner Führungsebene für Diskussionen sorgen. Offiziell hieß es am Rande der Asien-Tour, man wolle die weitere Entwicklung abwarten und sich nicht in Personaldebatten einmischen.

Die durch den geplatzten Deal entstandenen Spannungen dürften die FIFA noch länger beschäftigen. Infantino selbst hatte die Entscheidung zum Rückzug mit „massivem Widerstand“ begründet, ohne konkrete Namen zu nennen. Ob die Affäre für ihn persönlich Konsequenzen hat, ist unklar. Hainer will sich dazu nicht äußern. Er wiederholte lediglich, dass die Mitgliedsländer das entscheiden müssten und dass der Druck derzeit sehr groß sei.

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Derweil geht die Asien-Tour des FC Bayern weiter. Neben sportlichen Testspielen stehen in Südkorea auch Marketingtermine auf dem Programm. Herbert Hainer wird dabei immer wieder mit Fragen zu FIFA und Corporate Governance konfrontiert werden – auch wenn er selbst lieber über Fußball sprechen würde.