Nach Investoren-Desaster: Spaniens Liga-Boss fordert Infantino-Rücktritt
Investorendeal gescheitert: Rücktrittsforderung an Infantino

Die Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino nimmt weiter zu: Nach dem gescheiterten Investoren-Deal fordert Spaniens Liga-Chef Javier Tebas in ungewöhnlich deutlichen Worten den Rücktritt des Weltverbands-Chefs. „Infantino darf nicht weitermachen. Der Weltfußball braucht eine neue Führung“, schrieb Tebas in den sozialen Medien. Der 61-Jährige, der als Präsident der spanischen Profiliga La Liga seit Jahren gegen die Machtkonzentration im internationalen Fußball kämpft, verlangte zugleich eine gründliche Prüfung aller Konsequenzen: „Dabei müssen die sportlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen im Vorfeld sorgfältig geprüft werden, anstatt Entscheidungen einseitig durchzusetzen.“

Tebas: „Infantino darf nicht weitermachen“

Die Rücktrittsforderung von Tebas ist die bislang prominenteste Stimme aus dem Profifußball. Sie kommt nur wenige Tage, nachdem die FIFA ihre umstrittenen Pläne zum Verkauf von kommerziellen Rechten an der Weltmeisterschaft überraschend zurückgezogen hat. Der ursprünglich geplante Deal hätte dem Weltverband eine Milliardensumme einbringen sollen. Dafür wollte die FIFA eigens das Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) gründen. Nach massivem Widerstand mehrerer Kontinentalverbände gab der Weltverband das Vorhaben in der Nacht zum Samstag auf.

Doch damit ist die Debatte keineswegs beendet. Im Gegenteil: Tebas‘ Forderung schließt sich an eine Reihe von scharfen Stellungnahmen an, die bereits in den Tagen zuvor veröffentlicht wurden. Besonders bemerkenswert ist die Haltung der Concacaf, des Fußballverbands für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik. In einer Stellungnahme der 41 Mitgliedsverbände heißt es, der geplante Investoren-Deal sei ein „Symptom für eine Führung, die aufgehört hat, den Fußball an erste Stelle zu setzen“.

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Concacaf und UEFA verlangen Aufarbeitung

Die Concacaf begrüßte zwar die Rücknahme des Projekts, betonte aber gleichzeitig, dass das Thema damit keineswegs abgeschlossen sei. Die 41 Mitglieder sehen in dem Vorgang eine „einseitige und ungeheuerliche Handlung, die von schlechter Regierungsführung und Führungsschwäche zeugt“. Diese reihe sich ein in eine „Reihe von Fehltritten und ähnlichem Verhalten“. Deshalb sei eine „umfassende Aufarbeitung dieser Präsidentschaft unerlässlich“.

Auch die Europäische Fußball-Union UEFA hatte bereits zuvor mit harschen Worten eine Überprüfung der FIFA-Führung gefordert. „Diese Überprüfung muss gründlich und umfassend sein. Keine Option darf von vornherein ausgeschlossen werden“, hieß es in einer Mitteilung aus Nyon. Die UEFA verlangte zudem, „die Verantwortlichen ausfindig zu machen und sie zur Rechenschaft zu ziehen“. Damit unterstützt die UEFA indirekt die Rücktrittsforderung, auch wenn sie Infantino nicht namentlich nennt.

Die Concacaf lobte in ihrer Stellungnahme ausdrücklich das entschlossene Vorgehen der Mitgliedsverbände gegen die FIFA-Pläne. „Die in dieser Woche von unseren Mitgliedsverbänden gezeigte Einheit hat bestätigt: Wenn Mut, Integrität und solide Führung im Vordergrund stehen, bleibt der Sport dort, wo er hingehört – in den Händen des Fußballs – und nicht in den Händen einer einzelnen Person“, hieß es mit Blick auf Infantino. Weiter erklärte die Concacaf: „Wir alle sind lediglich Verwalter, die einem Spiel dienen, das uns allen gehört.“

Afrika stellt sich hinter Infantino

Während die Kritik aus Europa und Nordamerika laut wird, erhält Infantino weiterhin Rückendeckung aus Afrika. Insbesondere der Ägyptische Fußballverband bekräftigte nach Angaben der FIFA „sein volles Vertrauen“ in die Führung von Infantino. Auch Marokko, das im kommenden Jahr den 77. FIFA-Kongress ausrichten wird, „erneuerte seine Unterstützung“ für den FIFA-Präsidenten. Der Kongress ist für März 2027 in Rabat geplant – und genau dort will sich Infantino zur Wiederwahl stellen.

Die Unterstützung aus Afrika zeigt, dass die Fronten im Weltverband nicht einheitlich sind. Während die mächtigen Verbände aus Europa und Nordamerika eine Ablösung Infantinos nicht mehr ausschließen, setzen einige afrikanische Verbände weiterhin auf Kontinuität. Das dürfte die Diskussion um die Zukunft des FIFA-Präsidenten in den kommenden Monaten weiter anheizen.

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FIFA-Investorenpläne gescheitert

Hintergrund der aktuellen Turbulenzen ist ein milliardenschweres Vorhaben, das Infantino gemeinsam mit Investoren vorantreiben wollte. Die FIFA plante, einen Teil ihrer kommerziellen Rechte – etwa an der Weltmeisterschaft – an externe Investoren zu verkaufen. Dafür sollte die Tochterfirma FIFA Forward Enterprise gegründet werden, über die die Vermarktung laufen sollte. Die Einnahmen wurden auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt.

Gegen diese Pläne hatten sich neben der UEFA und der Concacaf auch weitere Kontinentalverbände und zahlreiche nationale Verbände ausgesprochen. Kritiker bemängelten, dass die Entscheidung ohne ausreichende Beteiligung der Mitglieder getroffen worden sei und die Kontrolle über die wichtigsten Wettbewerbe des Weltfußballs in private Hände geraten könnte. Nach tagelangem Druck gab die FIFA das Projekt schließlich auf – eine schwere Niederlage für Infantino, der das Vorhaben persönlich vorangetrieben hatte.

Ob die Rücktrittsforderungen tatsächlich Konsequenzen haben, wird sich spätestens im März beim FIFA-Kongress in Rabat zeigen. Dort wird Infantino sich zur Wiederwahl stellen. Sollten die Verbände geschlossen hinter ihm stehen, könnte er trotz der Kritik weitermachen. Doch die Zuspitzung durch Tebas, UEFA und Concacaf macht deutlich: Der Druck auf den Schweizer Funktionär ist so groß wie nie zuvor.