Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Weichen für die Zukunft gestellt: Jürgen Klopp ist neuer Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Der 59-Jährige wurde am Freitag auf einer Pressekonferenz in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main als Nachfolger von Julian Nagelsmann vorgestellt, der nach dem erneuten WM-Debakel zurückgetreten war. Klopps Vertrag beginnt am 15. August und läuft bis zur Weltmeisterschaft 2030.
Einigkeit im DFB: Klopp als „perfekte Lösung“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf zeigte sich überzeugt von der Personalie: „Wir waren überzeugt, Jürgen Klopp ist die perfekte Lösung, deswegen haben wir uns um ihn bemüht. Die persönlichen Gespräche, die wir mit Jürgen geführt haben, haben uns nur bestärkt.“ Neuendorf lobte Klopp als großen Motivator, der Spieler besser mache. DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke bestätigte, dass die Verhandlungen seit dem WM-Aus 26 Tage gedauert hätten: „Ich bin sehr, sehr froh, dass Jürgen da ist.“
Klopp selbst zeigte sich „erfreut“ über die neue Aufgabe: „Es ist eine große Ehre, hier heute zu sitzen.“ In einem zehnminütigen Einstiegsmonolog schilderte er, wie in den vergangenen Tagen ein „Film“ bei ihm abgelaufen sei. „Ich hatte eine Ahnung, wie groß das Amt des Bundestrainers ist, aber wenn man damit in Verbindung gebracht wird, fühlt man die Größe noch mehr.“ Für ihn sei es „unvorstellbar“ gewesen, dass er diesen Posten je übernehmen würde.
Ziel: Mannschaft, die begeistert
Klopp formulierte ein klares Ziel: „Eine Mannschaft zu entwickeln, die füreinander kämpft, die Freude am Fußball hat und hinter der sich die Menschen in unserem Land mit voller Überzeugung versammeln können.“ Er betonte: „Die Nationalmannschaft kann uns Deutsche verbinden wie kaum etwas anderes. Genau das macht diese Aufgabe für mich so besonders.“ Er wünsche sich, dass wieder alle gern die Länderspiele gucken. Mit Verweis auf seine Stationen in Mainz, Dortmund und Liverpool hob er hervor, wie Fußball Menschen zusammenbringe.
Den Spielern machte er direkt Feuer: Jeder, der spielberechtigt für Deutschland sei, solle sich anstrengen – er werde gucken und möglicherweise neue Kandidaten einladen. Auf die Kontroverse um Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger angesprochen, sagte er lapidar: „Wir werden mit einem Rechtsverteidiger spielen.“
Trainerteam und Mertesacker als Geschäftsführer
Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG stimmten einstimmig für Klopps Engagement, wie Neuendorf berichtete. Auch seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender wurden als künftige Co-Trainer genehmigt. Hinzu kommt Klopps langjähriger Berater Marc Kosicke.
Kurz darauf bewilligten die Funktionäre auch die Ernennung von Per Mertesacker zum DFB-Geschäftsführer als Nachfolger von Andreas Rettig, der zum Jahresende ausscheidet. Mertesacker soll als Brückenbauer im Zusammenspiel mit Nachwuchsdirektor Hannes Wolf fungieren.
Klopps Medienkritik und Red-Bull-Deal
Vor der offiziellen Bekanntgabe mussten noch zahlreiche Dinge geklärt werden, darunter Klopps Rolle als Global Head of Soccer bei Red Bull und Sponsoren-Deals. Neuendorf bedankte sich bei Red Bull für die Freigabe und bestätigte eine Zahlung von einer Million Euro an die Stiftung des Getränkeunternehmens. Zudem wird es in Leipzig bis 2030 drei Länderspiele geben.
Klopp nutzte seine Vorstellung für Medienkritik: Er habe den Job angenommen, obwohl er den Umgang mit seinem Vorgänger Nagelsmann und die Behandlung von Thomas Tuchel in England mitbekommen habe. Sobald genügend Kritiker sagten, man wolle ihn nicht mehr, sei er weg. Das gelte auch, wenn jemand sich gegenüber seiner Familie nicht benehme. „Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch.“ Seinem Vorgänger wünsche er „nur das Beste“. Den Tag, an dem er Nagelsmann während der WM als „Noch“-Bundestrainer bezeichnete, erklärte Klopp zu einem der „schlechteren“ in seinem Leben.
Auftakt mit vier Spielen in elf Tagen
Klopp wird als 13. Bundestrainer der DFB-Geschichte einen Luxus genießen: Bei seiner ersten Länderspielmaßnahme hat er gleich vier Spiele in elf Tagen zur Verfügung – beispiellos in der Verbandshistorie. Möglich macht dies der neu gestaltete Rahmenterminkalender. Los geht es am 24. September in Amsterdam gegen den Erzrivalen Niederlande (20.15 Uhr, RTL). Drei Tage später ist in Augsburg Griechenland der Gegner bei Klopps Heimpremiere (27. September, ARD). Am 1. Oktober empfängt Klopps Team Serbien in München (ZDF), drei Tage später steht das Rückspiel in Griechenland an (4. Oktober, RTL).



