Jürgen Klopp ist neuer Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Sein Vertrag läuft bis einschließlich der WM 2030. Eigentlich sollte der 59-Jährige morgen beim Internationalen Trainer-Kongress in Mainz einen Vortrag halten, doch aufgrund seiner neuen Aufgabe wird dieser Termin verschoben. Vertraglich beginnt Klopps Amtszeit zwar erst am 15. August, doch niemand zweifelt daran: Klopp geht bereits jetzt mit voller Energie an die Arbeit. Denn er hat Großes vor.
Der DFB als Großbaustelle
Nach einem Jahrzehnt voller Turnierenttäuschungen will Klopp den Verband in eine erfolgreiche Zukunft führen. Bei seinen bisherigen Stationen (Mainz, Dortmund, Liverpool) war er nie nur Trainer – er denkt ganzheitlicher. „Meine Hauptaufgabe ist es, der A-Nationalmannschaft zu helfen“, sagte Klopp. „Das funktioniert aber nur, wenn im Unterbau sehr gut gearbeitet wird.“ Weiter betonte er: „Wir sollten besseren Fußball spielen, aber wir müssen auch ganz viele andere Dinge ändern. Dafür muss man Leute haben, die sich gemeinsam mit mir darum kümmern, weil wir jeden Stein umdrehen wollen. Wenn unter dem Stein etwas ist, was gut ist, dann machen wir es wie vorher. Wenn unter dem Stein etwas ist, was angepasst werden muss, dann machen wir das.“
Ein wichtiger Schritt in diesem Umbau ist die Personalie Per Mertesacker. Ab 1. Januar 2027 wird der Weltmeister von 2014 neuer Geschäftsführer des DFB und Nachfolger von Andreas Rettig, dessen Vertrag ausläuft. Mertesacker war acht Jahre lang Akademie-Chef beim FC Arsenal und kennt sich bestens mit Strukturen und der Nachwuchsarbeit an der Basis aus.
Klopps Trainerteam und neue Rollen
Ein weiterer Vertrauter schließt sich dem DFB an: Marc Kosicke, seit rund zwei Jahrzehnten Klopps Berater und enger Vertrauter, übernimmt die neu geschaffene Position des „Co-Trainers für Strategie, Entwicklung und Innovation“. Kosicke wird externer Mitarbeiter des DFB und gibt seine Beratertätigkeit auf. Seine Aufgaben umfassen Organisation und Administratives, Kommunikation und Sponsoren.
Zum Co-Trainer-Team von Klopp gehören zudem Peter Krawietz (54) und Pepijn Lijnders (43) sowie der ehemalige BVB-Star Sven Bender (37). Die Torwarttrainer Andreas Kronenberg (51) und der Standardtrainer Mads Buttgereit (41), die beide noch Vertrag haben, bleiben wie schon unter Vorgänger Julian Nagelsmann an Bord.
Die NEUtionalmannschaft – was ändert sich auf dem Platz?
Voraussichtlich in der zweiten Septemberwoche wird Klopp seinen ersten Kader nominieren. Sein Debüt gibt er im Nations-League-Spiel in Amsterdam gegen die Niederlande am 24. September. Die Mannschaft soll in der Vorbereitung einen Tag früher als zuletzt üblich beim Partner Adidas in Herzogenaurach zusammenkommen. Klopp kündigt bereits Kaderüberraschungen an: „Ich bin mutig.“
Auch taktisch gibt es klare Vorgaben. Klopp setzt auf eine Viererkette in der Abwehr, keine Manndeckung und Spiel über die Flügel. Für ihn sind die Flügelspieler „die Spielmacher der heutigen Zeit“. Die DFB-Stars sollen künftig auf ihren Stammpositionen wie bei ihren Vereinen spielen. Das gilt insbesondere für Joshua Kimmich (31), der dann im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen wird – nicht mehr rechts hinten. Mit ihm als Kapitän will Klopp zeitnah das Gespräch suchen.
Klopp plant, als Bundestrainer viel unterwegs zu sein, um sich persönlich bei Spielen im In- und Ausland ein Bild von den Spielern zu machen. Er hat bereits eine XXL-Kader-Liste erstellt: „Da stehen 57 Feldspieler drauf, die man sich mal angucken kann.“
Klopps klare Forderung: Ein Neustart für alle
„Jeder, der berechtigt ist, für Deutschland zu spielen, sollte sich Mühe geben, weil ich genau hingucken werde“, sagt Klopp. „Die Tür zur Mannschaft ist offen. Heute ist für alle, die Bock darauf haben, ein Neustart.“ Große Worte für eine große Aufgabe – ab September müssen große Taten folgen.



