Audi hat am Montag seine Jahresprognose deutlich nach unten korrigiert. Der Autobauer mit den vier Ringen erwartet für das Gesamtjahr nur noch Erlöse zwischen 58 und 63 Milliarden Euro – fünf Milliarden Euro weniger als noch im April prognostiziert. Auch die operative Rendite dürfte mit fünf bis sieben Prozent um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als bislang angenommen.
Grund für die gesenkte Prognose ist ein schwaches erstes Halbjahr. Mit 29,2 Milliarden Euro erwirtschaftete Audi in den ersten sechs Monaten so wenig Umsatz wie seit der Corona-Krise 2021 nicht mehr. Der Gewinn lag bei 1,1 Milliarden Euro – ein Rückgang um 220 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Die operative Rendite betrug lediglich 3,8 Prozent, weit entfernt von der angepeilten Spanne.
Marktschwäche in China und US-Zölle belasten
Der Gewinneinbruch ist vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen: die anhaltende Marktflaute in China, einem der wichtigsten Absatzmärkte für Audi, und die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle. Diese belasten die Exporte in die USA zusätzlich. Finanzvorstand Jürgen Rittersberger erklärte, die bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen zeigten zwar Wirkung, reichten jedoch nicht aus. "Wir müssen in dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, wettbewerbsfähiger und effizienter werden, an den Kostenstrukturen arbeiten und Entscheidungsprozesse schneller hinbekommen", sagte Rittersberger.
Der Manager betonte, dass es kein Gegeneinander der beiden deutschen Standorte Neckarsulm und Ingolstadt geben werde. "Wir haben Möglichkeiten, an beiden Standorten die Effizienz zu steigern. Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren." In Neckarsulm können derzeit jährlich 225.000 Fahrzeuge produziert werden – rund 75.000 weniger als noch vor wenigen Jahren. Am Standort laufen ausschließlich Verbrennerfahrzeuge vom Band. Bereits beschlossen ist die Streichung der Nachtschicht. "Wir sind kontinuierlich dabei, die Kapazitäten auf die Marktlage anzupassen", so Rittersberger.
Überkapazitäten in Europa – VW-Konzernchef warnt
VW-Konzernchef Oliver Blume hatte kürzlich in einem internen Interview auf die Überkapazitäten in Europa hingewiesen. Demnach müssten rund 500.000 Fahrzeuge abgebaut werden. Eine Werksbelegung für die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm könne für die 2030er Jahre bislang nicht bestätigt werden. Die Audi-Tochter des Volkswagen-Konzerns steht damit vor großen Herausforderungen, die nicht nur die Rendite, sondern auch die Beschäftigung an den Standorten betreffen.
Audi muss sich nun in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Die Sparmaßnahmen sollen weiter intensiviert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Analysten sehen die Entwicklung mit Sorge, da Audi traditionell eine wichtige Rolle im VW-Konzern spielt. Ob die gesenkte Prognose erreicht werden kann, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung in China und den US-Handelsbeziehungen ab.



