Kretzschmar: Funkstille mit Hanning hält an – kein Vereinsjob in Sicht
Kretzschmar: Funkstille mit Hanning hält an

Fast ein Jahr nach dem überraschenden Aus bei den Füchsen Berlin ist das Verhältnis zwischen dem ehemaligen Sportvorstand Stefan Kretzschmar und Vereinsboss Bob Hanning weiterhin zerrüttet. Auf die Frage nach einem möglichen Kontakt antwortete der 53-Jährige im Interview mit dem „Tagesspiegel“: „Das ist so, wie es ist. Das ist Teil des Berufslebens. Das ist zu akzeptieren, und das ist auch in Ordnung.“ Damit bestätigte er die anhaltende Funkstille zwischen den beiden prägenden Figuren des Hauptstadt-Klubs.

Hintergrund: Das Personalbeben bei den Füchsen

Die Trennung hatte zu Beginn der vergangenen Saison für großes Aufsehen gesorgt. Nur wenige Monate zuvor hatten die Füchse Berlin mit dem Gewinn der ersten Handball-Meisterschaft der Vereinsgeschichte den größten Erfolg ihrer Historie gefeiert. Dennoch entschied sich die Vereinsführung, sowohl Trainer Jaron Siewert als auch Sportvorstand Kretzschmar zu entlassen. Seitdem führt Nicolej Krickau das Team als Trainer und Sportchef in Personalunion.

Kretzschmar, der zuvor lange Jahre das sportliche Geschick der Füchse mitgeprägt hatte, zeigte sich im Interview versöhnlich, aber distanziert. Er betonte, dass er die Entscheidung akzeptiere, auch wenn sie für viele überraschend gekommen sei. Die Art und Weise der Trennung habe jedoch Spuren hinterlassen, wie seine Aussagen nahelegen.

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Keine Rückkehr in den Vereinshandball

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, künftig wieder für einen anderen Verein zu arbeiten, antwortete Kretzschmar klar: „Momentan sehe ich kein Szenario, für einen anderen Verein zu arbeiten. Es gibt nichts, das mich momentan – man muss immer vom Ist-Zustand reden – reizen würde nach der Reise mit den Füchsen, mit den Spielern, mit den Personen, mit dem Erfolg.“

Der frühere Nationalspieler, der heute als Handball-Experte beim Streaming-Dienst Dyn tätig ist, begründete seine Haltung mit den prägenden Erlebnissen in Berlin. Die Zeit bei den Füchsen sei eine besondere Reise gewesen, die er nicht einfach mit einem anderen Engagement vergleichen könne. Aktuell sehe er deshalb keinen Anreiz, diese erfolgreiche Phase zu wiederholen oder neu aufzulegen.

Kontakt zu Spielern und Mitarbeitern bleibt bestehen

Obwohl der Draht zu Bob Hanning abgerissen ist, pflegt Kretzschmar weiterhin enge Beziehungen zu einigen Spielern und Mitarbeitern des Vereins. „Die Füchse Berlin sind grundsätzlich ein fantastischer Verein. Die Spieler, die medizinische Abteilung, Geschäftsstelle, Medienabteilung – das sind gute Menschen. Nur weil so eine Entscheidung getroffen wurde, kann ich doch nicht plötzlich alle schlecht finden“, stellte er klar.

Diese Aussage zeigt, dass Kretzschmar trotz der Trennung keine pauschale Abneigung gegen den Klub hegt. Vielmehr unterscheidet er zwischen der sportlichen Führung und den Menschen, die den Verein täglich prägen. Diese differenzierte Sichtweise dürfte auch für die Zukunft des 53-Jährigen von Bedeutung sein, der weiterhin als gefragter Experte im Handballgeschäft tätig ist.

Ausblick: Was bleibt von der Ära Kretzschmar?

Mit dem Weggang von Kretzschmar und Siewert endete eine Ära, die von sportlichem Aufschwung und emotionalen Höhepunkten geprägt war. Der Meistertitel 2023 war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die Kretzschmar maßgeblich mitgestaltet hatte. Dass er nun keinen neuen Verein anstrebt, könnte auch bedeuten, dass er sich künftig stärker auf seine Rolle als TV-Experte konzentriert.

Die Handball-Bundesliga verliert damit eine prägende Persönlichkeit im operativen Geschäft, gewinnt aber weiterhin einen kenntnisreichen Kommentator. Für die Füchse Berlin bleibt die Hoffnung, dass die Wogen mit der Zeit glätten. Ob es zu einer Versöhnung zwischen Kretzschmar und Hanning kommt, bleibt jedoch offen – die aktuelle Funkstille spricht eine andere Sprache.

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