Neustart der Löwen: 1860 München holt 2:2 zum Auftakt
Neustart der Löwen: 1860 München holt 2:2

Der Auftakt ist geschafft, der erste Punkt ist eingetütet. Beim 1. FC Schweinfurt 05 erkämpfte der neue TSV 1860 München zum Regionalliga-Auftakt ein 2:2 (1:1). Eine kleine Sensation? Nicht ganz, aber ein versöhnliches Ergebnis für eine Mannschaft, die erst seit wenigen Tagen existiert.

Vier Trainingseinheiten, zwei Rückschläge, ein Neustart

Wer die Vorgeschichte kennt, weiß, wie fragil dieses Konstrukt noch ist. Ex-Investor Hasan Ismaik hatte im Mai ein Darlehen gekündigt. Dem damaligen Drittligisten fehlten dadurch 2,3 Millionen Euro – die Lizenz wurde entzogen, der Zwangsabstieg folgte. Die alte Fußball-KGaA musste Insolvenz anmelden, eine neue Fußballbetriebsgesellschaft als GmbH wurde aus der Taufe gehoben. Spendenaktionen, ein neuer Hauptsponsor und die Verpflichtung einer frischen Mannschaft ermöglichten überhaupt den Start in der Regionalliga.

Doch der sportliche Alltag holte die Löwen nach nur 90 Sekunden ein. Fast 4000 mitgereiste Fans erlebten, wie Schweinfurts Jason Prodanovic völlig freistehend zum 1:0 einköpfte. Die Freude über den „Befreiungskampf“ gegen Ismaik wich erst einmal Ernüchterung.

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Individuelle Klasse, fehlende Abstimmung

Trainer Alper Kayabunar (40) hatte seine Startelf erst viermal trainieren sehen. Kapitän Dennis Dressel wechselte erst am Montag nach München, Torhüter Vitus Eicher (35) kehrte vor zwei Wochen aus der Rente zurück – sein letztes Pflichtspiel lag zwei Jahre zurück. Dass es in den ersten 20 Minuten an Biss und Ordnung fehlte, war nur logisch.

Dennoch bewies 1860 die richtige Reaktion. Julian Bell flankte, Michael Eberwein zog ab – 1:1 (34.). Eberwein, frisch von Borussia Dortmund II gekommen, war in der Vorsaison in 33 Drittliga-Partien an acht Toren und vier Vorlagen beteiligt. Sein Treffer hat Bedeutung: Es handelt sich um das erste Tor des neuen TSV im ersten Liga-Pflichtspiel.

Prominenter Neuzugang und ein versöhnlicher Joker

BR-Experte und Ex-Löwe Benny Lauth (44) urteilt: „Die Ergebnisse müssen stimmen, um die Rückkehr nach oben gestalten zu können. Aufbruch geht nur, wenn es sportlich läuft.“ Diese Worte waren nach dem Spiel ohnehin Programm. In den Kader blickt derweil ein berühmter Name: Mathew Collins, Sohn von Pop-Legende Phil Collins, hat für ein Jahr unterschrieben. Beim Auftakt stand er allerdings noch nicht im Spieltagskader.

Als sich alle auf ein 1:2 eingestellt hatten, kam es anders: Schiedsrichter gab nach einem vermeintlichen Foul von Emre Erdogan einen Foulelfmeter. Michael Dellinger trat an, Keeper Eicher parierte den Strafstoß, doch der Schweinfurter verwertete den Abpraller (65.). Die Löwen steckten zurück.

Kampfgeist oder Abstimmungsprobleme? Beides

Joker Arian Calderon wurde eingewechselt und köpfte nur 60 Sekunden später den umjubelten Ausgleich. Der 18-Jährige belohnte die Moral der Mannschaft. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit bleibt aber viel Arbeit: Die Abstimmung im Spielaufbau und das defensive Verschieben sind noch verbesserungswürdig. Kayabunar wird die Erkenntnisse aus dem ersten Spiel in die Trainingswoche einarbeiten.

Rekord-Vorverkauf und eine Woche voller Emotionen

Bereits jetzt zeigt sich die enorme Rückendeckung der Fans. Mehr als 7000 Dauerkarten wurden in drei Tagen abgesetzt – viele Anhänger zahlten zum zweiten Mal, nachdem die ursprünglichen Tickets für die 3. Liga (8000) durch den Insolvenzfall wertlos wurden. Rund vier Millionen Euro dieser Verkäufe sind Teil der Insolvenzmasse. Für die Löwen-Fans gilt dennoch: Echte Liebe kennt keine Liga.

Die Heimpremiere steigt am Freitag (19 Uhr, live im BR-24-Stream) im Grünwalder Stadion. Gegner ist dann ein weiterer Prüfstein auf dem langen Weg zurück. Der erste Punkt ist aber bereits eingefahren – und das ist mehr, als viele vor dem Anpfiff erwartet haben.

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