Andrea Pirlo (47) steht kurz davor, als neuer italienischer Nationaltrainer vorgestellt zu werden. Doch der Werbevertrag des Ex-Weltmeisters mit dem russischen Wettanbieter Fonbet sorgt für erheblichen politischen Widerstand. Mehrere italienische Medien berichten, dass Verbandspräsident Giovanni Malago (67) die Geschäftsbeziehung nun überprüfen lässt. Der Ausgang der Prüfung könnte die Ernennung Pirlos vollständig kippen.
Werbepartnerschaft mit Fonbet sorgt für Empörung
Zentraler Kritikpunkt ist Pirlos Tätigkeit als globaler Markenbotschafter für Fonbet. Der Wettanbieter hat enge Verbindungen zum russischen Staat. Erst vor zwei Monaten reiste Pirlo nach Moskau, wo er bei einer Autogrammstunde für das Unternehmen auftrat. Diese Reise wurde in italienischen Medien als Unterstützung des russischen Regimes interpretiert, das wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine international isoliert ist.
Schwere Vorwürfe aus der Politik
Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Pina Picierno (45), übt scharfe Kritik: „Pirlo hat freiwillig und wiederholt sein Ansehen für eine Normalisierung des Putin-Regimes eingesetzt. Indem er an Initiativen teilnahm, die von der Kreml-Propaganda ausgenutzt wurden, während die Ukraine bombardiert wurde.“ Ähnlich argumentiert Senator Carlo Calenda (53): „Wer nach 2022 Propaganda für Russland betreibt oder betrieben hat, sollte keine nationalen Ämter bekleiden.“ Die Politiker fordern den Verband auf, von einer Berufung Pirlos abzusehen.
Vertragliche Situation und bisherige Medienberichte
Offiziell bestätigt ist Pirlo noch nicht als Nachfolger von Luciano Spalletti, der nach dem enttäuschenden EM-Aus zurückgetreten war. Die Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ sowie andere Medien berichteten jedoch von einer Einigung über einen Vierjahresvertrag bis 2030. Das Ziel: die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2030, die in Marokko, Spanien und Portugal stattfinden soll. Pirlo war beim WM-Titel 2006 in Deutschland einer der herausragenden Spieler und genießt in Italien hohes Ansehen. Doch seine aktuellen Geschäftsbeziehungen überschatten die Personalie.
Verbandspräsident Malago leitet Prüfung ein
Um den Druck aus der Politik zu mildern, leitete Verbandspräsident Giovanni Malago eine Überprüfung der Werbepartnerschaft ein. Sollte der Deal gegen die Integritätsrichtlinien des italienischen Fußballverbands verstoßen, könnte Pirlo von der Trainerposition ausgeschlossen werden. Malago steht unter Zeitdruck: Die Nationalmannschaft muss sich für die kommenden Länderspiele vorbereiten, und die Trainersuche soll zügig abgeschlossen werden.
Ausblick: Kommt noch ein anderer Kandidat?
Sollte die Prüfung negativ ausfallen, müsste der Verband alternative Kandidaten in Betracht ziehen. Namen wie Antonio Conte oder Roberto Mancini werden bereits in den Medien gehandelt, obwohl beide derzeit anderweitig beschäftigt sind. Die politische Debatte in Italien zeigt jedoch, dass die Frage der Russland-Kontakte für öffentliche Ämter zunehmend relevanter wird. Die Entscheidung über Pirlos Zukunft wird in den nächsten Tagen erwartet.



