Für Antonio Tikvic, Innenverteidiger von Preußen Münster, könnte die erste Rote Karte seiner Karriere weitreichende Folgen haben. Der 22-Jährige kassierte im Testspiel gegen Hannover 96 nach einer Provokation des 96-Stürmers Franz Roggow die Ampelkarte und muss nun mit einer Sperre rechnen. Das DFB-Sportgericht wird voraussichtlich am Montag sein Urteil fällen.
Rote Karte nach Provokation
Beim 0:2 im zweiten Testspiel gegen Hannover 96 (das erste endete 0:1) war für Tikvic bereits nach 44 Minuten Schluss. Nach einem Schlag ins Gesicht durch Roggow, den Schiedsrichter Leonida Exuzidis nicht sah, revanchierte sich Tikvic mit einem Hieb in den Magen des Gegenspielers. Diese Aktion blieb dem Unparteiischen nicht verborgen – Rot. „Obwohl die Aktion von Roggow ausging, hätte mir das nicht passieren dürfen. Eine Dummheit, aus der ich lernen muss“, sagte Tikvic anschließend zu BILD.
Folgen für den Spieler
Die Rote Karte könnte Tikvic den Start in die neue Saison kosten. Im Spielbericht steht „Tätlichkeit nach vorheriger Provokation“, was mindestens eine Zwei-Spiele-Sperre nach sich ziehen dürfte. Damit würde der Abwehrspieler nicht nur die Generalprobe gegen den FC Southampton am 1. August verpassen, sondern aller Voraussicht nach auch den Drittliga-Auftakt beim SV Wehen-Wiesbaden am 8. August. Selbst wenn die Preußen an diesem Tag zwei Testspiele gegen die Briten planen, ist Tikvic für die Partie gegen die Hessen gesperrt.
Rückschlag nach Kreuzbandriss
Die Sperre kommt für Tikvic zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der gebürtige Hamburger hatte sich nach einem Kreuzbandriss im rechten Knie am ersten Spieltag der Vorsaison in Karlsruhe fast ein Jahr lang zurückgekämpft. Gegen Hannover zeigte er bis zu seiner Hinausstellung eine solide Leistung. Sein Marktwert wird auf 700.000 Euro geschätzt – dritthöchster im Preußen-Kader.
Sogar Hannovers Sportchef Jonas Boldt bat den Schiedsrichter, das Spiel mit elf gegen elf fortzusetzen, um den Testcharakter zu wahren. Ein Anruf beim Schiri-Obmann Knut Kircher blieb erfolglos – regeltechnisch unmöglich.
Entschuldigung und Teamreaktion
Vor dem Training am Samstagmorgen entschuldigte sich Tikvic vor der versammelten Mannschaft für seine Aktion: „Mir tut's leid echt für das Team, das gegen Hannover meinetwegen so lange in Unterzahl ran musste.“ Die Kollegen verziehen ihm, doch ein Strafgeld in die Mannschaftskasse dürfte folgen. „Was sein muss, muss sein“, so der Kroate mit U21-Nationalmannschafts-Erfahrung.
Kopf frei kriegen
Trainer Thomas Wörle spendierte der Mannschaft zwei freie Tage. Tikvic reiste zu seiner Familie nach Hamburg. „Ablenkung ist wichtig. Die ganze Sache nervt mich schon gewaltig. Fakt ist, dass ich mir selbst am allermeisten damit geschadet habe“, gab er offen zu. Seine nächste Chance kommt bestimmt – dann muss er sie mit heißem Herzen, aber kühlem Kopf nutzen.



