Kapitän Jackson Irvine vom FC St. Pauli steht offenbar unmittelbar vor einem Wechsel nach Japan. Wie das „Hamburger Abendblatt“ unter Berufung auf eigene Informationen berichtet, soll der 33 Jahre alte australische Nationalspieler den Zweitligisten in Richtung Cerezo Osaka verlassen. Der japanische Erstligist aus der Millionenmetropole Osaka bestätigte das Interesse an dem Mittelfeldspieler bislang nicht offiziell, doch die Personalie sorgt bereits für Gesprächsstoff im Hamburger Umfeld.
Sportchef Bornemann hält sich bedeckt
Auf Nachfrage wollte St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann den bevorstehenden Transfer weder bestätigen noch dementieren. Diese Zurückhaltung deutet nach Einschätzung von Beobachtern darauf hin, dass die Verhandlungen zwischen den Clubs noch laufen oder kurz vor dem Abschluss stehen. Irvine, der seit 2021 bei den Kiezkickern unter Vertrag steht, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer zentralen Figur im Spiel der Hamburger entwickelt.
Der zentrale Mittelfeldspieler absolvierte insgesamt 153 Pflichtspiele für den FC St. Pauli und feierte 2024 mit der Mannschaft den Aufstieg in die Bundesliga. Nach nur einer Saison mussten die Hamburger jedoch den direkten Wiederabstieg hinnehmen und spielen seit diesem Sommer wieder in der 2. Bundesliga. Irvine war in der vergangenen Saison mit 31 Einsätzen und fünf Toren einer der Leistungsträger, konnte den Abstieg aber nicht verhindern.
Neue Herausforderung in Japan
In Japan würde Irvine auf einen alten Bekannten treffen: Shinji Kagawa, ehemaliger Profi von Borussia Dortmund und zweimaliger Deutscher Meister (2011, 2012), steht aktuell bei Cerezo Osaka unter Vertrag. Der 35-Jährige kehrte 2023 aus Europa nach Japan zurück und bringt reichlich Erfahrung aus über 200 Bundesliga-Spielen mit. Gemeinsam könnten die beiden Routiniers das Mittelfeld des Erstligisten verstärken und für Stabilität sorgen.
Urlaub in Osaka sorgte für Spekulationen
Bereits in den vergangenen Wochen hatte Irvine auf seinen Social-Media-Kanälen Bilder aus seinem Urlaub in Japan gepostet, unter anderem aus Osaka. Diese Veröffentlichungen hatten Spekulationen über einen möglichen Wechsel angeheizt. Der Verein Cerezo Osaka bestritt am vergangenen Wochenende ein Testspiel gegen Borussia Dortmund (0:1), das im Rahmen der Asien-Tour des BVB stattfand. Dabei dürften auch Gespräche über Irvine geführt worden sein, wenngleich der Club keine offiziellen Angaben machte.
Irvine polarisierte mit politischer Botschaft
Abseits des Platzes sorgte Irvine im vergangenen Jahr für Schlagzeilen, als seine Frau in den sozialen Medien ein Foto von ihm veröffentlichte, das ihn in einem umstrittenen T-Shirt zeigte. Das Bild entstand während der Debatte um das israelische Vorgehen im Gazastreifen und polarisierte unter den Fans des Kiez-Clubs. Der 33-Jährige, der für seine offene Art bekannt ist, verteidigte seine Haltung später in Interviews und betonte, dass er sich für Frieden und Dialog einsetze. Dennoch blieb das Thema ein Gesprächsthema in der Fanszene.
Transfer könnte noch in dieser Woche perfekt werden
Nach Informationen des „Hamburger Abendblatts“ könnte der Wechsel noch in dieser Woche unter Dach und Fach gebracht werden. Die Ablösesumme soll im niedrigen einstelligen Millionenbereich liegen, da Irvines Vertrag bei St. Pauli noch bis 2027 läuft. Der Club aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli würde mit dem Abgang des Kapitäns einen wichtigen Führungsspieler verlieren, jedoch auch finanzielle Mittel für Neuverpflichtungen erhalten. Sportchef Bornemann betonte in der Vergangenheit stets, dass man auf jeden Spieler verzichten könne, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
St. Pauli muss Führung neu organisieren
Für St. Pauli stellt sich nach einem möglichen Abgang die Frage, wer die Nachfolge von Irvine als Kapitän antreten könnte. In der aktuellen Saison führte er die Mannschaft in allen Pflichtspielen als Spielführer aufs Feld. Trainer Alexander Blessin müsste dann umplanen und einen neuen Leader etablieren. Die Verantwortlichen zeigen sich jedoch zuversichtlich, dass die Mannschaft genügend Charakterköpfe besitzt, um diese Lücke zu schließen.
Irvine blickt auf erfolgreiche Zeit in Hamburg zurück
Jackson Irvine kam 2021 vom englischen Klub Hull City zum FC St. Pauli und entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling. Mit seiner kämpferischen Spielweise und seiner Torgefahr aus dem Mittelfeld prägte er die erfolgreiche Ära unter Trainer Fabian Hürzeler, die 2024 im Aufstieg gipfelte. In der Bundesliga kam er in 28 Spielen zum Einsatz und erzielte drei Tore. Sein Vertrag beim Kiez-Club lief ursprünglich bis 2026, wurde jedoch im vergangenen Jahr vorzeitig bis 2027 verlängert.
In Japan erwartet Irvine eine neue sportliche Herausforderung in der J1 League, die in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen hat. Cerezo Osaka belegt aktuell den sechsten Tabellenplatz und strebt die Qualifikation für die AFC Champions League an. Mit der Erfahrung von Irvine und Kagawa könnte das Team diesen Plan umsetzen. Die offizielle Vorstellung des Australiers könnte bereits in den kommenden Tagen erfolgen, sofern die medizinischen Untersuchungen erfolgreich verlaufen.



