Günther Steiner: Hamilton wird 2026 nicht Weltmeister – klare Ansage
Steiner: Hamilton wird nicht Weltmeister 2026

Günther Steiner hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Als ehemaliger Haas-Teamchef, der in der Netflix-Serie „Drive to Survive“ zum Kult-Star wurde, blickt der Südtiroler nun von außen auf die Formel 1 – unter anderem als Experte für RTL und das französische Fernsehen. Im Interview mit BILD spricht er über den WM-Kampf, mögliche Fahrerwechsel und die erste Saison von Audi.

Steiners Zwischenfazit zur Saison 2026

„Die Saison hat sich besser entwickelt, als viele erwartet haben“, sagt Steiner (61). „Zu Beginn gab es viel Kritik wegen des neuen Motorenreglements und der Energierückgewinnung. Die Formel 1 hat aber schnell reagiert und nachgebessert.“ Die anfängliche Kritik von Fahrern wie Max Verstappen hält er für berechtigt. „Absolut. Die Kritik war berechtigt. Aber die Formel 1 ist darin sehr gut, etwas anzupassen, wenn etwas nicht funktioniert. Geld und Know-how sind genug vorhanden. Mich hat eher überrascht, dass man überhaupt so in die Saison gestartet ist. Die Daten aus den Simulatoren lagen schließlich schon seit Monaten vor.“

Größte Überraschung: Kimi Antonelli

Für Steiner ist Kimi Antonelli die größte Überraschung der Saison. „Ganz klar Kimi Antonelli. Dass er schnell ist, wussten wir. Aber dass er George Russell sofort so unter Druck setzt und mehrere Rennen gewinnt, hätte ich nicht erwartet.“ Russell stehe dadurch enorm unter Druck. „Für George geht es um viel mehr als für Kimi. Wenn Antonelli den Titel dieses Jahr nicht holt, ist das kein Drama. Er ist erst 19. George dagegen braucht jetzt den großen Erfolg. Sonst könnte seine Chance auf einen WM-Titel vorbei sein.“ Dennoch geht Steiner davon aus, dass Mercedes an Russell festhalten wird. „George ist ein sehr guter Fahrer. Jedes Spitzenteam braucht einen starken zweiten Mann. Es kann schließlich nur einen Sieger geben.“

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Verstappen-Wechsel zu Mercedes? Steiner rät zum Bleiben

Einen Wechsel von Max Verstappen zu Mercedes hält Steiner für keine gute Lösung. „Red Bull war komplett auf Max zugeschnitten. So etwas lässt sich nicht einfach kopieren. Außerdem kostet Max sehr viel Geld. Für ihn wäre es die beste Entscheidung, bei Red Bull zu bleiben.“ Zwar habe Red Bull viele Schlüsselfiguren verloren, aber „Max ist geblieben. Und zuletzt sah das Team wieder deutlich stärker aus, zum Beispiel in Österreich. Silverstone war dagegen wieder ein Schritt in die falsche Richtung.“

McLaren und Hamilton: wenig Hoffnung auf Titel

Von McLaren höre man erstaunlich wenig, so Steiner. „Das ist normal. Wenn du nicht gewinnst, stehst du weniger im Fokus. Piastri und Norris fahren keine schlechte Saison, aber ihr Auto reicht im Moment meist nur für Platz vier oder fünf. Darüber spricht eben kaum jemand.“ Lewis Hamilton wirke bei Ferrari wieder deutlich glücklicher, doch Steiner traut ihm den Titel nicht zu. „Nein. Mercedes ist zu stark. Aber wenn Lewis das richtige Auto hat, kann er immer noch ganz vorne mitfahren. Für ihn war es wichtig, endlich mit Ferrari gewonnen zu haben. Das kann ihm keiner mehr nehmen. Das wird ihn beflügeln.“ Ferraris zunehmende Fokussierung auf Hamilton könnte die Situation für Charles Leclerc erschweren. „Je mehr Ferrari auf Lewis setzt, desto schwieriger wird die Situation für Charles – obwohl der keineswegs langsamer ist, wie wir in Silverstone gesehen haben.“

Aston Martin enttäuscht, Alpine überrascht

Als größte Enttäuschung nennt Steiner Aston Martin. „Lawrence Stroll hat unglaublich viel investiert. Vielleicht fehlt manchmal etwas Geduld. Irgendwann muss man die Leute auch einfach arbeiten lassen.“ Alpine dagegen überrasche positiv. „Absolut. Flavio Briatore hat klare Entscheidungen getroffen und das Team stabilisiert. Das sieht man jetzt auch in den Ergebnissen.“

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Audis erste Saison: ordentlich, aber mit Fehlern

Steiner bewertet Audis erste Saison als „insgesamt ordentlich“. „Sie machen noch Fehler und haben dadurch Punkte liegen lassen. Aber man sieht, dass das Auto Potenzial hat. Jetzt müssen sie diese Geschwindigkeit nur konsequenter in Ergebnisse umsetzen.“ Zum Neuling Cadillac sagt er: „Ehrlich gesagt, hätte ich mehr erwartet. Sie haben wohl unterschätzt, wie schwierig der Einstieg in die Formel 1 ist. Wenn du zwei Sekunden pro Runde verlierst, holst du das nicht mit ein paar Updates auf. Ich würde den Fokus schon jetzt auf das Auto für die nächste Saison legen.“

Steiner über eigene Zukunft und junge Talente

Auf die Frage, ob er selbst noch einmal ein neues Team aufbauen würde, antwortet Steiner: „Wenn das Projekt stimmt, sofort. Ich möchte gestalten und Entscheidungen treffen können. Wenn ich nur Berichte schreiben und Anweisungen ausführen soll, interessiert mich das nicht.“ Genau daran sei es bei Haas am Ende gescheitert. „Ja. Anfangs hatte ich freie Hand. Später wollte ich das Team weiterentwickeln, aber dafür fehlte die Unterstützung. Irgendwann waren mir einfach die Hände gebunden.“ Als junge Fahrer, die er verpflichten würde, nennt Steiner Oliver Bearman, Gabriel Bortoleto, Isack Hadjar und Arvid Lindblad. „Oliver Bearman gehört ganz oben auf die Liste. Er holt aus seinem Auto regelmäßig mehr heraus, als eigentlich drin ist. Gabriel Bortoleto macht ebenfalls einen starken Eindruck und misst sich mit Nico Hülkenberg auf Augenhöhe. Isack Hadjar gefällt mir auch sehr gut. Und Arvid Lindblad ist definitiv einer, den man für die Zukunft im Blick behalten sollte.“