Tour de France: Showdown auf Alpe d'Huez – zweimaliger Anstieg wird ikonisch
Tour de France: Doppel-Anstieg auf Alpe d'Huez wird ikonisch

Mehr als eine halbe Million Zuschauer werden den Anstieg zur Skistation Alpe d'Huez wieder in ein Tollhaus verwandeln. Der legendäre Alpenort bietet diesmal gleich zweimal die Bühne für ein Spektakel. Nach vier Jahren Pause kehrt die Tour de France zum großen Showdown zurück – und das gleich doppelt.

Doppelter Anstieg: Ein Novum in der Tour-Geschichte

Es sind die 21 berühmtesten Serpentinen der Welt, die direkt ins Radsport-Mekka führen. Wenn die Tour de France nach vier Jahren Pause zum großen Showdown wieder Alpe d'Huez ansteuert, werden mehr als eine halbe Million Fans den Berg in ein Tollhaus verwandeln. Das Spalier der Zuschauermassen wird den Fahrern nur eine schmale Gasse an dem Anstieg bieten. „Dieses Jahr wird es ikonisch sein, weil wir zweimal dort hochfahren“, prophezeit Tour-Champion Tadej Pogacar.

Mythos Alpe d'Huez – der Wallfahrtsort im Radsport bietet die Bühne zum großen Finale der 113. Frankreich-Rundfahrt. Sowohl am Freitag als auch am Samstag endet die Etappe auf der legendären Skistation in 1850 Metern Höhe. Spätestens dann sollten letzte Zweifel am Tour-Champion beseitigt sein.

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Der Mythos: Geschichte und Legenden

Alpe d'Huez im Radsport ist wie Wembley im Fußball oder die Streif im Skisport. Dabei ist der Anstieg mit 13,8 Kilometern Länge und durchschnittlich 8,1 Prozent Steigung gar nicht mal so schwer. „Die Geschichte macht diesen Anstieg ikonisch“, sagt Pogacar.

Fausto Coppi gewann 1952 hier die erste Bergankunft der Tour, danach war 24 Jahren Pause, ehe die Holländer den Berg für sich entdeckten. Achtmal war zwischen 1976 und 1989 ein niederländischer Fahrer als erster oben. Hennie Kuiper, Peter Winnen, Joop Zoetemelk, Steven Rooks und Gert-Jan Theunisse machten Alpe d'Huez zum Berg der Holländer. „Dort zu gewinnen, hat bei uns den gleichen Stellenwert wie der Sieg bei der Weltmeisterschaft“, sagte Kuiper.

Passenderweise war damals auch der Pfarrer der Gemeinde, Jaap Reuten, niederländischer Abstammung. Wenn die Rennfahrer den Berg in Angriff nahmen, ließ er die Glocken läuten. Auch wenn Holland aktuell keinen Siegfahrer für die Kletterpartie zum Gipfel des Oisans-Gebirge hat, wird Oranje an der Strecke zu sehen und zu hören sein. Kurve sieben ist die „Dutch Corner“. Hier wird es nochmal ein paar Dezibel lauter und verrückter.

Historische Momente: Hinault, Lemond und Pantani

1986 fuhren Bernard Hinault und Greg Lemond Hand in Hand über den Zielstrich auf der Avenue du Rif Nel. Der Amerikaner schenkte seinem Teamkollegen Hinault den Sieg, nachdem dieser ihn im Kampf um das Gelbe Trikot unterstützt hatte.

Dramatisch wurde es 1999, als sich ein Hobby-Fotograf dem damaligen Telekom-Profi Giuseppe Guerini in den Weg stellte und zu Fall brachte. Der kleine Italiener rappelte sich aber wieder auf und gewann trotzdem.

Jan Ullrich erlebte 2001 in Alpe d'Huez eine der bittersten Niederlagen gegen Lance Armstrong. Den ganzen Tag hatte sein Team aufs Tempo gedrückt, weil der Texaner scheinbar schwächelte. Alles nur ein Bluff. Als es dann nach Alpe d'Huez hochging, drehte sich Armstrong noch einmal zu seinem deutschen Rivalen um und zog im Stakkato-Tritt davon. „The Look“ wurde weltberühmt, dabei galt sein Blick eigentlich dem Teamkollegen José Luis Rubiera wie Armstrong später aufklärte.

Den offiziellen Rekord hält noch Marco Pantani in 36:50 Minuten aus dem Jahr 1995. Ob der unersättliche Pogacar auch diese Marke übertreffen wird? Gewinnt der Weltmeister, wird er auch in einer der Kurven verewigt. Jede Kurve trägt den Namen eines Etappensiegers, es wird rückwärts gezählt. Manche Schilder tragen zwei Namen, weil es bei der Tour bereits 31 Mal hinaufging.

Stimmen der Fahrer: Vorfreude und Respekt

„Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Atmosphäre ist. Ich war selbst noch nie da“, sagte der deutsche Meister und Tour-Debütant Felix Engelhardt. „Wenn man da nicht unbedingt um den Sieg fährt, kann man es hoffentlich noch ein bisschen mehr genießen.“ Bei seinem deutschen Kollegen Nils Politt kann er sich informieren. „Wir hatten das schon einmal. Das war ganz cool. Alpe d'Huez ist der Berg im Radsport“, sagt der Kölner.

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Am Freitag wird der Skiort ganz klassisch von Le Bourg d'Oisans angesteuert, am Samstag fährt das Peloton dann über den Col de Sarenne nach Alpe d'Huez mit einem Abschnitt ohne Zuschauer. Aber leise wird es in Alpe d'Huez eigentlich nie.