Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz hat die Tour de France nach einem heftigen Sturz während der 16. Etappe aufgegeben. Der Vorjahresdritte kam im Einzelzeitfahren in Thonon-les-Bains zu Fall und prallte bei hoher Geschwindigkeit gegen eine Absperrung. Er hielt sich die rechte Schulter und wurde zu einem Krankenwagen geführt. Die Frankreich-Rundfahrt ist für den 27-Jährigen damit vorbei.
Sturz in aussichtsreicher Position
Lipowitz lag vor der Etappe auf Gesamtrang fünf und befand sich auch im Zeitfahren bei den Zwischenzeiten in einer vielversprechenden Position. Dann stürzte er in einer Rechtskurve und schlug heftig auf dem Asphalt auf. Sein Team Red-Bull bestätigte den Ausstieg. Lipowitz' Podestträume platzten auf schmerzhafte Weise.
Das Zeitfahren gewann sein Teamkollege Remco Evenepoel. Der Zeitfahr-Weltmeister und Doppel-Olympiasieger distanzierte über 26,1 Kilometer den Gesamtführenden Tadej Pogacar um 28 Sekunden. „Das ist ein großes Unglück. Es ist ein bittersüßer Sieg“, sagte Evenepoel im Sieger-Interview über den schweren Sturz von Lipowitz. „Ich wünsche ihm das Allerbeste.“ Für den Belgier war es der vierte Tour-Tagessieg seiner Karriere und der zweite nacheinander.
Gesamtwertung: Pogacar weiter klar vorne
Im Kampf um das Gelbe Trikot liegt Pogacar weiter klar vorne – jetzt 4:32 Minuten vor Evenepoel, der in den Bergen deutlich schwächer ist als der Slowene. Dritter ist der Mexikaner Isaac del Toro mit 6:51 Minuten Rückstand auf den viermaligen Toursieger.
Dopingkontrollen sorgen für Gesprächsstoff
Gesprächsstoff hatte sich zuvor am Thema Dopingkontrollen entzündet. Wie Teamchef Ralph Denk im ZDF berichtete, wurde das Red-Bull-Team am Montagabend zwischen 22.00 und 23.00 Uhr kontrolliert – also noch vor dem Zeitraum, in dem nächtliche Kontrollen nur bei konkretem Verdacht zulässig sind. Denk räumte ein, dass die Maßnahme die Regeneration beeinträchtige, äußerte aber Verständnis für die Kontrollen. Auch der deutsche Red-Bull-Profi Nico Denz zeigte sich gelassen: „So ist es eben. Immerhin war die Kontrolle nicht um zwei Uhr nachts, sondern gegen halb elf“, sagte Denz in der ARD.
Ex-Champion Jonas Vingegaard (Visma-Lease a bike) war in der Nacht zu Sonntag um 2.00 Uhr getestet worden, stürzte am selben Tag und schied aus. Nun ereilte dieses Schicksal auch Lipowitz.
Evenepoels Sieg mit Prototypen
Ohne Vingegaard ging der Tagessieg nur über die Spezialisten Pogacar und Evenepoel, der mit einem Prototypen seines Rad-Herstellers auf den anspruchsvollen Kurs ging. Vor dem Top-Duo legte Lipowitz stark vor und sicherte vermeintlich früh den fünften Gesamtrang vor dem enttäuschenden Spanier Juan Ayuso (Lidl-Trek). Mit den Podest-Rivalen Isaac Del Toro (UAE Emirates-XRG) und Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) fuhr der Deutsche auf Augenhöhe, dann platzten alle Träume.
Im Kampf um den Tagessieg erwischte Evenepoel einen besseren Auftakt. An der Spitze der Cote de Larringes, einem 9,7 km langen Anstieg, lag er 14 Sekunden vor Pogacar. Nach der technischen Abfahrt folgte ein etwa acht Kilometer langes Flachstück ins Ziel – Pogacar kam nicht mehr heran.
Ausblick auf die 17. Etappe
Vor der spektakulären Alpentrilogie, bei der die großen Entscheidungen im Gesamtklassement fallen werden, wartet auf der 17. Etappe am Mittwoch ein etwas entspannterer Tag. Der Kurs führt über 174,7 km nach Voiron und begünstigt einen Ausreißererfolg. Die Sprinter hoffen auf eine letzte Chance.



