Union-Test: Kreislauf-K.o. bei Heldt – Ansah rettet 2:2 gegen Cagliari
Union-Test: Kreislauf-K.o. bei Heldt – Ansah rettet 2:2

Erst der Schock, dann die späte Erleichterung: Horst Heldt hat beim Testspiel von Union Berlin gegen Cagliari einen Kreislauf-Kollaps erlitten. Der 56-jährige Geschäftsführer Sport musste in der Halbzeitpause einen geplanten TV-Termin bei Sky absagen, wie die rund 8.825 Zuschauer in der Alten Försterei mitbekamen. Mit blassem Gesicht verfolgte Heldt die zweite Halbzeit anschließend aus einer VIP-Loge, statt den Journalisten – wie ursprünglich vorgesehen – Auskunft über die Transferplanungen zu geben. Im Interviewcenter hätte es unter anderem um die Frage gehen sollen, wann die dringend benötigten Neuzugänge beim Hauptstadtklub eintreffen.

Die Ursache für den Schwächeanfall war offenbar nicht die Hitze – in Köpenick zeigte das Thermometer lediglich 23 Grad –, sondern Kreislauf-Probleme. Heldt, der während der gesamten ersten Halbzeit auf der Tribüne gesessen hatte, musste sich kurzzeitig zurückziehen. In der Pause sagte er den Sky-Termin ab. Sorgen um den Union-Macher, der am Ende dann doch wieder in der VIP-Loge auftauchte und die zweite Halbzeit verfolgte – mit sichtlich blasser Gesichtsfarbe und angespanntem Blick.

Auf dem Rasen wurde es zwischenzeitlich ebenfalls brenzlig. Union Berlin erlebte im sechsten Testspiel fast die sechste Niederlage in Serie. Die ersten fünf Vorbereitungsspiele gingen allesamt verloren, auch gegen Cagliari sah es lange nach der nächsten Pleite aus. Nach einem ordentlichen Beginn patzte die Abwehr dann gleich mehrfach. Torwart-Debütant Fritz Gagzow, erst 17 Jahre alt, bekam in seinem ersten Einsatz für die Profis keine Unterstützung: In der 49. Minute traf Trepy zum 0:1, in der 69. Minute erhöhte Mendy auf 0:2.

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Abwehrwackler und Systemumstellung

Die neuerlichen Gegentore offenbarten die Probleme mit der grundlegenden Systemumstellung. Unter Neu-Trainer Mauro Lustrinelli spielen die Köpenicker nicht mehr die seit Jahren eingeübte Fünferkette, die unter Legenden-Coach Urs Fischer zum Markenzeichen geworden war. Lustrinellis Vorgänger Steffen Baumgart hatte bereits versucht, auf eine Viererkette umzuschalten, scheiterte aber letztlich. Auch der Schweizer Lustrinelli will die Umstellung nun konsequent durchziehen – allerdings mit bislang wenig Erfolg. Die Abwehrspieler müssen ihren kompletten Spielstil umstellen, was eindeutig noch nicht verinnerlicht ist.

Verteidiger Tom Rothe beschrieb die damit verbundenen Schwierigkeiten in aller Deutlichkeit: „Man hat nicht mehr diesen einen Extra-Verteidiger im Rücken, das muss ich dann auch verstehen. Das heißt für mich, dass ich nicht mehr ganz so offensiv spielen kann, wie ich es vorher getan habe. Aber da versuche ich umzusetzen, was der Trainer mir sagt.“ Offenbar haben die Union-Abwehrspieler ihren neuen Trainer noch nicht in allen Facetten verstanden, denn die Abstimmung zwischen den vier Verteidigern wirkt weiterhin unsauber.

Späte Rettung durch Ilyas Ansah

Lange hätte die Partie vor nur 8.825 Zuschauern – für ein Testspiel wurden bemerkenswerterweise Bundesliga-Eintrittspreise verlangt – gar kein Aufwärtstrend gezeigt. Union agierte ideenlos, Cagliari hatte die Partie unter Kontrolle. Doch dann schlug die Stunde von Ilyas Ansah. Der Stürmer, der zuvor kaum in Erscheinung getreten war, köpfte in der 85. Minute zum 1:2 ein. Und als in der Nachspielzeit alles schon vorbei schien, traf er erneut zum 2:2 (90.+1). Die Freude über den späten Ausgleich war groß, verstellte aber den Blick auf die anhaltenden Baustellen nicht.

Manager Heldt dürften diese Tore zumindest kurzzeitig aufgemuntert haben, doch die Notwendigkeit von Verstärkungen bleibt unübersehbar. Sowohl in der Abwehr als auch im Angriff mangelt es an Alternativen und Qualität. Die sportliche Leitung steht unter Druck, bis zum Pflichtspielstart am 23. August (15.30 Uhr) beim Pokalauftritt in Braunschweig personell nachzulegen. Vorn wie hinten müssen neue Spieler her, so die klare Analyse nach dem sechsten Testspiel.

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Viel Arbeit bis zum Pokalstart

Bis dahin muss Lustrinelli zudem die Grundordnung stabilisieren. Die Viererkette, von den Fans als Abschied von der Fischer-Ära wahrgenommen, bringt neue Anforderungen an die Außenverteidiger. Statt zusätzlicher Absicherung durch einen dritten Innenverteidiger sind mehr Laufarbeit und taktische Disziplin gefragt. Die bisherigen Testspielergebnisse lesen sich ernüchternd: Vier Niederlagen aus fünf Partien vor dem Cagliari-Remis zeigen den Handlungsbedarf. Immerhin bewies die Mannschaft am Ende Moral und kämpfte sich spät zurück – ein kleiner Trost.

Der Auftritt gegen Cagliari offenbarte dennoch, dass die Zeit drängt. Union Berlin braucht nicht nur spielerische Fortschritte, sondern auch frische Kräfte. Heldt selbst, der nach seiner Schwächephase sichtlich angegriffen wirkte, wird in den nächsten Tagen alles daran setzen, die Personalplanungen voranzutreiben – am besten mit wieder stabiler Gesundheit. Die Fans des Hauptstadtklubs erwarten nichts weniger.