24 Mieter in Augsburg retten ihr Haus: Kauf statt Kündigung
24 Mieter in Augsburg retten ihr Haus: Kauf statt Kündigung

Ein Haus in Augsburg wechselt nicht an einen Investor, sondern an die eigene Bewohnerschaft: 24 Mieter haben das Mehrfamilienhaus selbst gekauft. Damit retten sie nicht nur ihren bezahlbaren Wohnraum, sondern schaffen auch ein Beispiel, wie Wohnungsnot begegnet werden kann.

Ausgangspunkt war die Ankündigung des bisherigen Eigentümers, das Gebäude veräußern zu wollen. Für die Bewohner stand die Sorge im Raum, dass neue Eigentümer die Mieten erhöhen oder die Wohnungen in Eigentum umwandeln. Statt sich passiv dem Markt zu unterwerfen, entwickelten die 24 Parteien einen ungewöhnlichen Plan: Sie wollten das Haus gemeinsam erwerben.

Ein Pionierprojekt in Augsburg

In der Augsburger Stadtgesellschaft ist der Schritt der Mieter bislang beispiellos. Dass sich Mieter zusammentun, um ihr Haus zu kaufen, kommt in Großstädten wie Berlin oder Hamburg häufiger vor – in Augsburg ist es ein Novum. Die Gruppe ließ sich von einem überregionalen Netzwerk für gemeinschaftliches Wohnen unterstützen, das rechtliche und organisatorische Hilfe anbietet. Jede der 24 Parteien brachte sich nach Möglichkeit finanziell ein; wer weniger Geld zur Verfügung hatte, steuerte Arbeitsleistungen bei.

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Die Finanzierung stellte sich nach Angaben des Netzwerks als kleinteiliges Geflecht dar: Bankdarlehen, Eigenkapital der Mieter und öffentliche Zuschüsse. Genaue Summen wurden nicht genannt. Doch nach mehreren Monaten des Verhandelns stand schließlich eine Lösung, mit der alle leben konnten.

Trotz Hürden zusammengehalten

So reibungslos das ambitionierte Vorhaben letztlich funktionierte – der Weg dorthin war steinig. Einige Mieter zögerten angesichts der finanziellen Verpflichtungen. Andere zweifelten, ob die Gemeinschaft auf Dauer tragfähig sei. Es brauchte viele Versammlungen, Diskussionen und Kompromisse. Entscheidend war, dass die Gruppe nicht auseinanderfiel, als ein Investor kurzfristig ein höheres Gebot abgab. Die Mieter blieben bei ihrer Linie: Sie wollten das Haus selbst erwerben.

Die Unterschrift auf dem Kaufvertrag fiel schließlich in einer Notarin-Kanzlei. Seitdem tragen die Bewohner die Verantwortung für die Instandhaltung des Hauses, die Versicherung und die Nebenkosten. Organisiert sind sie in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, in der jede Partei ein Stimmrecht besitzt. Auch der Garten und die Waschküche werden gemeinschaftlich verwaltet.

Bezahlbarer Wohnraum ist gewahrt

Die neue Hausgemeinschaft hat sich in ihrer internen Satzung darauf verpflichtet, die Mieten stabil zu halten. Die Nettokaltmiete richtet sich künftig nach den tatsächlichen Kosten des Hauses, nicht nach dem Marktpreis. Überschüsse werden zurückgelegt für Reparaturen oder energetische Sanierungsmaßnahmen. Dadurch bleibt der Wohnraum für die jetzigen Bewohner – und auch für künftige – bezahlbar.

Das Projekt könnte Signalwirkung entfalten. Angesichts steigender Mieten und Verdrängungsdruck in vielen deutschen Städten suchen Kommunen nach Wegen, Wohnraum zu sichern. Genossenschaften und Mieterinitiativen sind dabei zunehmend gefragt. In Augsburg haben 24 Haushalte bewiesen, dass auch eine Mieterschaft selbst aktiv werden kann, wenn sie sich zusammentut.

Für die Nachbarschaft ist das eine Beruhigung. Es zeigt, dass Zusammenhalt mehr erreichen kann als Zuschauen. Einige Nachbarn aus der Umgebung haben bereits Interesse an einer ähnlichen Lösung signalisiert. Ein erster Austausch mit Initiativen aus anderen Stadtteilen ist im Gespräch.

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