London (Großbritannien) – Es gibt Augenblicke, in denen selbst Welthits, goldene Schallplatten und ausverkaufte Stadien bedeutungslos werden. Für Phil Collins (75) schlug diese Stunde im Frühjahr 2024. Der frühere Genesis-Sänger lag nach schwerem Organversagen in einer Schweizer Klinik – und seine Familie rechnete bereits mit dem Schlimmsten. Im Interview mit der „Sunday Times“ schilderte der Musiker nun die dramatischen Wochen, in denen sein Leben am seidenen Faden hing.
„Meine Nieren versagten, meine Organe stellten ihren Dienst ein“
Collins berichtete offen über den Zusammenbruch seines Körpers. „Meine Nieren versagten, meine Organe stellten ihren Dienst ein“, sagte er. Zeitweise sei die Lage so kritisch gewesen, dass Ärzte über lebenserhaltende Maßnahmen sprachen. Von vielen Vorgängen damals habe er selbst nichts mitbekommen – die Realität holte ihn erst Wochen später ein.
Der Musiker, der als Solokünstler und mit Genesis weltweit mehr als 100 Millionen Tonträger verkaufte, verbringt seit Jahren einen schweren gesundheitlichen Kampf. Probleme mit der Wirbelsäule, Nervenschäden und zuletzt eine zerstörte Bauchspeicheldrüse prägten sein Leben. Doch was im Frühjahr 2024 geschah, übertraf alles Bisherige.
„Es mussten Entscheidungen getroffen werden, ob man Phil Collins am Leben erhalten soll“
Die Lage war so ernst, dass sich Freunde und Verwandte bereits verabschiedeten. „Die Leute kamen, um sich zu verabschieden“, erinnerte sich Collins. „Alle hatten Angst, dass sie mich nie wiedersehen würden.“ Weiter sagte er: „Es mussten Entscheidungen getroffen werden, ob man Phil Collins am Leben erhalten soll oder nicht.“ Diese Sätze zeigen, wie nah der Tod dem Weltstar damals kam.
Als Ursache für seinen desolaten Zustand nannte Collins seine jahrelangen Alkoholprobleme. Nach privaten Krisen verlor er zunehmend die Kontrolle über seinen Konsum. Irgendwann begann für ihn schon der Morgen mit Alkohol. „Ich habe Wein getrunken, sobald ich wach war. Das war es, was ich zum Frühstück wollte: ein Glas Wein“, gestand er.
Sieben Monate im Krankenhaus – Comeback mit Folgen
Bereits Ende 2023 wurde Collins erneut ins Krankenhaus eingeliefert, kurz vor Weihnachten wieder entlassen und wenige Wochen später auf die Intensivstation gebracht. Insgesamt verbrachte er rund sieben Monate in medizinischer Behandlung – eine Zeit, die an ihm nicht spurlos vorbeiging. Heute blickt er mit Abstand auf diese Monate zurück: „Ich hatte großes Glück, da wieder herauszukommen.“
Seit seiner Entlassung habe er keinen Alkohol mehr angerührt. Doch die gesundheitlichen Schäden sind dauerhaft: Seine Bauchspeicheldrüse ist geschädigt, die Nieren arbeiten nur noch eingeschränkt. Auch sein Bewegungsapparat leidet. Collins kann nur noch mit Krücken laufen, Nervenschäden verhindern, dass er je wieder Schlagzeug spielen kann. Für den früheren Genesis-Star besonders schmerzhaft: „Ich wünschte, ich könnte noch spielen.“
Familienmomente als größtes Geschenk
Umso wichtiger sind ihm heute die Momente mit seinen Kindern. Bei einem Familientreffen zum Jahreswechsel wurde ihm bewusst, wie knapp er dem Tod entkommen war. Zu den Anwesenden gehörte auch Tochter Lily Collins (37), die später ein gemeinsames Foto auf Instagram teilte und dazu „So dankbar“ schrieb. Der Sänger selbst sagte: „Es hätte alles schrecklich schiefgehen können.“
Statt eines endgültigen Abschieds bekam die Familie noch einmal gemeinsame Zeit geschenkt. Und genau das scheint für Collins inzwischen mehr zu bedeuten als jede goldene Schallplatte. Seine Karriere ist geprägt von Hits wie „In the Air Tonight“, „ Against All Odds“ und „Easy Lover“ – doch der größte Erfolg ist für ihn heute das Leben selbst.



