WM 2026: Warum die bevölkerungsstärksten Länder fehlen
Warum die bevölkerungsstärksten Länder bei der WM fehlen

Die Jubelbilder von Tausenden Argentinien-Fans in Bangladesch gingen um die Welt: Im Trikot von Lionel Messi feierten sie euphorisch die WM-Auftritte ihres Superstars. Auch bei Brasilien-Spielen herrschte in vielen Straßen Ausnahmezustand. Ihr eigenes Team? Blieb in der Gruppe der zweiten WM-Qualifikationsrunde sieglos. Sechs Spiele, 1:20 Tore. Trotz fast 180 Millionen Einwohnern und einer riesigen Fußballbegeisterung.

Infantinos Vision: WM mit 64 Teams

FIFA-Präsident Gianni Infantino betont: „Die ganze Welt muss von der WM träumen dürfen, nicht nur Europa und Südamerika.“ Deshalb kann er sich vorstellen, das aktuelle XXL-Turnier 2026 weiter aufzustocken – auf 64 Teilnehmer. Riesige Märkte liegen brach. Denn Bangladesch ist kein Einzelfall: Auch Indien und China mit jeweils rund 1,4 Milliarden Einwohnern bringen keine konkurrenzfähigen Mannschaften hervor. Abgesehen von den USA und Brasilien sind acht der zehn bevölkerungsstärksten Länder nicht bei der WM dabei, einige haben sich noch nie qualifiziert.

Indien: Cricket dominiert

Im bevölkerungsreichsten Land der Welt ist Cricket unangefochtener Volkssport Nummer eins. Die Erfolge der Nationalmannschaft und die milliardenschwere Indian Premier League binden Talente, Geld und Aufmerksamkeit – zum Nachteil des Fußballs. Weitere Gründe für den Rückstand: fehlende Infrastruktur, mangelnde organisierte Talentförderung und das anstrengende Klima. Indien will aufholen: Die Indian Super League startete 2014 mit Investitionen aus Wirtschaft und Show-Branche, um den Fußball zu professionalisieren. Der Weg bleibt weit: Vor der WM 2026 schied Indien bereits in der zweiten Qualifikationsrunde hinter Katar und Kuwait aus.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

China: Strukturelle Probleme

China verpasste erneut die WM-Qualifikation. In der FIFA-Weltrangliste liegt das Land auf Platz 91. Die letzte WM-Teilnahme war 2002 in Südkorea und Japan – Gruppenaus mit null Punkten und 0:9 Toren. Staatschef Xi Jinping gilt als fußballbegeistert und gab das Ziel aus, China zu einer großen Fußballnation zu machen. Doch der chinesische Fußball sorgt eher durch Wettbetrügereien und Korruptionsfälle für Schlagzeilen. Beobachter sehen ein strukturelles Problem: Vereine und Ligen können sich in China, wo die Kommunistische Partei ein dichtes Netz aus Bürokratie und Kontrolle aufgebaut hat, kaum eigenständig entwickeln. Seit einigen Jahren gibt es erste Amateurligen, doch Kritiker sehen darin eher Tourismusförderung. Immerhin: Die Frauen-Nationalmannschaft liegt im FIFA-Ranking auf Platz 16.

Indonesien: Auf dem Weg zurück

Im größten Inselstaat der Welt (280 Millionen Einwohner) ist Fußball die mit Abstand beliebteste Sportart. Die einzige WM-Teilnahme datiert aus dem Jahr 1938 – damals noch als Niederländisch-Indien. In den 1950er Jahren zählte Indonesien zu den führenden Fußballnationen Asiens. Nach politischen Umbrüchen folgten Jahrzehnte mit Misswirtschaft, Korruptionsvorwürfen und fehlender Nachwuchsförderung. Die Geografie mit über 17.000 Inseln erschwert die Talententwicklung. 2015 suspendierte die FIFA den Verband vorübergehend wegen Regierungseingriffen in den Ligabetrieb. Inzwischen geht es aufwärts: Der Verband investiert in die Jugendarbeit und baut auf in Europa ausgebildete Profis mit indonesischen Wurzeln, darunter Kevin Diks (Borussia Mönchengladbach) und Maarten Paes (Ajax Amsterdam).

Pakistan: Cricket dominiert

In Pakistan (rund 255 Millionen Einwohner) ist das Interesse an Fußball groß: Viele tragen Messi-Trikots, das Viertel Lyari in Karachi wird „Mini-Brasilien“ genannt. Die Sportinfrastruktur ist jedoch auf Cricket ausgerichtet, das während der britischen Kolonialherrschaft eingeführt wurde. Versuche, eine Profiliga zu etablieren, scheitern an Streitereien, Geldmangel und fehlenden Bolzplätzen. Pakistan war noch nie bei der WM, aber ein Teil des Landes ist bei jedem Match vertreten: Der Spielball „Trionda“ wird für Adidas in Sialkot gefertigt.

Nigeria: Afrikanisches Schwergewicht

Nigeria (etwa 242 Millionen Einwohner) gehört trotz verpasster WM 2026 zu den afrikanischen Schwergewichten. Es gibt Fußballakademien, die viele Jugendliche auf eine Profikarriere hoffen lassen. Nach dem erneuten Scheitern der „Super Eagles“ wurde jedoch kritisiert, die Talentförderung sei vernachlässigt worden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Bangladesch: Zweitbeliebteste Sportart

In Bangladesch (etwa 175 Millionen Einwohner) ist Fußball nach Cricket die zweitbeliebteste Sportart. Einst war Fußball sogar populärer, schreibt „The Asian Age“. Trotzdem hat sich das Land noch nie für eine WM qualifiziert. Schwaches Management, geringe Investitionen und schlechte Infrastruktur für Talente sind die Gründe. Im März spielte erstmals eine bangladeschische Frauenmannschaft beim Asian Cup. Der Verband jubelte: „Macht euch bereit, Asien, Bangladesch ist auf der Fußball-Landkarte angekommen!“

Äthiopien: Konflikte und fehlende Stadien

Äthiopien (etwa 139 Millionen Einwohner) ist bekannt für seine Langstreckenläufer, im Fußball zählt es zu den Schlusslichtern Afrikas (FIFA-Platz 143). Bewaffnete Konflikte, schlechte Sicherheitslage und wenige Stadien erschweren die Talentsichtung. Das Nationalteam musste Heimspiele im Ausland austragen, weil kein Stadion mehr internationalen Standards genügte.

Russland: Ausgeschlossen

Russland, normalerweise häufiger WM-Teilnehmer, ist nicht dabei, weil FIFA und UEFA die russischen Teams nach dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen haben.