WM-Pläne: Infantino gerät international unter Druck
WM-Pläne: Infantino unter Druck

Gianni Infantino ist nicht mehr der unumschränkte Herrscher im Fußball-Weltverband. Nach Jahren der Dominanz regt sich gegen den FIFA-Präsidenten offener Widerstand – ausgelöst durch seine umstrittenen Pläne für die kommenden Weltmeisterschaften. Der Wind hat sich gedreht: Was noch vor Monaten als abwegig galt, ist heute in der internationalen Fußballpolitik ernste Realität.

Zuletzt hatte Infantino mit der Idee einer 64-Team-WM im Jahr 2030 für Aufsehen gesorgt. Das Turnier soll aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Fußball-Weltmeisterschaft eigentlich in Spanien, Portugal und Marokko stattfinden, mit Eröffnungsspielen in Argentinien, Uruguay und Paraguay. Eine Aufstockung von 48 auf 64 Mannschaften würde den Spielplan weiter aufblähen – und stößt auf massiven Widerstand.

Kritik an Termin- und Menschenrechtsfragen

Vor allem die europäischen Profiligen, die Vereinigung der Ligen und die Spielergewerkschaft FIFPro warnen vor einer Überlastung der Athleten. Der internationale Spielkalender sei bereits jetzt nicht mehr tragfähig, heißt es in gemeinsamen Stellungnahmen. Auch gebe es erhebliche Bedenken wegen der Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Situation im Wüstenstaat und fordern, die FIFA dürfe eine derart prestigeträchtige Veranstaltung nicht aus reinen Wirtschaftsinteressen vergeben.

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Infantino in der Defensive

Bei einer Sitzung des FIFA-Rats soll Infantino zuletzt deutlich gemacht haben, dass er eine Mehrheit für seine Pläne habe. Doch der Schein trügt: Hinter den Kulissen wächst die Zahl der Verbände, die sich offen gegen die 64er-Lösung stellen. Insbesondere aus dem europäischen Fußballverband UEFA sowie aus dem Deutschen Fußball-Bund werden Bedenken laut. Die Zustimmung Großbritanniens und der asiatischen Verbände sei alles andere als sicher, berichten mit der Sache vertraute Kreise.

Die Diskussion fällt in eine Zeit, in der das Verhältnis zwischen Infantino und den europäischen Fußballführungen ohnehin als angespannt gilt. Der Schweizer hatte mehrfach versucht, die traditionellen Strukturen zu durchbrechen und neue Formate durchzusetzen. Dass ihm nun ausgerechnet die eigenen Verbände in den Rücken fallen, werten Beobachter als historische Wende.

Mögliche Konsequenzen für Infantino

Ein Sturz des FIFA-Präsidenten gilt derzeit zwar noch als unwahrscheinlich, weil er seine Wiederwahl im vergangenen Jahr ohne Gegenkandidaten gewonnen hatte. Doch die politische Gemengelage hat sich verändert. Sollte die Mehrheit der Mitgliedsverbände bei einer nächsten Abstimmung kippen, könnte dies nicht nur die WM-Pläne stoppen, sondern mit einer späteren Abwahlrechnung auch die Ära Infantino beenden.

Offen ist, ob Infantino noch zurückrudern kann. Eine Kompromissformel sehen manche darin, die WM 2030 doch mit 48 Teams statt mit 64 zu veranstalten und gleichzeitig der Kritik an Saudi-Arabien durch Auflagen entgegenzukommen. Das allerdings halten Kritiker für unzureichend. Sie fordern ein klares Bekenntnis zu Menschenrechten und eine nachhaltige Entlastung der Spieler.

Wie geht es weiter?

Entscheidungen stehen frühestens beim nächsten FIFA-Kongress im Frühjahr 2025 an. Bis dahin dürfte die Diskussion weiter an Fahrt aufnehmen. Der Druck auf Infantino wird nicht nur von außen erzeugt, sondern auch von innen: Mehrere Verbandspräsidenten haben die Tagesordnung des Kongresses bereits mit Anträgen für eine Neuregelung des Bewerbungsverfahrens ergänzt. Sollten diese Anträge eine Zweidrittelmehrheit erhalten, wäre das ein deutliches Zeichen für einen Machtverlust des FIFA-Bosses.

Fußballfans weltweit beobachten die Entwicklung mit Sorge. Gerade die Idee einer 64er-WM sorgt bei vielen für Unverständnis. Sie fürchten eine weitere Aufweichung des sportlichen Wettbewerbs und eine noch stärkere Kommerzialisierung des Turniers. In Deutschland schlägt die Debatte hohe Wellen, zumal die Nationalmannschaft bei den vergangenen zwei Weltmeisterschaften jeweils in der Vorrunde scheiterte und sich viele einen Neustart im Verband wünschen.

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Ein Wendepunkt im Weltfußball?

Egal, wie die Abstimmungen ausgehen: Die Tage, in denen Infantino seine Pläne ohne nennenswerten Widerstand durchsetzen konnte, sind offensichtlich vorbei. Der Wind hat sich gedreht – auch wenn der FIFA-Präsident noch an der Spitze steht, wankt sein Fundament. Die kommenden Monate werden zeigen, ob aus dem Sturm ein Orkan wird. Klar ist schon jetzt: Die WM-Pläne Infantinos sind zum Prüfstein für seine Zukunft geworden.