Jahrelang stand die ehemalige Konsum-Kaufhalle an der Gotlindestraße in Berlin-Lichtenberg leer und verfiel zusehends. Nun ist die Ruine endgültig verschwunden: Ein Neubauprojekt besiegelte das Schicksal des einstigen Nahversorgers. Die Geschichte dieses Lost Place zeigt den Wandel Ostberlins nach der Wende.
Die Anfänge: Eine moderne Kaufhalle für den Plattenbaukiez
Im November 1976 wurde die Kaufhalle an der Gotlindestraße 51 als 18. Filiale in Lichtenberg eröffnet. Sie war Teil eines neuen Wohngebiets, das rund 530 Wohnungen umfasste. Die Halle in Leichtmetallbauweise bot auf 730 Quadratmetern Verkaufsfläche fast 1.800 verschiedene Nahrungs- und Genussmittel sowie 1.200 Industriewaren. 64 Mitarbeiter unter der Leitung von Filialleiter Otto Hlawaschke versorgten rund 6.000 Anwohner.
Die Wende: Westwaren erobern die Regale
Nach der Wiedervereinigung änderte sich alles. Am 2. Juli 1990 zogen Westwaren in die Regale ein, während DDR-Produkte kaum noch gefragt waren. Die Konsum-Genossenschaft zog sich aus dem Einzelhandel zurück und verkaufte die Filiale an die Supermarktkette Bolle, später wurde sie ein Plus-Markt.
Der Niedergang: Leerstand und Verfall
Ende der 2000er-Jahre schloss auch Plus seine Pforten. Ein Nachfolger fand sich nicht mehr. Die Halle stand leer, Graffiti zierten die Fassaden, Pflanzen durchbrachen den Asphalt der Parkplätze. Die Immobilie drohte zur modernen Ruine zu verkommen – ein typisches Schicksal vieler DDR-Kaufhallen.
Der Abriss: Platz für ein Seniorenheim
2012 rückten die Abrissbagger an. Ein Investor plante auf dem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück eine Seniorenresidenz. Die Halle wurde abgerissen, und 2013 eröffnete das neue Pflegeheim mit 174 Plätzen. Heute erinnert nichts mehr an die einstige Kaufhalle, die jahrzehntelang die Nachbarschaft versorgte.
Fazit: Ein Stück DDR-Geschichte verschwunden
Die Kaufhalle an der Gotlindestraße ist ein Beispiel für den Wandel Berlins nach der Wiedervereinigung. Von der sozialistischen Mangelwirtschaft über die Westwaren-Euphorie bis zum Verfall und schließlich dem Neubau – die Geschichte dieses Lost Place ist typisch für viele vergessene Orte Ostberlins.



