Die deutschen Leichtathletik-Fans müssen auf einen ihrer größten Hoffnungsträger bei der Europameisterschaft in Rom verzichten: Mohamed Abdilaahi, Deutschlands bester Mittelstreckenläufer über 1500 Meter, hat seine Teilnahme verletzungsbedingt abgesagt. Der 25-Jährige erlitt einen Ermüdungsbruch im rechten Fuß und wird mehrere Wochen ausfallen, wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am Donnerstag mitteilte.
Ermüdungsbruch stoppt Saisonhöhepunkt
Abdilaahi hatte sich die Verletzung bei einem Trainingslager in Südafrika zugezogen. Eine anschließende MRT-Untersuchung in Heidelberg bestätigte den Ermüdungsbruch im Fußwurzelknochen. Der Athlet vom TV Wattenscheid 01 muss nun mindestens sechs Wochen pausieren und kann damit nicht an den Titelkämpfen in Rom (7. bis 12. Juni) teilnehmen.
„Das ist ein Schock für mich. Ich habe mich so auf die EM gefreut und war in der Form meines Lebens. Jetzt muss ich zusehen, wie ich wieder gesund werde“, sagte Abdilaahi in einer ersten Stellungnahme. Der gebürtige Somalier, der 2016 nach Deutschland kam und seit 2021 für den DLV startberechtigt ist, hatte in dieser Saison mit 3:35,12 Minuten über 1500 Meter die europäische Jahresbestzeit aufgestellt.
Nächster Rückschlag für deutsches Mittelstrecken-Team
Abdilaahis Ausfall ist ein weiterer Rückschlag für die zuletzt aufstrebende deutsche Mittelstrecken-Szene. Erst im vergangenen Jahr hatte er bei den Weltmeisterschaften in Budapest das Halbfinale erreicht und dort mit 3:35,44 Minuten eine persönliche Bestzeit aufgestellt. Bei der EM in München 2022 war er über 800 Meter bis ins Halbfinale vorgedrungen.
Der DLV muss nun kurzfristig umplanen. Als Ersatz könnte der 23-jährige Amos Bartelsmeyer nachrücken, der in dieser Saison bereits 3:36,88 Minuten gelaufen ist. Der Frankfurter hatte die EM-Norm zwar nicht erfüllt, aber der DLV kann bei Verletzungen einen Nachrücker nominieren.
Verletzungspech plagen deutsche Leichtathleten
Abdilaahi reiht sich ein in eine Serie von Verletzungspech bei deutschen Leichtathleten vor der EM. Bereits zuvor hatten Speerwurf-Weltmeister Julian Weber und Weitspringerin Malaika Mihambo ihre Starts in Rom absagen müssen. Weber leidet an einer Hüftverletzung, Mihambo an einer Muskelverletzung im Oberschenkel. Damit fehlen dem DLV drei Medaillenkandidaten für die EM.
„Wir sind sehr betroffen. Mohamed hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert und war eine unserer großen Hoffnungen für Rom. Aber Gesundheit geht vor, und wir werden ihn auf seinem Weg zurück unterstützen“, sagte DLV-Sportdirektor Jörg Bügner. Der Verband hofft, dass Abdilaahi rechtzeitig für die Olympischen Spiele in Paris (26. Juli bis 11. August) wieder fit wird.
Abdilaahi selbst gibt sich kämpferisch: „Ich werde alles dafür tun, um bei den Olympischen Spielen am Start zu sein. Die EM ist verpasst, aber das ist kein Weltuntergang. Ich bin jung und habe noch viele Chancen.“ Der Athlet wird sich nun einer konservativen Behandlung unterziehen und mit dem Training auf dem Fahrrad und im Wasser beginnen, sobald die Schmerzen es zulassen.
Blick auf Olympia in Paris
Die Olympischen Spiele in Paris sind das große Ziel für Abdilaahi. Mit seiner Jahresbestzeit von 3:35,12 Minuten hätte er sich auch für die Olympischen Spiele qualifiziert, da die Norm bei 3:33,50 Minuten liegt. Allerdings muss er diese Zeit bis zum 30. Juni bestätigen, sonst könnte er über die Weltrangliste nominiert werden. Der DLV plant, ihn bei den Deutschen Meisterschaften Ende Juni in Braunschweig einzusetzen, sofern er bis dahin wieder trainieren kann.
Die EM in Rom wird für die deutschen Mittelstreckler damit zu einer Bewährungsprobe für die Nachwuchshoffnungen. Neben Bartelsmeyer sind auch Robert Farken und Marc Tortell für die 1500 Meter gemeldet. Farken hatte in dieser Saison bereits 3:36,55 Minuten gelaufen und könnte nun die Chance nutzen, sich international zu präsentieren.
Die Leichtathletik-EM findet vom 7. bis 12. Juni im Olympiastadion in Rom statt. Deutschland war bei den letzten Titelkämpfen in München mit sieben Medaillen (2 Gold, 3 Silber, 2 Bronze) erfolgreich. In Rom sollen nun vor allem die Sprinter um Gina Lückenkemper und der Speerwerfer Thomas Röhler für Medaillen sorgen.



