Das frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 – diesmal im Sechzehntelfinale gegen Paraguay – hat nicht nur sportliche Folgen für die DFB-Elf, sondern wirkt sich auch direkt auf die Bundesliga aus. Besonders betroffen sind die internationale Vermarktung der Liga und das Image des deutschen Fußballs im Ausland.
Bundesliga-Start ohne WM-Stars: Frühere Rückkehr ins Training
Der FC Bayern München nahm als letzter Bundesliga-Club am Montag die Vorbereitung auf die neue Saison auf. Die deutschen WM-Fahrer wie Joshua Kimmich und Manuel Neuer waren dabei noch nicht dabei. Ihr Wiedereinstieg ins Training erfolgt jedoch früher, als es bei einer Finalteilnahme der Fall gewesen wäre. Ansonsten halten sich die direkten sportlichen Auswirkungen in Grenzen.
Fan-Zuspruch: Keine rückläufigen Zahlen erwartet
„Natürlich wird sich zunächst erst einmal Ernüchterung breitmachen“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth vom VfB Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur. „Grundsätzlich aber bin ich davon überzeugt, dass die Zahlen bei den Fernsehzuschauern und den Fans in den Stadien sich nicht rückläufig entwickeln.“ Tatsächlich blieb ein solcher Effekt bereits nach den frühen WM-Aus 2018 und 2022 aus. Die Stadien in der Bundesliga, aber auch in der 3. Liga und Regionalliga sind weiterhin gut gefüllt.
Reputationsverlust im Ausland: „Fußball Made in Germany“ angeschlagen
Anders sieht es im Ausland aus. „In anderen europäischen Ländern hat unsere Reputation als starke Fußballnation mehr als nur einen Kratzer erhalten“, sagte Wohlgemuth. „Da werden schon viele Leute denken: Dem Spiel der Deutschen ist einiges an Komponenten und an Qualität abhandengekommen.“ Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln ergänzt: „Die Marke 'Fußball Made in Germany' hat im Ausland sicher nicht an Ansehen gewonnen durch das Abschneiden bei der Weltmeisterschaft.“ Er sieht die Gefahr, dass sich ein negatives Image der Nationalmannschaft auf das Gesamtbild des deutschen Fußballs auswirkt und damit auch die Bundesliga betrifft.
Auslandsvermarktung: Weniger globale Stars und sinkende TV-Einnahmen
Die Bundesliga hat bei der internationalen Vermarktung ohnehin schon Schwierigkeiten, der Premier League hinterherzulaufen. Zwei von vier wichtigen Faktoren beim Verkauf von TV-Rechten sind betroffen: Zum einen fehlen der Liga globale Stars, wenn die deutschen Spieler früh scheitern. Internationale Topstars wie Bayerns Harry Kane (Platz drei mit England) oder Franzose Michael Olise sind dann umso wichtiger. Zum anderen bleiben große internationale Erfolge der Vereine aus – der letzte Champions-League-Sieg von Bayern München liegt 2020 zurück, der Europa-League-Titel von Eintracht Frankfurt 2022.
Auf dem US-Markt führen die gerade abgeschlossenen Mehrjahresverträge zu einem Minus: Ab der Saison 2026/27 kassiert die Bundesliga jährlich rund 24 Millionen statt bisher 30 Millionen Dollar, wie die dpa erfuhr. Immerhin werden mehr Spiele übertragen, sodass mehr US-Fans erreicht werden.
Transfermarkt: Kaum direkte Auswirkungen
Dass es für Bundesliga-Clubs durch die schwachen Auftritte der DFB-Elf schwieriger wird, gute Spieler zu verpflichten, ist eher unwahrscheinlich. „Das WM-Abschneiden hat keinen unmittelbaren Effekt darauf, ob die jeweilige Liga für Spieler attraktiv ist oder nicht“, sagte Stefan Ludwig, Leiter der deutschen Sportbusinessgruppe bei Deloitte. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft begleitet das Fußball-Geschäft seit Jahren mit regelmäßigen Studien.
Insgesamt zeigt sich: Während die heimischen Fans treu bleiben, leidet das internationale Ansehen des deutschen Fußballs. Die Bundesliga muss nun Wege finden, ihre Attraktivität für ausländische Zuschauer und Investoren trotz der sportlichen Rückschläge zu erhalten.



