Die neunte Etappe der 113. Tour de France wurde aufgrund einer massiven Hitzewelle verkürzt. Das gab Tour-Direktor Christian Prudhomme bekannt. Der Gesamtführende Tadej Pogacar reagierte erleichtert auf die Entscheidung. „Als Thierry Gouvenou es Pogacar vorhin mitteilte, sagte dieser: 'Danke'“, berichtete Prudhomme.
Historische Entscheidung: Erste Hitze-Verkürzung der Tour-Geschichte
Erstmals in der langen Geschichte der Rundfahrt wurde eine Etappe wegen zu hoher Temperaturen verkürzt. Die ursprünglich geplanten 185,5 Kilometer durch das Zentralmassiv wurden auf 154,6 Kilometer reduziert. Grund war die Hitzewarnstufe Rot im Département Corrèze, durch das die Strecke führt. Die Veranstalter trafen die Entscheidung nach Gesprächen mit Behörden und Teams.
„Es ist eine harte Etappe. Seit zehn Tagen sind die Champions bei hohen, sehr heißen Temperaturen unterwegs. Und für das Departement gilt nun die Warnstufe Rot“, erklärte Prudhomme. Er betonte jedoch: „Das wird am sportlichen Aspekt nichts ändern, denn die Etappe ist wirklich bemerkenswert und anspruchsvoll.“
Hitzeschutzmaßnahmen für Fahrer und Zuschauer
Die Organisatoren stellten den Teams täglich 450 Kilo Eis zur Verfügung. Zudem wurden drei Kühlmotorräder eingesetzt, um die Fahrer zu unterstützen. Ein Wechsel zu früheren Startzeiten, den einige Fahrer vorgeschlagen hatten, lehnte Prudhomme ab: „Die Fahrer um 5:00 Uhr morgens zu wecken, scheint mir etwas kompliziert zu sein.“
An die Zuschauer appellierte der 65-Jährige, „gesunden Menschenverstand“ zu walten: Sie sollten eine Kopfbedeckung tragen, ausreichend Wasser dabeihaben und sich möglichst im Schatten aufhalten. Am Startort Malemort wurden bis zu 40 Grad Celsius erwartet, im Zielort Ussel immerhin noch 35 Grad.
Klimawandel im Fokus
Auf die Frage, ob die Verkürzung eine historische Zäsur darstelle, antwortete Prudhomme zurückhaltend: „Der Geschichte begegnet man manchmal – und man begegnet ihr nicht, wenn die Strecke der Tour de France 30 Kilometer kürzer ist. Andererseits gibt es natürlich die globale Erwärmung und den Klimawandel.“
Bereits in der zweiten Junihälfte hatte eine massive Hitzewelle Frankreich heimgesucht, mit den höchsten landesweiten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1947. Mehrere tausend Menschen kamen nach vorläufigen Berechnungen durch die extremen Temperaturen ums Leben. Die Tour de France steht damit exemplarisch für die Herausforderungen des Klimawandels im Sport.



