Wellbrock jubelt: Zweites EM-Gold in Paris und träumt von vier Titeln
Wellbrock holt zweites EM-Gold in Paris und träumt von vier Titeln

Florian Wellbrock hat bei den Europameisterschaften im Freiwasserschwimmen in Paris seinen zweiten Titel innerhalb von 24 Stunden geholt. Nach seinem Sieg über die olympischen zehn Kilometer am Vortag triumphierte der Ausnahmeschwimmer auch über fünf Kilometer. Damit untermauert der 27-Jährige seine Ausnahmestellung in dieser Disziplin und lässt sogar von einer Wiederholung des Vierfach-Triumphes aus dem Vorjahr träumen.

Wellbrock träumt von vier Goldmedaillen

„Ich habe gerade so ein bisschen im Hinterkopf, dass man ja eventuell das aus Singapur wiederholen könnte mit vier Goldmedaillen“, sagte Wellbrock nach dem Rennen am Ufer der Seine. Gleichzeitig bremste er die Euphorie: „Aber auch da erstmal den Ball flach halten.“ Vor einem Jahr hatte sich der gebürtige Bremer in Asien zum Vierfach-Weltmeister gekrönt und dabei alle Freiwasser-Titel abgeräumt.

In Paris läuft es für Wellbrock nun auch auf europäischer Ebene ähnlich erfolgreich – allerdings unter komplett anderen Vorzeichen. Die Saison war von gesundheitlichen Problemen überschattet, das Training verlief alles andere als optimal. „Teilweise musste ich mit den Mädels dieses Jahr trainieren, weil ich für die Jungs einfach zu langsam war“, schilderte Wellbrock offen. Umso überraschender kommt für ihn selbst der Leistungssprung: „Ich habe absolut keine Erklärung, wo das jetzt herkommt, dieser Leistungssprung.“

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Vom Top-Ten-Ziel zum Doppel-Gold

Vor der Abreise nach Frankreich hatte Wellbrock nicht vom Podest gesprochen, sondern lediglich einen Top-Ten-Platz als Ziel ausgegeben. Nun setzte er sich wie am Dienstag vor dem Ungarn David Betlehem durch. Dritter wurde Gregorio Paltrinieri aus Italien. Oliver Klemet, der am Vortag noch Dritter geworden war, landete diesmal auf Rang zehn.

„Hättet ihr meine Saison mitverfolgt und gesehen, was ich im Training gemacht habe, dann ist das hier umso spektakulärer, dass ich zweimal Gold gewonnen habe“, betonte Wellbrock. Die Gewissheit, trotz schwieriger Vorbereitung im europäisch dominierten Freiwasserschwimmen zur Extraklasse zu gehören, gibt dem Olympiasieger von Tokio zusätzliche Sicherheit.

Verändertes Mindset dank Psychologin

Schon vor den Erfolgen hat Wellbrock eine persönliche Entwicklung durchgemacht. Der 27-Jährige ist lockerer geworden, setzt sich selbst nicht mehr so stark unter Druck wie in früheren Jahren. „Im Endeffekt ist es nur Sport“, sagte er. „Man sollte es irgendwo nicht zu wichtig im Leben nehmen.“

Diese Gelassenheit führt er auch auf intensive mentale Arbeit zurück: „Ich habe viel Mentalarbeit gemacht mit einer sehr guten Psychologin, der ich sehr dankbar bin und die auch einen großen Anteil an diesen Erfolgen hat. Das hat ein bisschen was verändert am Mindset und ich glaube, das tut ganz gut.“

Bundestrainer fiebert am Ufer mit

Für den Ausnahmeathleten war es die fünfte Medaille seiner Karriere bei Europameisterschaften im Freiwasser. Wie schon am Tag zuvor setzte er sich früh an die Spitze und zermürbte das angriffslustige Feld mit hohem Tempo. Bundestrainer Bernd Berkhahn verfolgte das Rennen emotional am Flussufer: „Florian hat einfach von Anfang an die Geschwindigkeit so hoch gehalten auf seinem Niveau, dass da keiner mehr rankam.“

„Ich habe immer den Fernseher angeschrieben und dem Florian Anweisungen gegeben, was er machen sollte“, beschrieb Berkhahn schmunzelnd. Nach dem Zieleinlauf wich die Anspannung dann der puren Freude über den nächsten Titelgewinn.

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