Wellbrock sorgt sich bei Schwimm-EM um Form und Wasserqualität
Wellbrock sorgt sich bei EM um Form und Wasserqualität

Rückkehr an den Ort der Enttäuschung

Florian Wellbrock kehrt an diesem Dienstag genau dorthin zurück, wo er bei den Olympischen Spielen 2024 seine wohl bitterste Stunde erlebte. In der Seine, die sich am Eiffelturm vorbei durch Paris schlängelt, springt der 28-Jährige bei den Europameisterschaften im Freiwasserschwimmen über zehn Kilometer ins Wasser. Es könnte eine kleine Versöhnungsmission mit der Stadt der Liebe werden – wären da nicht die Zweifel an Form und Wasserqualität.

Bei den Sommerspielen vor zwei Jahren war für den Magdeburger vieles schiefgelaufen: Über 800 und 1500 Meter war er im Becken bereits im Vorlauf ausgeschieden, im Freiwasser hatte er als Titelverteidiger von Tokio 2021 die Medaillenränge deutlich verpasst. Schwer geschlagen stieg er damals aus der Seine. Nun will er es besser machen – doch die Vorbereitung lief alles andere als rund.

Infekte bremsen Wellbrock

„Ich war wegen Infekten leider dreimal für jeweils eine Woche raus aus dem Wasser und musste pausieren“, sagte der Magdeburger der Deutschen Presse-Agentur. In einer Sportart, in der Ausdauer und ein exakt abgestimmtes Trainingspensum über Erfolg und Misserfolg entscheiden, wiegen solche Ausfälle schwer. In seiner starken Trainingsgruppe um Olympiasieger Lukas Märtens, Freiwasser-Silbermedaillengewinner Oliver Klemet und den 800-Meter-Europarekordler Johannes Liebmann blieb Wellbrock oft nur das Hinterherschwimmen. „Das war schon ungewohnt für mich.“

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Dabei hatte er im Vorjahr bei der WM in Singapur ein grandioses Comeback gefeiert und im Meer viermal Gold gewonnen. Eigentlich wäre er damit der große Favorit – doch durch die Trainingsrückstände ist die Ausgangslage eine andere. „Ich möchte auf jeden Fall in die Top Ten schwimmen“, gab er als Ziel für das erste Rennen am Dienstag um 10 Uhr aus, das im ZDF-Livestream übertragen wird. „Bei den Rennen danach müssen wir gucken, wie gut ich durchkomme und wie der Körper das wegsteckt.“ Trotz der Widrigkeiten verspürt er Vorfreude.

Lea Boy sagt ab – Wasserqualität als Risiko

Weniger zuversichtlich ist Nationalteam-Kollegin Lea Boy. Die 26-Jährige, die im Freiwasser-Weltcup dieses Jahres bereits auf dem Podest stand, hat sich vor gut einem Monat beim Weltcup im portugiesischen Setúbal einen Magen-Darm-Infekt eingefangen und ihre geplante Reise nach Paris abgesagt. „Nach dem Weltcup in Portugal bin ich einfach zu lange ausgefallen, nun fehlt mir dadurch die Substanz für ein Topergebnis. Und für einen Platz außerhalb der Top Ten muss ich dort nicht hinfahren“, sagte sie germanaquatics.de.

Boy ist kein Einzelfall: Zahlreiche Athletinnen und Athleten klagten nach den Rennen im Atlantik über gesundheitliche Probleme, manche mussten in die Notaufnahme. Als Ursache gilt die Wasserqualität. Auch die deutsche Schwimmerin Leonie Beck hatte nach dem olympischen Wettkampf in der Seine vor zwei Jahren über Erbrechen geklagt.

Impfungen und Kritik am Messsystem

Wellbrock nimmt die Lage ernst. „Wir haben vom Verband Impfungen empfohlen bekommen, die man vor der EM machen soll“, erklärte er. „Da ist zum Beispiel Hepatitis A dabei und andere Dinge, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Damit muss man sich leider beschäftigen vor den Freiwasserrennen.“

Kritisch sieht er zudem das offizielle Messverfahren: „48 Stunden vor Rennstart werden Wasserwerte erhoben. Die gehen ins Labor und dann kriegt man die Freigabe oder nicht.“ Beim Weltcup in Portugal habe er gehört, dass die dort ankernden Tanker vor der Weiterfahrt aufs Meer ihre Toiletten entleeren. „Wenn die Wasserwerte dann schon gemessen worden sind, bringt das natürlich nichts.“

Entwarnung für die Seine

Für Paris gibt sich Wellbrock diesmal optimistischer: Tanker gibt es in der Seine nicht. Zudem sei eine Bekannte von ihm kürzlich genau in dem Abschnitt geschwommen, in dem nun die EM-Rennen stattfinden. Auch Tage danach ging es ihr nach seinen Worten noch gut – das mache Mut.

Anders als seine Teamkollegen Klemet, Liebmann und Isabel Gose wird der 28-Jährige in der zweiten vollen Wettkampfwoche nicht im Becken starten. Direkt nach den Freiwasserrennen fliegt er nach Los Angeles, wo er an einem Wettkampf teilnimmt – als Test für die Olympischen Spiele 2028. „Das ist eine große Chance, die ich mir nicht entgehen lassen will“, betonte er.

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